Mindener Schülerinnen und Schüler holen „Bücher zurück aus dem Feuer“

Minden. Vor mehr als 80 Jahren, am 10. Mai 1933, verbrannten Nationalsozialisten in vielen Orten Deutschlands Bücher auf öffentlichen Scheiterhaufen, um den „jüdischen und undeutschen Geist“ zu vernichten. Schülerinnen und Schüler des Bessel-, Herder- und Ratsgymnasiums erinnern am 13. Mai von 14:00 bis 16:30 Uhr am Scharn vor dem Rathaus an diesen barbarischen Akt gegen die Freiheit. Mit Lesungen aus Texten von Autoren, deren Werke verbrannt wurden, wollen sie diese symbolisch zurück aus dem Feuer holen. In der Gemeinschaft Mindener Schülerinnen und Schüler des Bessel-, Herder- und Ratsgymnasiums zeigen sie ihre Haltung gegen jede Unterdrückung von Meinungsfreiheit und politischer Verfolgung damals wie heute. Die Aktion findet statt im Rahmend es Lokalen Aktionsplan Minden (LAP), der mit seinen Aktivitäten Initiativen für Demokratie und gegenseitige Achtung über das Bundesprogram „Demokratie leben!“ des Ministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend fördert. Die Lesung von Textausschnitten und Gedichten ist für alle Interessierte öffentlich.

Die Bücherverbrennung war einer der ersten massiven Übergriffe auf Juden und Andersdenkende. Vor allem in Universitätsstädten brannten die Feuer, angezündet nicht nur von SA-Horden, sondern auch von Studenten. Pazifistische, demokratische und marxistische Schriften sowie sexualwissenschaftliche Literatur waren das bevorzugte „Brennmaterial“. Verbrannt wurden die Bücher von Marx und Engels, von Freud, Tucholsky und Kästner, von Heinrich Mann und Remarque, von Heinrich Heine und von Hunderten anderer Schriftsteller. Die scheinbare „Rechtfertigung“ lieferte der Hinweis auf den „jüdischen Geist“, der für all den „zersetzenden Schmutz“ verantwortlich sei. Der Tag der Bücherverbrennung ist als symbolisches Datum von historischer Bedeutung. Er gibt nachträglich Heinrich Heine Recht, der sagte: „Das war das Vorspiel nur, dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen.“ Der Tag soll auch daran erinnern, dass der nazistische Ungeist immer noch oder wieder unter uns lebt.