Lippische Landesbibliothek erwirbt unbekannten Grabbe-Brief

GrabbeDetmold. Am 28. September 1831 schrieb Christian Dietrich Grabbe aus Detmold an seinen Freund und Verleger Georg Ferdinand Kettembeil in Frankfurt, dass er begonnen habe, „ernstlich“ die polnische Geschichte zu studieren. Den bisher
unbekannten Brief konnte die Lippische Landesbibliothek aus dem Lagerkatalog des Auktionshauses Stargardt mit Unterstützung der Gesellschaft der Freunde und Förderer der Lippischen Landesbibliothek erwerben.

Der Brief ist Teil einer Serie von Schreiben an Kettembeil. Im Juni 1831 hatte Grabbe seinem Verleger gemeldet, er sei auf der Suche nach theatralischen Stoffen; Kettembeil hatte den polnischen Nationalhelden Tadeusz Kościuszko seiner Aufmerksamkeit empfohlen, der 1794 den russischen Truppen unterlag. Grabbe hielt Kościuszko für einen „bornirten Kopf“, begann aber doch mit der Lektüre, nicht zuletzt, da der Stoff durch den Novemberaufstand in Polen 1830/31 europäische Aktualität gewonnen hatte. Im jüngst erworbenen Brief kündigt er an, das Drama in drei Monaten geschrieben zu haben. Dabei hatte gerade Ende September 1831 seine Schaffenskraft einen schweren Schlag erlitten, als Henriette Meyer die Verlobung mit ihm gelöst hatte und aus Detmold abgereist war. Das rasch dahingeworfene, einseitige Schreiben lässt diesen Zusammenhang nur ahnen in Grabbes Hinweis auf seine angegriffene Gesundheit: „das Trauerspiel ‚Kosciuzko‘ soll nicht übel werden, wenn meine Gesundheit es erlaubt“.

Grabbe BriefDie Neuerwerbung trägt die Signatur GA Ms 634. Die Lippische Landesbibliothek besitzt neben zahlreichen Werkmanuskripten rund 260 Briefe von Grabbes Hand. Grabbes Werk ist vollständig online zugänglich im Grabbe-Portal der Landesbibliothek www.grabbe-portal.de.

BU-1: (Lippische Landesbibliothek) Porträt Grabbes, Lithographie von W. Severin nach einer
Bleistiftzeichnung von W. Pero.

BU-2: (Lippische Landesbibliothek) Scan des Briefes