Klima-Workshop „Regenerative Energien“

Minden. Rund 40 Bürgerinnen und Bürger beschäftigten sich vergangenen Donnerstag gemeinsam mit dem Thema „Regenerative Energien“. Die Stadt Minden hatte zu einem Workshop in die Kurt-Tucholsky-Schule eingeladen. Er fügt sich ein in eine Veranstaltungsreihe zur Erarbeitung eines „Integrierten Klimaschutzkonzepts“. Der Prozess wird aus Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) gefördert. Die fachliche Begleitung erfolgt durch die „infas enermetric GmbH“.

„Mit dem heutigen Workshop beginnt die nächste Phase auf dem Weg zu einem Integrierten Klimakonzept“, begrüßte Achim Naujock, Bereichsleiter Stadtplanung und Umwelt der Stadt Minden, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Angestoßen wurde der Bürgerbeteiligungsprozess durch eine Auftaktveranstaltung im Januar, bei der Ergebnisse einer umfassenden Datenerhebung vorgestellt wurden, die der Erfassung des Energieverbrauchs und des CO2-Ausstoßes innerhalb des Stadtgebiets Minden diente. Innerhalb von insgesamt vier Workshops werden nun konkrete Maßnahmen für ein Klimaschutzkonzept erarbeitet.

Katharina Graweloh von infas enermetric stimmte in einem Vortrag über den derzeitigen Einsatz erneuerbarer Energien im Stadtgebiet auf das Thema des ersten Workshops ein: 2011 wurden in Minden 21.795 MWh Strom aus regenerativen Energien – überwiegend aus Windkraftanlagen – in das Stromnetz eingespeist. Das entspricht rund 5 Prozent des gesamten Stromverbrauchs.

Die Frage, wie der Einsatz regenerativer Energien vorangetrieben werden kann, beschäftigte die teilnehmenden Bürgerinnen und Bürger im weiteren Verlauf der Veranstaltung. Als Impuls für eigene Überlegungen und Diskussionen stellte Dieter Böke, Lehrer und Projektleiter für erneuerbare Energien an der Kurt-Tucholsky-Schule (KTG), die weit gefächerten Aktivitäten der städtischen Schule im Bereich erneuerbare Energien vor. Sie reichen von der Installation einer Photovoltaik- und Windkraftanlage auf dem Schulgelände bis hin zu Kooperationen mit Partnerstädten, Unternehmen und anderen Schulen.

Durch dieses gute Beispiel inspiriert wurden in zwei Arbeitsgruppen unter Anleitung von Beraterinnen von infas enermetric Ideen ausgetauscht, wie der Einsatz erneuerbarer Energien zur Stromerzeugung sowie zur Wärme- und Kälteerzeugung in Minden zu fördern ist:

Im Bereich der Windkraft, so ein Ergebnis der Arbeitsgruppen, gilt es zunächst Informationsbedarfe zu decken. So befindet sich bei der Stadt Minden eine Potenzialüberprüfung in der Umsetzung, deren Ergebnis abzuwarten ist, bevor geeignete Standorte für Windkraftanlagen gefunden werden können. Grundsätzlich vermuten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer hinter der Installation großer Windkraftanlagen aber Potenzial, während sie „Kleinwindkraftanlagen“ derzeit skeptisch gegenüber stehen. Die Technologie befände sich noch in der „Kleinzahlfertigung“ und sei hinsichtlich ihrer Wirtschaftlichkeit schwer einschätzbar.

Weiterhin stand die Erarbeitung eines Wärmequellen- und Wärmesenkkatasters im Raum. Auch für die Erstellung eines Solardachkatasters, wenn möglich an nachfolgende Serviceleistungen wie einen Sofortcheck für einzelne Gebäude geknüpft und durch Banken und die Fachhochschule unterstützt, wurde sich ausgesprochen. Es wird erwartet, dass sich die Installation einer Photovoltaikanlage durch fortgeschrittene und preisgünstigere Speichertechnologien zukünftig auch für Privathaushalte auszahlt. Aber auch städtische Dachflächen, so der Wunsch vieler Teilnehmer, sollten – insofern sie die Voraussetzungen erfüllen – verstärkt für Photovoltaikanlagen genutzt werden.

Ein vielversprechendes Modell um gerade Privatpersonen für die Unterstützung regenerativer Energien zu gewinnen, stellen sogenannte Bürgerenergieanlagen dar. In den Arbeitsgruppen wurde vorgeschlagen, die Entstehung einer entsprechenden Genossenschaft in die Wege zu leiten.

Neben der Erzeugung stellt übrigens auch die Speicherung regenerativer Energien eine Herausforderung dar. Angeregt wurde, das im Stadtgebiet vorhandene Speichervolumen zu erheben (z.B. Bergwerke, Umwandlung von Wasserstoff). Große Effekte erhofften sich die Teilnehmer zudem von der Abwärmenutzung aus Industrieprozessen und Biogasanlagen – so könnte sowieso vorhandene, sonst verlorene Wärmeenergie vermehrt von Abnehmern wie z.B. Schwimmbädern genutzt werden.

Über die aufgeführten konkreten Maßnahmen hinaus, regten die Bürgerinnen und Bürger einen Ausbau des Beratungsangebotes im Bereich „Erneuerbare Energien“ – z.B. in Form eines unabhängigen Klimaschutzmanagers – an.

Die Ergebnisse des Workshops werden von infas enermetric bei der Erarbeitung des Klimakonzepts berücksichtigt. Die einzelnen Maßnahmen werden auf Machbarkeit und Effizienz überprüft, priorisiert und hinsichtlich des Zeit- und Kostenaufwands eingeschätzt. Auch die für die Maßnahmen zu gewinnenden Akteure und Bezugsgruppen werden ermittelt.