Musikalische Spätsommernacht

Lichtenau-Dalheim (lwl). Wenn sich der Tag dem Ende zuneigt und die Dunkelheit der Spätsommernacht sich langsam über das weitläufige Gelände des Klosters Dalheim legt, dann wird die Dalheimer Klosterkirche am Freitag, 31. August, zum Ort eines besonderen, barocken (Klang-)Erlebnisses: Gemeinsam mit den Sopranistinnen Ina Siedlaczek und Veronika Winter gibt das United Continuo Ensemble um 21 Uhr die „Leçons de ténèbres“ in der Vertonung von François Couperin (1668–1733). Sie werden ergänzt durch Instrumentalwerke zum Beispiel von Marin Marais und Robert de Visée. Wolfgang Kühnhold rezitiert.

 Es ist die erste sogenannte „Dunkelmette“ in der 16-jährigen Festivalgeschichte des Dalheimer Sommers. Und mit den „Leçons de ténèbres“ widmen sich die jungen renommierten Künstler einem Werk, dessen zugrundeliegende Intention eng mit dem symbolträchtigen Kontrast von Licht und Dunkelheit verknüpft ist. Auf Deutsch in etwa „dunkle Lesungen“ (tenebrae lat. für Finsternis) bedeutend, gehörten sie zur Liturgie der Karwoche und haben die Prophezeiungen des Jeremias als Textgrundlage. Tenebrae-Lamentationen waren im 17. und 18. Jahrhundert in Frank­reich sehr beliebt.Durch ihre musikalische Eleganz und reiche Ornamentik haben sie viele Gemeinsamkeiten mit der französischen Barockoper– und das nicht ohne Grund: Denn zur Zeit Ludwigs XIV. blieben in der Karwoche die Opernhäuser geschlossen. Weil die höfische Gesellschaft aber nicht auf musikalische Unterhaltung ver­zichten wollte, wurden die Aufführungen der Tenebrae-Lamentationen zu opern­ähnlichen Konzertereig­nissen. Eine besondere Symbolik erhält die Aufführung in der Dalheimer Klosterkirche durch die Verwendung eines Triangelleuchters, dessen 15 Kerzen im Laufe des Konzerts gelöscht werden: als Zei­chen der Trauer der Kartage.

 Das United Continuo Ensemble wurde 1995 vom Gambisten Jörg Meder gegrün­det und besteht aus Musikern, die sich auf Basso-Continuo-Instrumente spezialisiert haben. Sein Repertoire besteht aus Konzertpro­grammen mit Musik verschiedener Länder des 16. bis 18. Jahrhunderts, musikalisch-szenischen Aufführungen, Tanzperforman­ces und Opernproduktionen. In Dalheim spielen Jörg Meder (Viola da Gamba), Axel Wolf (Theorbe) und Zita Mikijanska (Orgel und Cembalo).

 Die Gesangspartien übernehmen die Sopranistinnen Ina Siedlaczek und Veronika Wolf. Ina Siedlaczek ist sowohl als Solistin im oratorischen Fach, wie als solistische Ensemblesängerin gefragt. Sie ist regelmäßiger Gast verschiedener Musikfestivals und ist als Lehrbeauftragte für die Hochschule für Musik Detmold und die Universität Paderborn tätig. Das vorrangige Interesse von Veronika Winter gilt der Interpretation Alter Musik. Sie hat bei zahlreichen Rundfunk- und CD-Produktionen mitge­wirkt und ist regelmäßig Gast internati­onaler Festivals.

 Information und Karten unter Telefon (05292) 9319-224 oder unter www.dalheimer-sommer.de.

Foto: Der Veranstalter