Marco Huck gewinnt dramatischen Kampf!

Eine häufige Szene des Kampfes: Arslan durchbricht Hucks Deckung. Foto: Andreas Lemke

Halle/Westfalen. Marco Huck schlägt Firat Aslan in einem dramatischen Boxkampf und wird so zum zehnten Mal in Folge  Weltmeister der WBO im Cruisergewicht, ein sogenannter Superchampion!

Doch anstelle eines klaren Kampfes, wie es sich zuvor viele erhofft hatten, musste Huck bis auf die Knochen kämpfen um seinen Titel zu verteidigen. Erst ein einheitliches Urteil stimmte ihn zum Sieger, was die Arslan-Ecke stark aufstießen ließ.

„Die Fans haben es gesehen“, sagte der Verlierer nach dem Kampf, „jeder hat gesehen, dass ich heute der Sieger war.“

Seine Meinung kam nicht von irgendwo. Nachdem Huck gekürt wurde, pfiffen ihn die rund 7.000 Zuschauer in seinem eigenen „Wohnzimmer“ gnadenlos aus. Empörende und wütende Zurufe untermalten das Bild des Urteils, das komplett fehl am Platz wirkte. Wären die zwei 115:113 Bewertungen der Richter noch nachvollziehbar gewesen, musste man sich bei der 117:111 Wertung pro „Käpt’n“ Huck fragen, wie viel der dritte im Bunde auf diesen Kampf gesetzt hatte. Uli Wegners Aussage, er gebe keinen Kommentar zum Urteil ab, sprach dementsprechend Bände.

Die Gründe für den schlechten Fight seines Schützlings sah er in der mangelhaften taktischen Ausführung. Obwohl Huck sich bereits im Training mit Sparringspartnern auf den Kampf vorbereitete, die Firat Arslan zum Verwechseln ähnlich seien, habe er taktisch verkehrt geboxt, so der Meistertrainer. Dennoch sah er den alten und neuen Weltmeister 1 bis 2 Runden vor seinem Herausforderer. Aber welcher Trainer hätte dies in solch einer Situation nicht behauptet?

Arslan ließ von Beginn an nichts anbrennen und attackierte den Titelverteidiger ohne Unterlass. Ausbrüche von Huck waren Mangelware, der 42-jährige hingegen boxte den Kampf seines Lebens. Der Bielefelder, der nicht einmal 20 Kilometer entfernt vom Gerry-Weber-Stadion aufwuchs, musste mehrere Uppercuts einstecken, die den Weg durch seine öfters durchlässige Deckung fanden. Löchrig wie ein Schweizer Käse, so hatte es teilweise den Anschein.
Auf der anderen Seite stand Arslans Verteidigung wie eine Mauer. Erst in den letzten vier Runden schien sie zu bröckeln, hielt aber weiterhin größtenteils stand. Die oftmals verzweifelt wirkenden Versuche an seinen Widersacher ranzukommen, waren dann wohl auch Grund genug für den Sieger seinen Erfolg mit „zahlreichen Wirkungstreffern“ zu erklären.

Trotz des merkwürdig anmutenden Urteils übernimmt dieser Fight dennoch eine entscheidende Bedeutung für den deutschen Boxsport in jüngster Vergangenheit, denn dies war Werbung für eben jene Sportart par excellence. Ein Rückkampf wurde auf der anschließenden Pressekonferenz heiß diskutiert und selbst Kalle Sauerland, der Veranstalter und Chef des Sauerland-Boxstalls, schien dies für die beste Idee zu halten. Auch der zehnmalige Weltmeister stimmte dem zu. „Ich kämpfe gegen jeden“, sagte Huck selbstbewusst. Bleibt abzuwarten, ob dies nicht nur leere Worte waren und er endlich zeigen kann, dass er der wahre Superchamp ist.

Text: Tim Hildebrandt

Foto: Andreas Leber, www.eventfotografie-lemgo.de