Literatur- und Musikfest ‹Wege durch das Land› eröffnet in Gütersloh

Gütersloh. Das 16. Literatur- und Musikfest ‹Wege durch das Land› führt vom 14. Mai 2015 bis zum 8. August 2015 an 23 verschiedene Renaissanceschlösser, barocke Herrenhäuser, in Klöster und auf Deelen sowie in die freie Natur unter den blauen Himmel. Ein ganzes Dorf spielt mit. Acht neue Orte sind darunter, viele vertraute Bekannte lesen und 7 prominente Schauspieler geben ihr Debüt, insgesamt sind 185 Künstler aus 19 Ländern beteiligt. Das Programm glänzt mit großen Namen und Entdeckungen, es entwickelt aus der inhaltlichen Verknüpfung von Ort, Text und Musik neue, aufregende unerwartete Konzepte mit 5 Uraufführungen, Eigenproduktionen und Auftragsarbeiten, es vertraut unbedingt dem Wort und darauf, daß die Zukunft der Güte gehört.

Zur Eröffnung im Theater Gütersloh am 14. Mai 2015 hält Michael Krüger, Schriftsteller und überragende Verlegerpersönlichkeit,
die ‹Rede an die Sprache›. Klaus Maria Brandauer liest Briefe und Gedichte, die Dietrich Bonhoeffer in der Haft verfaßt hat. Dieser leidenschaftliche Auftakt zum Nachdenken erhält durch die Musik von Bach, Brahms und Ullmann eine mildere Färbung, die mit der folgenden Exkursion in die Abtei Marienfeld, Franziskanerkloster Rietberg, zum Haus Brincke und in die Likörmanufaktur Schroeder einen Zug ins Pastorale bekommt.

Dann lesen Norbert Hummelt und Judith Zander, der Cellist Alban Gerhardt und das Ensemble Wunderkammer treten auf. Auf Gut Geissel mit Verbindungen an den Comer See kombiniert das Programm am 15. und 16. Mai den italienischen Klassiker ‹Die Verlobten› von Alessandro Manzoni mit den Gedichten der Lyrikerin Patrizia Cavalli und einem Konzert frühbarocker Musik lombardischer Meister mit Stefan Temmingh, Loredana Gintoli und Stephan Rath. Im Gestüt Ebbesloh am 16. und 17. Mai begegnet Tolstois Geschichte eines Pferdes ‹Der Leinwandmesser› Clemens Meyers’ Erzählung ‹Von Hunden und Pferden›. Johann von Bülow schick am 17. Mai im Gut Nottbeck Voltaires Candide auf die Suche nach ‹der besten aller Welten›, während der hellsichtige Beobachter Sherko Fatah seinen Helden, dem die Werte verlorengegangen sind, am ‹Letzten Ort› sieht.

Gespräche über russische Zustände werden am Pfingstwochenende auf Gut Böckel mit seiner nach Rußland
reichenden Tradition aufgenommen, wenn Martina Gedeck und Ulrich Noethen Tolstois Klassiker ‹Anna Karenina›
im Dialog lesen und auf Gut Consbruch tragen Jens Harzer und Maria Galic aus Schillers ‹Die Räuber›, das Boulanger
Trio ist u. a. mit dem großen Bewunderer Schillers, Robert Schumann, zu erleben. Wege durch das Land
wird am 30. Mai im Theater im Park von Bad Oeynhausen wortwörtlich genommen, wenn mit Constanze Becker,
Jürgen Holtz, Leslie Malton, Felix von Manteuffel und Max Simonischek fünf herausragende Theaterschauspieler
Texte zum Zusammenhang von Gehen und Denken, Wegstrecke und Weg der Erkenntnis vortragen und
im Konzert Schnittke und Schumann gegeben werden. Zum zweiten Mal findet eine Lyriksession statt, in diesem
Jahr am 4. Juni auf Schloß Wehrden, wo ein ganzer Tag der zeitgenössischen Lyrik gewidmet ist. Am 6.
Juni unterstreicht Hanna Schygulla in ihrer Lesung von Bertha von Suttners ‹Die Waffen nieder› im Stift Fischbeck
das heimliche Motto des der diesjährigen ‹Wege durch das Land›: ‹Die Zukunft gehört der Güte›. Eine
Woche später trifft in der Klosterkirche von Falkenhagen in der Lesung von Burghart Klaußner der Literaturnobelpreisträger
J. M. Coetzee mit der bewegenden Musik The Blue Shroud zusammen. Von Büren gibt es eine
direkte Verbindung nach Rom, die am 20. Juni in der Lesung von Goethes Römischen Elegien aufgegriffen wird.
Eine Premiere ist hier die Lesung von Durs Grünbein mit dem in Rom angesiedelten ‹Photopoem›. Am Schloß
Wendlinghausen, bekanntlich mit Johann von Goethe verbunden, finden am 26. Juni seine von Hanns Zischler
gelesenen Metamorphosen der Pflanzen in den Dichtungen von Franz Josef Czernin einen Echoraum. In der
Abtei Marienmünster entsteht am 27. und 28. Juni eine besondere Bühne: Drei Schauspielerinnen des
RambaZamba Theaters Berlin mit Down-Syndrom, Nele Winkler, Juliana Götze und Rita Seredßus, sind gemeinsam
mit Angela und Tammo Winkler in einer Inszenierung nach Anton Tschechows ‹Schwestern› zu erleben.
Vom 3. – 5. Juli ist Fritzi Haberlandt als die diesjährige Schauspielerin in Residence auf dem Gut Holzhausen
zu Gast. ‹Heimsen. Versuch über ein Dorf› ist das Literatur-Musik-Kunst-Projekt überschrieben, bei dem der
Schauspieler Robert Stadlober und der Musiker und Texter Andreas Spechtl am 11. und 12. Juli nicht nur viele
Künstlerfreunde einbeziehen, sondern das ganze Dorf in den künstlerischen Prozeß und die Aufführung integrieren.
Am 17. und 18. Juli in der Dr. Oetker Welt Bielefeld spielt das Kronos Quartet und Monique Truong und
Lilith Stangenberg sind mit Lesungen zu erleben. Hier gibt es auch die Jungen Wege als eine einzige Einladung
an die Fantasie mit den Schauspielerinnen und Musikerinnen Saskia Mees und M. A. Whiteside. Am 19. Juli findet
mit dem Architekten David Adjaye auf Gut Böckel die diesjährige Rede zur Architektur statt. Jedes Märchen
ist pure Poesie und Fremdsprache zugleich, im Schloß Corvey treten Katharina, Anna und Nellie Thalbach zur
Lesung am 25. und 26. Juli mit Hausmärchen der Brüder Grimm gemeinsam auf, Ulrike Almut Sandig spitzt in
ihrem für das Literatur- und Musikfest entstandenen Gedichtzyklus ‹Grimm› die Märchenmotive zu. Hans Magnus
Enzensberger trifft sich am 1. August im Konzerthaus Detmold mit Udo Samel zu einem Gespräch mit Diderot,
dabei ist auch Franui Musicbanda. Als Finale am 8. August dann ein Wandern mit Worten, ausgehend
von einem alten Quellheiligtum, durch eine vielfältige reiche Kulturlandschaft an mittelalterlichen Wölbackerbeeten
vorbei, an Orchideenwiesen entlang, über Kalkmagerrasen in tiefe Täler, begleitet von Musikern, Biologen,
dem Schauspieler Hans Kremer und der Schriftstellerin Nora Bossong, mit Texten von Jürgen von der
Wense und ganz neuen Arbeiten von Nora Bossong, die schon einmal vorab die Landschaft schriftstellerisch
erkundet hat.

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