Lenka Dürr: „Ich hätte auch Lust, so eine Wand zu besprayen“

Sprayen_Nationalmannschaft-(timebandits_21.08.13)_1HalleWestfalen. Der NSA-Skandal ist in aller Munde, und jetzt steckt auch die deutsche Volleyball-Nationalmannschaft der Frauen mittendrin. Könnte man zumindest meinen, denn das Team war während ihres Trainingsaufenthaltes im Juli in Kienbaum auch auf dem Teufelsberg im Naturschutzgebiet in Berlin, wo sich die markanten Bauten der ehemaligen Flugüberwachungs- und Abhörstation der US-amerikanischen Streitkräfte befinden. Und auch die Intention ist die Gleiche: Deutschlands beste Volleyballerinnen wollten etwas herausfinden – sich besser kennenlernen.  

Mental-Trainerin Andrea Klusendick, die im vierten Jahr mit der Mannschaft arbeitet, hatte sich überlegt, wie sie vor allem die neuen, jungen Spielerinnen in die Mannschaft außerhalb des Volleyballs auf spielerische Art integrieren kann. „Ich hatte vorher das Gefühl, dass es noch eine Barriere zwischen den jungen Spielerinnen und den Etablierten gibt, was zu Beginn der Saison völlig normal ist“, so Klusendick. Sie sprach sich mit Bundestrainer Giovanni Guidetti ab und machte sich auf die Suche nach einer Aktion: „Ich wollte gerne etwas außerhalb des Volleyballs machen, aber nicht wieder Klettergarten, Kanufahren usw. Ich wollte etwas Außergewöhnliches, etwas, was zu dieser Mannschaft passt. Und das habe ich auch glücklicherweise gefunden.“

Die Aktion wurde zum Erfolg. Denn Klusendick hatte mit der Berlin Agentur >timebandits< eine Spray-Aktion auf dem Teufelsberg vorbereitet. „Ich habe der Agentur gesagt, wer da kommt, was uns wichtig ist und dass die Spielerinnen mit der Aktion überrascht werden. Die Agentur hat das perfekt vorbereitet.“ Nach einer spannenden Führung auf dem Gelände, selbst die Berlinerin Saskia Hippe war vorher noch nicht dort, meinte Libero Lenka Dürr: „Jetzt hätte ich auch Lust, so eine Wand zu besprayen.“ Gesagt, gesprayt, denn kurz danach standen sie vor „ihrer“ vorbereiteten Wand. Ein Graffiti-Künstler erklärte den Umgang mit den Spraydosen, dann wurde gesprayt, was das Zeug hält. „Ich hatte den Eindruck, dass es allen gefallen hat. Die Rückmeldungen waren super. Und von außen konnte man die Begeisterung auch gut beobachten. Es kommt selten vor, dass eine Aktion bei allen so gut ankommt. Alle waren total begeistert, alle hatten einen riesigen Spaß, auch ich hatte große Freude beim Zuschauen“, zeigte sich Klusendick zufrieden.  
Neben viel Spaß und einigen wenigen Farbspritzern im Gesicht – alles wurde in professioneller Schutzkleidung gemacht – hatte die Aktion natürlich auch eine Intention, Klusendick: „Um die Teamidentität zu stärken und auch die neuen Spielerinnen zu integrieren, ist es sehr unterstützend, wenn ein Team eine gemeinsame Geschichte, ein gemeinsam erlebtes positives Ereignis hat. Das ist eine gute Basis für den Teamprozess. Dieses Team hatte zu diesem Zeitpunkt noch keine gemeinsame tragfähige Geschichte. Die Aktion hat die Spielerinnen noch auf eine andere Art miteinander verbunden, das stärkt und unterstützt die gemeinsame Team-Identität.“

An die Aktion und den Teamgeist wird sich die deutsche Mannschaft bei der Heim-EM in Deutschland und in der Schweiz (o6. bis 14. September) erinnern, denn ihr Kunstwerk ist immer dabei wie Klusendick verrät: „Ich habe ein Bild davon auf ein Banner ausdrucken lassen und der hängt in der Kabine.“ Volleyball-Fans und Kunstfreunde haben keinen Zugang zum Allerheiligtum der DVV-Frauen, aber natürlich ist das Kunstwerk auf dem Teufelsberg weiterhin zu bewundern.  

BU: Die deutsche Volleyball-Nationalmannschaft der Frauen nach ihrer Graffiti-Spray-Aktion vor ihrem geschaffenen Kunstwerk.
Foto: © timebandits