Männerberufe an die Frau bringen

GruppenfotoGütersloh (gpr). Retten, Löschen, Bergen, Schützen: Das sind die Aufgaben eines Feuerwehrmanns – oder einer Feuerwehrfrau. Mit Kübelspritze und Feuerlöscher erkundeten die dreizehnjährigen Schülerinnen Radia und Lara beim Girls‘ Day am Donnerstag den Beruf der Blauröcke. Insgesamt stellte die Stadtverwaltung Gütersloh 60 Plätze in acht frauenuntypischen Bereichen zur Verfügung. Gut 25 Jungen lernten den Alltag des Erziehers kennen und waren in den Fachbereichen Ordnung sowie Jugend und Bildung unterwegs.
„Die Ausrüstung ist ganz schön schwer, aber sie muss ja auch schützen“, sagt Lara von der Anne-Frank-Gesamtschule. Gut 18 bis 20 Kilogramm wiegt die Feuerwehrschutzkleidung. „An der Feuerwehr finde ich toll, dass sie Menschen rettet“, erklärt Radia ihre Motivation, im Rahmen des Girls‘ Day den Beruf der Feuerwehrfrau kennenzulernen. Die beiden Schülerinnen können sich vorstellen, später als Feuerwehrfrau zu arbeiten. Gemeinsam mit gut 60 weiteren Schülerinnen und Schülern aus den siebten bis zehnten Jahrgängen wurden sie von Bürgermeisterin Maria Unger und Organisatorin Agnes Bröckling-Kuron von der Gleichstellungsstelle auf dem Hof der Feuerwehr begrüßt. Danach erkundeten die Mädchen den Fachbereich Bauordnung und Vermessung, besuchten Baustellen, arbeiteten beim Fachbereich Stadtreinigung an Fahrbahnausbesserungen mit oder bauten Computer auseinander.

In männeruntypische Berufe schnupperten 24 Jungen in der Stadtverwaltung. Die meisten von ihnen lernten in städtischen Kitas den Beruf des Erziehers kennen. So wie der dreizehnjährige Tim in der Kita am Müthers Kamp. „Ich finde es toll, den Kindern beim Spielen zuzusehen“, sagt er. Und dass man als Mann viel Spaß in dem Beruf haben kann, zeigt ihm Dennis Bergen, Anerkennungspraktikant zum Erzieher, der ihn im Arbeitsalltag begleitet. Am Klinikum Gütersloh lernten fünf Schülern den mädchentypischen Beruf der Gesundheits- und Krankenpflege kennen. Nach wie vor ist dieser Beruf fest in weiblicher Hand. Die Zahl der männlichen Ausbildungsanfänger liegt bei etwas über 20 Prozent. Die Schüler fanden die Aktion alles andere als langweilig. Blutdruck messen gehörte hier genauso dazu wie Bettwäsche wechseln oder einen Verband anlegen. Einen Tag lang durften die Jungen eine feste Bezugsperson in der Pflege begleiten und ihr bei der Arbeit über die Schulter schauen. In der abschließenden Gesprächsrunde äußerten sich die Schüler durchweg positiv. Besonders gut gefallen hat den Jungs, dass sie viel über den Beruf erfahren haben und einiges selbst ausprobieren durften. „Vielleicht sehen wir jemanden im Schulpraktikum wieder“, sagt Kirsten Strack aus der Pflegedienstleitung am Klinikum Gütersloh.
Bei der 13. Auflage des Girls‘ Day in Gütersloh waren insgesamt 171 Schülerinnen in 16 Betrieben und Einrichtungen mit über 20 verschiedenen Arbeitsbereichen angemeldet. 61 Plätze davon stellte die Stadtverwaltung zur Verfügung. Für Jungen standen 47 Plätze in 25 Einrichtungen und Betrieben mit acht unterschiedlichen Arbeitsbereichen bereit, die meisten davon in städtischen Kindergärten.

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220 Schülerinnen und Schüler in Gütersloh machten am Girls` und Boys` Day ihre eigenen Erfahrungen mit den „typischen“ Männer- und Frauenberufen: 60 Schülerinnen und Schüler wurden auf dem Hof der Feuerwache begrüßt. (c) Feuerwache Gütersloh