Komm auf Tour!

Von links nach rechts: Sascha Böres (BZgA), Matthias Rahe (Kreis Herford Jugend, Schule und Kultur), Paul Bischof (Sozialdezernent des Kreises Herford), Alwin Offel (Jugendamt/Jugendförderung Stadt Herford), Klaus Meister (Agentur für Arbeit Herford)

Herford (vw). Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) hat in Zusammenarbeit mit der Bundesagentur für Arbeit (BA) das Projekt „Komm auf Tour – meine Stärken, meine Zukunft“ ins Leben gerufen. Dabei handelt es sich um ein interaktives Angebot für Schüler der Klassen 7 und 8 an Haupt-, Gesamt- und Förderschulen, das geschlechtersensibel Berufsorientierung und Lebensplanung über einen handlungsorientierten Stärkenansatz verbindet. Ein solcher Parcour gastiert vom 28.09.-31.08.2012 in Herford (Alter Bahnhof) und ist vom 04.09.-06.09.2012 in Detmold.

Studien der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung belegen, dass eingeschränkte Berufsperspektiven vor allem bildungsbenachteiligte Jugendliche in ihrer persönlichen Lebensgestaltung positiv beeinflussen. Tendenziell riskieren sie häufiger ungewollte Schwangerschaften und haben eher Schwierigkeiten gleichberechtigte Beziehungen aufzubauen. Die Resonanzen auf das Projekt „komm auf Tour – meine Stärke, meine Zukunft“ sind durchweg positiv. In diesem Jahr bekam es den Preis im Wettbewerb.

Der Erlebnisparcour
Im Fokus steht ein 500 qm großer Erlebnisparcour, der aus insgesamt sechs Stationen  besteht und den Jugendlichen dabei helfen soll ihre Stärken zu entdecken, um zu erfahren welche realisierbaren beruflichen Möglichkeiten auf sie warten könnten. Darüber hinaus werden Themen wie Freundschaft, Sexualität und Verhütung altersgerecht integriert. Ein Parcourdurchlauf dauert etwa zwei Stunden. Jede Parcourstation wird durch eine pädagogische Fachkraft moderiert. Die Schüler entscheiden spontan, welche Aufgaben sie einzeln oder in Gruppen lösen möchten. Je nach Aufgabe und Kompetenz, die nach erfolgreich bestandener Aufgabe zum Vorschein kommt, vergeben Moderator und Reisebegleitung Stärkensymbole in Form von Aufklebern. Insgesamt sieben Stärken können erspielt werden.

Der "Zeittunnel"

Im Anschluss an den Parcourdurchlauf setzen die Jugendlichen sich mit der „Reiseleitung Futura“ um das „Lebensmobile“, ein Objekt, das den zentralen Punkt der Veranstaltungshalle bildet und das gesamte Projekt wiederspiegelt, zusammen. Anschließend gehen sie je zu dem entsprechenden „Stärkenschrank“ von dem sie am meisten Stärken gesammelt haben. In den jeweiligen Schränken befinden sich Gegenstände, die stellvertretend für die Stärken stehen und sie dadurch für die Teilnehmer greifbarer machen. Betriebe sind herzlich eingeladen, sich an den Stärkenschränken mit ihrem Ausbildungsangebot vorzustellen.

Die einzelnen Stationen
Der Parcour hat keine festgelegte Reihenfolge und wird gruppenweise durchlaufen. Zu Beginn begrüßt die „Reiseleitung Futura“ die Teilnehmer, erklärt den Ablauf und stimmt sie mit dem Musikvideo „2020“, das von Wünschen, Ängsten und Erwartungen handelt, auf eine spannende Entdeckungsreise ein. Das sogenannte „Terminal I“ ist somit die erste Station dieser Reise. Der Parcourdurchlauf erfolgt daraufhin in vier Gruppen zu je 15 Personen.

In der „sturmfreien Bude“ erwartet die Schüler folgende Situation: Eine Party ist gerade zu Ende gegangen und gleich kommen die Eltern zurück. Schnell soll alles wieder in Ordnung gebracht werden. Die Teilnehmer können u. a. aus den Aufgaben Betten machen, den Abfluss reparieren und entlaufene Haustiere müssen eingefangen werden. Darüber hinaus wird es eine Verhütungsdiskussion mit der TV-Loveline Beratung geben, als Kondome entdeckt werden.

Im „Labyrinth“ sind die Jugendlichen gefordert sich zu orientieren und Entscheidungen zu treffen, genau wie im wahren Leben. Sie bekommen dabei Tipps wie Krisen ausgearbeitet und bewältigt werden können und lernen Hilfe zu suchen und zu finden. Im Anschluss reflektieren alle gemeinsam: „Wenn ich nicht mehr weiter weiß, wie es weitergeht, dann…“.

Im Vordergrund: Abschlussgespräch unterm "Lebensmobile", im Hintergrund: "Stärkenschränke"

Der „Zeittunnel“ ist eine geschlossene Röhre, in der die Teilnehmer alternative Lebensmodelle diskutieren. Fotos aus vielfältigen, auch geschlechteruntypischen Lebens- und Arbeitswelten zwischen Gegenwart und Zukunft werden auf die Seiten des Tunnels projiziert. Die Schüler sollen dann die Reihenfolge der Situationen festlegen und entscheiden, welche ihrer Meinung nach in welchen Lebensabschnitt einzuordnen ist. Die zentrale Fragestellung lautet hier: „Was ist wann wie möglich?“.

Die „Bühne“ ist einer kleinen Theaterbühne nachempfunden und bietet den Jugendlichen die Möglichkeit sich in ungewohnten Rollen auszuprobieren. Szenen aus der Lebenswirklichkeit wie z.B. ein Eifersuchtsdrama, eine Job-Bewerbung oder ein Verkaufsgespräch werden nachgestellt.
Das Gespräch unter dem „Lebensmobile“ und die anschließende Besichtigung der „Stärkenschränke“ ist die letzte Station, das sogenannte „Terminal II“ und bildet den Abschluss der Entdeckungstour.

Nachhaltige Weiterarbeit
Dabei sind vor allem die Eltern gefragt. Eine abendliche Informationsveranstaltung soll dabei helfen, dass Väter und Mütter ihre Kinder bei dem Prozess der Berufswahl und Lebensplanung konkret unterstützen können. Sie lernen den Parcour kennen, kommen mit entsprechenden Beratungsstellen in Kontakt und versuchen mit der sogenannten „Elternspielkarte“ die Stärken ihrer Kinder einzuschätzen.
Ein Elternabend findet heute (29.08.) um 19:00 Uhr im Alten Güterbahnhof in Herford statt, zu dem alle Interessierten herzlich eingeladen sind.

Weitere Informationen erhalten Sie unter: www.komm-auf-tour.de oder schreiben Sie eine E-Mail an komm-auf-tour@sinusbfk.de.

Fotos: Jennifer Dube