Leuchttürme hoher Religiosität liegen außerhalb Europas

Gütersloh. Die Türkei (82 Prozent), Brasilien (74 Prozent), Indien (70 Prozent) und die USA (67 Prozent) weisen den größten Anteil derjenigen auf, die angeben „sehr“, „ziemlich“ oder „mittel religiös“ zu sein. In Schweden (28 Prozent) und Israel (31 Prozent) liegt dieser Wert am niedrigsten. Deutschland liegt mit 57 Prozent im Mittelfeld (in Ostdeutschland 26 Prozent, in Westdeutschland 64 Prozent). Das ist ein Ergebnis der internationalen Auswertung des Religionsmonitors 2013 der Bertelsmann Stiftung. Ihr liegt eine Befragung von 14.000 Menschen in 13 ausgewählten Ländern zugrunde. In Europa gab weniger als die Hälfte der Befragten an, dass Religion ein wichtiger Bereich in ihrem Leben sei.
Vor dem Hintergrund großer Unterschiede in der Bedeutung von Religion ist das Wissen über andere Religionen besonders wichtig. „In der globalisierten Welt, wo Menschen unterschiedlicher Herkunft, Kulturen und Religionen aufeinanderstoßen, müssen wir lernen, miteinander zu leben“, betont Liz Mohn, stellvertretende Vorsitzende des Vorstandes der Bertelsmann Stiftung. Dafür bräuchte es Begegnung und Austausch, um gegenseitige Achtung und Vertrauen entstehen zu lassen.
Nur eine Minderheit der Befragten in allen Ländern befürwortet, dass führende Religionsvertreter Einfluss auf die Politik nehmen sollten. Die höchste Zustimmung gibt es in den USA (28 Prozent), während sich die geringste Zustimmung in Spanien (13 Prozent) findet. In Deutschland stimmen 21 Prozent der Befragten dieser Aussage zu. Analog verhält es sich mit der Aussage, dass nur solche Politiker für ein Amt geeignet sind, die auch an Gott glauben: dies befürworten in den USA 25 Prozent und in Spanien 8 Prozent (Deutschland: 10 Prozent). Dabei sind 32 Prozent der Christen in den USA der Meinung, dass nur Politiker, die an Gott glauben, für ein öffentliches Amt geeignet seien. Evangelisch-Freikirchliche bejahen diese Aussage in den USA sogar zu 42 Prozent.
Die Zustimmung zur Demokratie als Regierungsform ist in allen im Religionsmonitor befragten Ländern hoch. Sie wird auch religionsübergreifend getragen. Von 79 Prozent der Befragten in Großbritannien bis zu 95 Prozent in Schweden sagen, dass die Demokratie eine gute Regierungsform sei. In Deutschland sind es 85 Prozent. In der Türkei stimmen 82 Prozent der Befragten zu.
Über Ländergrenzen hinweg betrachtet, sagen 88 Prozent der Christen, 81 Prozent der Muslime, 84 Prozent der Juden und 84 Prozent der Konfessionslosen, dass die Demokratie eine gute Regierungsform ist. In der Türkei, in Spanien und in Frankreich sind die nicht religiösen Menschen der Demokratie gegenüber etwas positiver eingestellt, als die religiösen Befragten: In Frankreich sagen 86 Prozent der nicht religiösen, aber 79 Prozent der religiösen Befragten, dass die Demokratie eine gute Regierungsform ist (in der Türkei: 85 Prozent der nicht religiösen, 67 Prozent der religiösen Befragten; in Spanien 85 Prozent der nicht religiösen, 78 Prozent der religiösen Befragten).
In den meisten Befragungsländern zeigt sich ein Rückgang von Religiosität bei der jüngeren
Generation. Besonders in Spanien findet trotz hohem religiösen Sozialisationsgrad ein Traditionsabbruch über die Generationen hinweg statt: Während unter den Befragten über 45 Jahren noch 85 Prozent mittel- oder hochreligiös sind, so sind es bei den unter 29-Jährigen nur noch 58 Prozent.
Religionsmonitor
Mit dem Religionsmonitor 2013 stellt die Bertelsmann Stiftung ein Instrument zur Verfügung, das es erlaubt, die Wechselwirkungen zwischen Religion, Werten und Zusammenhalt in der Gesellschaft genauer zu beleuchten. An dem internationalen Projekt haben Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen mitgewirkt. In die Auswertung sind Antworten von 14.000 Menschen aus 13 Ländern auf rund 100 Fragen eingeflossen. Ein zentraler Anspruch des Religionsmonitors ist es, durch wissenschaftliche Erkenntnisse die Verständigung zwischen den Religionen und den Dialog zwischen Religion und Gesellschaft zu befördern.