„Loud und proud aus dem Bauch heraus“

Verl (rsc). Am Freitag, den 10. August tritt mit THE LORDS eine der dienstältesten Deutschen Rockbands auf dem Truck Treff Festival in Kaunitz auf. Leo Lietz, der Gitarrist und Sänger der Lords stand dem OWL-Journal für ein Interview zur Verfügung.

OWL-Journal: Guten Tag Herr Lietz. Seid ihr zum ersten Mal mit eurer Band auf dem Truck Treff?

Lietz: Hier bei euch in Kaunitz sind wir tatsächlich zum ersten Mal. Aber wir haben schon auf einigen anderen Countryfestivals gespielt. Zwar nicht so oft, weil es ja nicht unbedingt unsere Musik ist, wir machen ja nicht diese Truckermusik, aber es ist musikalisch schon nah dran.

OWL-Journal: Ihr seid ja der große Aufhänger für diesen Truck Treff. Mit euch wird ja richtig Werbung gemacht.

Lietz: Joa, der Gunther Gabriel ist ja auch dabei.

OWL-Journal: In der Werbung stehen die Lords noch über Herrn Gabriel.

Lietz: (lacht) Ja? Muss nicht sein. Wir fühlen uns in unserer Position als normale Rockband eigentlich ganz wohl.

OWL-Journal: Was erwartet ihr denn vom Festival, musikalisch gesehen?

Lietz: Naja, wir spielen erstmal unsere alten Hits natürlich, aber auch ein paar neue Sachen. Ich denke, das wird ein wunderbarer Abend. Voodoo Lounge sind ja auch da, die spielen ja Rolling Stones-Sachen. Also ich denke, das wird eine richtig geile Party.

OWL-Journal: Was kommt denn nach dem Festival? Habt ihr Tourpläne oder wird es ein neues Album geben?

Lietz: Wir sind ja jedes Wochenende oft auf Tour. Wir machen ja keine feste zusammenhängende Tour so über einen Monat oder über eine längere Zeit. Wir nehmen Einzelgastspiele wahr, das heißt Freitag, Samstag, Sonntag sind wir in Deutschland und ganz Europa unterwegs.

OWL-Journal: Jetzt seid ihr ja schon seit über 50 Jahren eine Band. Das haben ja noch nicht viele geschafft. Habt ihr mal übers Aufhören nachgedacht?

Lietz: Wir sitzen ja oft zusammen. Wir sind ja eine große Familie. Solange die Gesundheit mitmacht, denken wir eigentlich nicht ans Aufhören. Erstmal macht es uns unheimlich Spaß auf der Bühne zu stehen, das ist eigentlich die Triebfeder von allem und ich denke, andere dürfen Hundert Jahre alt werden, dann werden wir eben die erste Rock’n’Roll Band die so alt wird.

OWL-Journal: Ihr habt euren Erfolg damals in den 60er Jahren auf einem Wettbewerb begründet, auf dem die Berliner Beatles gesucht wurden. Nach so vielen Jahren Bandgeschichte, und eure Besetzung hat sich ja auch mehrmals geändert, wie hat sich eure musikalische Identität dadurch gewandelt? Seid ihr immer noch die Berliner Beatles oder wie würdet ihr euch jetzt bezeichnen?

Lietz: Wir sind ja mit der Urbesetzung noch mit zwei Mann dabei. Der Bernd, der Bassist, und ich. Und wir haben natürlich alle Musikeinflüsse in uns reinkommen lassen und als wir mit Skiffle angefangen haben, im Waschbrett war das natürlich Musik die man aus dem Handgelenk machen konnte. Dann kam der Beat rüber aus England und Mercybeat, da haben wir uns immer rumgehört und zugehört im Radio was da so passiert. Wir haben uns immer weiterentwickelt. Heute sind wir eigentlich nur eine richtige Rock’n’Roll Band. Wir spielen eigentlich kein einziges Beatles Lied. Das war damals bei der Endausscheidung der Aufhänger, dass man die beste Beatlesband suchte. Das war eigentlich nur eine Pressekampagne. Heute spielen wir Rock’n’Roll in der Urform richtig schön loud und proud aus dem Bauch heraus.

OWL-Journal: Viele eurer Songs sind ja nun Coversongs von alten amerikanischen Folksongs. Aber eure großen Hits waren eure eigenen wie Poor boy. Wie wäre das, noch mal ein richtiger internationaler Hit?

Lietz: Oh, wir haben viele eigene Hits. Sicher, wir haben angefangen mit Shakin‘ all over. Das war eine uralte Nummer von dem englischen Gene Vincent aber der richtige große Durchbruch gelang uns mit unserer eigenen Komposition Poor boy. Es ist ja nun nicht so, dass wir uns auf die faule Haut legen und nichts tun. Wir proben ja noch regelmäßig uns suchen immer nach neuen Wegen und neuer Musik.

OWL.Journal: Ihr werdet auf dem Truck Treff am Freitag spielen. Wir freuen uns darauf. Vielen Dank für das Gespräch.

Lietz: Gern geschehen.

 

Das Interview führte René Scharton.
Foto: Veranstalter Truck Treff Kaunitz