Kinder aus Einwandererfamilien in OWL holen auf

Gütersloh. Ostwestfalen-Lippe kommt bei der Integration voran. Das belegt eine aktuelle Studie, die die Bertelsmann Stiftung zum OWL-Integrationskongress am kommenden Freitag (19. April) in Minden veröffentlicht. Die Studie untersucht Teilhabechancen der ausländi­schen Bevölkerung in den sechs Landkreisen der OWL-Region und der Stadt Bielefeld. Ergebnis: Immer mehr Ausländer machen Abitur, immer weniger Ausländer brechen die Schule ab oder be­suchen eine Förderschule. Die Arbeitslosigkeit von Ausländern ging zurück, hingegen stieg die Kinderarmut.

„Die Erfolge OWLs bei der Integration durch Bildung sind beachtlich. Das kontinuierliche Engage­ment der Region für Integration trägt hier Früchte: Die Bildungschancen ausländischer Kinder ha­ben sich durch die regionalen Bildungsnetzwerke und die systematische Kooperation der Kommu­nen mit dem Land in den vergangenen Jahren deutlich verbessert“, sagte Integrationsexperte Ul­rich Kober von der Bertelsmann Stiftung. Vom Integrationskongress in Minden erhofft sich Kober vor allem weitere Impulse bei der Bekämpfung der Kinderarmut: „Die schwierige soziale Lage ausländischer Familien zeigt, dass Integration eine permanente Herausforderung bleibt.“

Der positive Trend zeigt sich insbesondere beim Anteil von Abiturienten an den ausländischen Schulabgängern. An der Spitze liegt der Kreis Herford, wo in 2011 ein fast doppelt so hoher Anteil der ausländischen Schulabgänger mit der Hochschulreife abschloss als fünf Jahre zuvor. Im Jahr 2006 waren es lediglich 8,1 Prozent, nun sind 15,3 Prozent. Erhebliche Steigerungen gibt es bei der Abiturientenquote der ausländischen Jugendlichen auch in der Stadt Bielefeld (von 8,8 auf 12,4 Prozent), in den Kreisen Minden-Lübbecke (von 8,6 auf 14,4), Paderborn (von 5,4 auf 10,2 Prozent), Lippe (von 5,3 auf 9,3) und Gütersloh (von 7,5 auf 9,3). Im Kreis Höxter ist im Ver­gleichszeitraum eine eher geringere Steigerung zu verzeichnen (von 9 auf 10,4 Prozent). Zum Vergleich: In Nordrhein-Westfalen stieg der Anteil der Abiturienten unter den ausländischen Schul­abgängern in den Jahren 2006 bis 2011 von 11,1 auf 14,4 Prozent.

Gemischte Entwicklungen vermeldet die Studie zu ausländischen Schulabbrechern. Nur der Kreis Höxter und die Stadt Bielefeld schneiden besser ab als der Landesdurchschnitt. In drei Kreisen stieg sogar der Anteil von ausländischen Schülern, die die Schule ohne Abschluss verlassen. Die geringste Schulabbrecherquote unter den ausländischen Schülern in OWL verzeichnete 2011 die Stadt Bielefeld mit 7,7 Prozent. Fünf Jahre zuvor waren es dort noch 12 Prozent. Auch in den drei Kreisen Höxter (von 11,7 auf 6,4), Lippe (von 20,9 auf 12,5 Prozent) und Paderborn (von 18,7 auf 12,7) verringerte sich der Anteil der ausländischen Schulabgänger ohne Abschluss. In den Kreisen Gütersloh (von 10,3 auf 14,1), Minden-Lübbecke (von 12,1 auf 13,3) und Herford (von 15,9 auf 16,9 Prozent) hingegen nahm der Anteil von ausländischen Schulabgängern ohne Abschluss zu. Landesweit sank in Nordrhein-Westfalen die Abbrecherquote zwischen 2006 und 2011 von 13,8 auf 11,3 Prozent.

In allen Kreisen und in der Stadt Bielefeld ist der Ausländeranteil an den Förderschulen deutlich zurückgegangen. In Bielefeld sank dieser von 38,4 (2006) auf 25,3 Prozent (2011), im Kreis Gü­tersloh von 25,1 auf 14,9 Prozent, im Kreis Herford von 25,7 auf 13,5 Prozent, im Kreis Lippe von 19,8 auf 12,2 Prozent, im Kreis Minden-Lübbecke von 23,4 auf 14,4 Prozent und im Kreis Pader­born von 20,4 auf 12,4 Prozent. Am niedrigsten ist der Ausländeranteil auf Förderschulen im Kreis Höxter, wo er von 8,3 auf 6,3 Prozent zurückging. Dort ist allerdings auch der Anteil der Ausländer (ohne deutschen Pass) an der Bevölkerung besonders niedrig (4,8 Prozent in 2011).

Weiterhin rückläufig ist in Ostwestfalen-Lippe die Arbeitslosigkeit der ausländischen Bevölkerung. Die Arbeitslosenquote sank zwischen 2006 und 2011 in der Stadt Bielefeld (von 16,5 auf 13,6 Pro­zent) und in allen sechs Kreisen. Am niedrigsten ist sie im Kreis Gütersloh (von 5,2 auf 3,7 Pro­zent), es folgen die Kreise Höxter (von 5,7 auf 4,3), Minden-Lübbecke (von 5,9 auf 4,9), Kreis Herford (von 6,5 auf 5,0), Kreis Paderborn (von 7,1 auf 5,1) und Kreis Lippe (von 7,3 auf 5,9).

Anlass zur Sorge bietet der flächendeckende Anstieg der Kinderarmut bei der ausländischen Be­völkerung. In allen ostwestfälischen Kreisen stieg im Zeitraum zwischen 2006 und 2010 kontinuier­lich der Anteil ausländischer Kinder, die in Familien mit SGB-II-Bezug leben. Erst von 2010 auf 2011 konnte der Negativ-Trend gestoppt werden, allerdings verharren die Zahlen auf dem hohen Niveau des Vorjahres. Besonders hoch ist die Kinderarmut in der Stadt Bielefeld, wo 62,3 Prozent der ausländischen Kinder und Jugendlichen unter 15 Jahren in Familien aufwachsen, die mit Sozi­alleistungen ihren Lebensunterhalt bestreiten (2006: 50,1 Prozent). Auch im Kreis Paderborn (von 45,4 auf 54,2Prozent) liegt die Armutsquote auf sehr hohem Niveau. Es folgen die Kreise Minden-Lübbecke (mit 40,5 Prozent), Herford (von 35,4 auf 37,7), Lippe (von 33,4 auf 35,5), Gütersloh (von 23,0 auf 25,6) und Höxter (von 15,6 auf 17,8 Prozent).

Für die Studie „Integration in OWL“ hat die Bertelsmann Stiftung die aktuellen verfügbaren Daten aus der Online-Datenbank www.wegweiser-kommune.de ausgewertet. Diese Datenbank sammelt kommunale Kennzahlen zu mehreren Politikfeldern und bereitet die Daten übersichtlich auf. Die Zahlen und Entwicklungen zu Abiturienten, Schulabbrechern, Arbeitslosen und Kinderarmut stellt die Studie „Integration in OWL“ für alle Landkreise, kreisfreien Städte, Städte und Gemeinden ab 5.000 Einwohnern dar.