Mit Aufklebern für mehr Organspender werben

„Ich für dich, du für mich“: (von links) Dr. Bernd Fischer (Transplantationsbeauftragter Klinikum Gütersloh), Karl-Heinz Meister (Initiator), Corinna Brambach und Jürgen Jentsch (Seniorenbeirat Gütersloh). Foto: Klinikum Gütersloh

Gütersloh. Der Skandal um die Organvergabe verunsichert die Deutschen – bei vielen geht die Spendenbereitschaft zurück. Nicht so bei Karl-Heinz Meister aus Harsewinkel. Seitdem sein Sohn vor einigen Jahren durch eine Nierenspende ein neues Leben geschenkt bekam, setzt er sich aktiv für das Thema ein. In Eigeninitiative hat der selbständige Kaufmann Aufkleber mit dem Titel „Pro Organspende“ entwickelt, die er mit Unterstützung des Klinikum Gütersloh und des Seniorenbeirats herstellt und verteilen möchte.

„Ich sehe die Organspende sehr positiv“, sagt Karl-Heinz Meister im Rückblick auf seine persönliche Erfahrung. Acht Jahre ist es jetzt her, dass sein Sohn ein Nierenversagen erlitt. Über vier Jahre war er auf eine regelmäßige Dialyse angewiesen. Das sei für die ganze Familie eine schwierige Zeit gewesen. Ein Freund erwies sich als Lebensretter. Er spendete dem Erkrankten eine seiner Nieren. „Seitdem habe ich zwei Söhne“, meint Meister. Die Transplantation hat, auch wenn das erste Jahr kraftraubend war, sehr gut funktioniert. Heute kann Meisters Sohn mit der neuen Niere seinem Beruf wieder ganz normal nachgehen. Dass die Organspende in Deutschland einen so schlechten Stand hat, macht den Harsewinkeler nachdenklich. Er möchte für das für ihn sehr positiv besetzte Thema sensibilisieren und auch andere Menschen dazu ermutigen. Für seine Idee mit auffällig gestalteten Aufklebern Aufmerksamkeit zu erregen, hat er mit Dr. Bernd Fischer (Transplantationsbeauftragter am Klinikum Gütersloh) eine große Unterstützung bekommen.

„Ich finde Herrn Meisters Eigeninitiative klasse und ich helfe ihm gerne“, sagt Dr. Fischer. Als Arzt kennt er die Problematik: Viele Menschen müssen sterben, weil für sie kein geeignetes Spenderorgan gefunden wird. Im Klinikum Gütersloh ist die Zahl der Organspende, ähnlich wie beim Bundestrend, gering. Nur in seltenen Fällen kommt es zu einer Explantation. „Ist der Wille des Verstorbenen unklar und die Angehörigen sind gegen eine Organentnahme, müssen wir diese Entscheidung akzeptieren“, sagt Dr. Fischer. In anderen Ländern wie Spanien sei die Spendenbereitschaft viel höher. Dort gelte die Widerspruchsregelung und jeder als Spender, der zu Lebzeiten nicht ausdrücklich der Entnahme von Organen widersprochen hat. „Eigentlich müsste sich jeder angesprochen fühlen, denn es kann jeden treffen“, fügt Fischer hinzu. Spenderorgane seien rar. Und deshalb sei der Skandal um die Vergabe in Deutschland überhaupt entstanden.

Mit finanzieller Unterstützung des Klinikum Gütersloh wird Karl-Heinz Meister in Kürze kleine Aufkleber herstellen lassen. Sie sind an öffentlichen Stellen wie Krankenhäusern, Tankstellen oder Krankenkassen erhältlich und können etwa öffentlichkeitswirksam auf das Auto geklebt werden. Um die Aktion auszuweiten sind weitere Spenden nötig. Das Klinikum hat dafür ein Spendenkonto mit dem Verwendungszweck „Pro Organspende“ eingerichtet, BLZ 478 500 65, Kontonummer 25181. Weitere Informationen gibt es bei Dr. Bernd Fischer unter Tel.: 05241-8323110.

Foto: Klinikum Gütersloh