Körperorientierte Therapie

Um mit dem Körper zu arbeiten, muss man einander nicht berühren

Bielefeld. Der Schluck Whiskey am Nachmittag, der wenigstens einen
kurzen Moment Entspannung bringen soll. Das Schmerzmittel, das nicht nur den
körperlichen, sondern vor allem den seelischen Schmerz unterdrücken soll.
Alkohol- und Medikamentenabhängigkeit betäubt. Den Körper und die Seele.
Patienten mit einer Suchtvergangenheit haben nicht nur mit psychischen
Problemen zu kämpfen, sondern oft auch das Gefühl für ihren eigenen Körper
verloren. Und genau hier greift Ingeborg Dykmann vom Hellweg-Zentrum für
Beratung und Therapie in Bielefeld ein. Die Sozialtherapeutin mit dem
Schwerpunkt Körperarbeit hat eine zusätzliche Ausbildung in ganzheitlicher
Massage und unterstützt mit ihren Kollegen durch „Körperorientierte Therapie“
die Rehabilitation von Suchtkranken.
„Körper und Psyche sind für mich unzertrennlich“, sagt Ingeborg Dykmann, „die
ganzheitliche Arbeit mit den Patienten unterstützt die Ziele der Psychotherapie“.
In ihrem zweitägigen „Körperwahrnehmungsintensivseminar“ lernen die
Patienten ihren Körper wieder sensibel wahrzunehmen und sich darin
wohlzufühlen. Der Abbau von Hemmungen gegenüber anderen Menschen und
die Lockerung der eigenen Bewegungen gehören zu den wichtigsten
Therapiezielen.
Wer sich darauf einlassen kann und möchte, der kann bei Inge Dykmann auch
schon mal seinen „Arm abgeben“. Das heißt, ihn in ihre Hände legen, loslassen,
vertrauen und einfach den Arm eine Weile ausruhen lassen. Für viele kann diese
einfache Übung unendlich hilfreich sein.
In anderen Fällen ist ein direkter Körperkontakt gar nicht möglich. „Jede Übung bei uns ist absolut freiwillig! Viele Patienten haben in ihrer Vergangenheit schlechte körperliche Erfahrungen gemacht, bei denen ihre Grenzen nicht geachtet wurden. Sie können jederzeit aus einer Übung aussteigen und den Raum verlassen.“ Achtung und Respekt stehen bei der körperorientierten
Therapie bei allen Übungen im Vordergrund.
Oft treten bei den Übungen auch Spuren aus der Vergangenheit der Patienten
zutage. Verspannungen oder besonders empfindliche Stellen sprechen eine
deutliche Sprache. „Man ist nun mal mit seinem Körper in der Welt und der hat
auch ein Gedächtnis“, macht Ingeborg Dykmann deutlich.
Bild: Ev. Johanneswerk e.V.