Lopshorn soll Wald werden

Bielefeld. In einem Nationalpark Senne sollen u.a. die Lopshorner Wiesen sowie Graslandschaften im sogenannten Augusta-Gebiet der Verbuschung und Bewaldung ĂŒberlassen werden. Die am strengsten geschĂŒtzten Zonen eines Nationalparks, die sog. Prozessschutzzonen, sollen bis an die Augustdorfer SiedlungsrĂ€nder heran ausgedehnt werden. In diesen Prozessschutzzonen soll sich die Natur frei und ohne menschliche EinflĂŒsse nach ihren eigenen Regeln entwickeln können.

Das lĂ€sst sich dem ‚Gutachten zur Eignung der Senne als Nationalpark‘ des Landesamtes fĂŒr Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) NRW von August 2011 entnehmen (siehe die Abb. 9 und 12 des Gutachtens).

BĂŒrgermeister Dr. Andreas J. Wulf kritisiert diese Planungen: „Lopshorn ist von großer kulturhistorischer Bedeutung fĂŒr die Region. Viele alte Augustdorfer haben dort ihre Kindheit und Jugend verbracht. Lopshorn ist Teil unserer Heimat. Das darf man nicht einfach aufgeben, nur weil sonst kein Nationalpark möglich ist.“

Lopshorn war seit Mitte des 16. Jahrhunderts Sitz des Senner GestĂŒts und spĂ€ter auch Jagdschloß. Die Senner Pferde gelten als die Ă€lteste Pferderasse Deutschlands. Sie wurden erstmalig im Jahr 1160 urkundlich erwĂ€hnt. Die ‚Initiative Wiederaufbau Schloß Lopshorn gGmbH‘ verfolgt das Ziel, das Schloß eines Tages wieder aufzubauen. Dr. Wulf: „Ich habe den Eindruck, dass unsere Geschichte, die Verbundenheit der Augustdorfer mit ihrer Heimat und die BedĂŒrfnisse der vor Ort lebenden Menschen bei den Nationalparkplanungen nicht den Stellenwert haben, der ihnen zusteht.“

Augustdorfs BĂŒrgermeister stellt fest, dass ein Nationalpark in der Senne weder die nationalen noch die internationalen fachlichen Standards erfĂŒllen kann. Danach mĂŒssten 75 % bis 100 % der FlĂ€che fĂŒr den Prozessschutz zur VerfĂŒgung gestellt werden. Die in der Senne verfĂŒgbare WaldflĂ€che hat aber nur einen FlĂ€chenanteil von 49 %. Das entspricht ca. 5.700 ha. Davon kann nur ein Teil der ungestörten natĂŒrlichen Entwicklung ĂŒberlassen bleiben: Zum einen ist ein erheblicher Teil der Waldparzellen der Senne zu klein oder zu schmal, zum anderen grenzen die WĂ€lder teilweise unmittelbar an die SiedlungsrĂ€nder. Dort muss nach Auffassung von Dr. Wulf die Naherholung der Wohnbevölkerung Vorrang genießen.

Außerdem wĂŒrden sich die KiefernwĂ€lder der Senne nicht automatisch zu naturnahen LaubwĂ€ldern entwickeln. Stattdessen sei damit zu rechnen, dass sich in einem Großteil der WĂ€lder die aus Nordamerika stammende SpĂ€tblĂŒhende Traubenkirsche ausbreiten wĂŒrde. Diese bildet dichte und dunkle UnterstĂ€nde. „Die WĂ€lder der Senne werden durch diese Entwicklung sicherlich nicht schöner und nicht besser fĂŒr die Erholung geeignet sein“, meint der BĂŒrgermeister. Er geht davon aus, dass deutlich unter 40 % der Gebietskulisse ĂŒberhaupt fĂŒr den Prozessschutz geeignet sind.

Die Landesregierung hat in ihrem Koalitionsvertrag das Ziel definiert, dass neue Nationalparke in NRW die internationalen Standards erfĂŒllen sollen. „Das geht in der Senne nur, wenn von den heute ca. 5.000 ha Heide- und Graslandschaft ca. 3.000 bis 4.000 ha der Bewaldung ĂŒberlassen werden“, hat Augustdorfs BĂŒrgermeister nachgerechnet: „Damit wĂŒrde den Bewohnern der Senne ihre Heimat genommen. Die Senne wĂŒrde ihren besonderen Charakter verlieren. Die herrlichen Ausblicke auf den Teutoburger Wald und ĂŒber das MĂŒnsterland bis zum Rothaargebirge wĂŒrden verschwinden. Die Weite, die GefĂŒhle von Freiheit und Unendlichkeit aufkommen lĂ€sst, wĂŒrde der relativen Enge von WĂ€ldern weichen. Die Geschichte der Landschaft wĂ€re nicht mehr erlebbar. Das darf man uns nicht antun.“

Augustdorfs BĂŒrgermeister zieht das Fazit: „Die wertvolle Kulturlandschaft der Senne muss erhalten und geschĂŒtzt werden. Allerdings mit den und nicht gegen die Menschen. Ein Nationalpark ist fĂŒr die Senne als Mittel zum Schutz der Natur völlig ungeeignet.“