KATAG – Von der Einkaufsgenossenschaft zu Europas größtem Fashiondienstleister

Bielefeld (MT/18. Juni 2011) Dr. Daniel Terberger, Vorstandssprecher der KATAG AG aus Bielefeld, sagt ganz selbstbewusst: „Wir sind Europas größter Fashiondienstleister. Als zentraler Einkaufsverband mit Sitz in Bielefeld bieten wir den Textilfachhändlern europaweit unsere Eigenmarken, z.B.  BASEFIELD MEN und WOMAN, COMMANDER, IN LINEA FIRENZE, CLARINA und STACCATO mit kompletten Shop in Shop Systemen an. Mit diesen Eigenmarken der KATAG haben wir für jeden die passende Kleidung im Programm, Männer, Frauen – Kinder, Jugendliche. Jahrzehnte lange Treue der Kunden zu unseren Marken und entsprechend lange Lieferbeziehungen zu unseren Partnern sind keine Seltenheit. Das liegt wohl daran, dass wir ständig auf der Suche sind, was die Käuferschaft aktuell empfindet. Dieses Vordenken bezeichne ich als Strategisches Radar und das wird von unseren Partnern, dem Textilfachhandel, erwartet und honoriert.“ Zusätzlich zu dem Zentraleinkauf von Bekleidung bietet die KATAG ihren Partnern Heimtextilien, weitere Beratungen, Versicherungen und Verkaufsunterstützungen.

Den Ursprung für Europas größten Fashiondienstleister legte Benno Katz 1923. Mit Gründung der „Katz Textil-Aktiengesellschaft“ in Bielefeld startete das Unternehmen als Einkaufsverband für Textilfachhändler. Im selben Jahr entstand die Marke KATAG – das ursprüngliche Telegrafenkürzel des Unternehmens. In der eigenen Wäschefabrik, Standort Sudbrackstraße,  werden die Erzeugnisse mit diesem Namen gekennzeichnet. 1924 fand der Einzug in das Gebäude Stresemannstraße statt.  „Hier“, sagt Dr. Daniel Terberger (44), „so kann man behaupten, war die Grundsteinlegung der heutigen KATAG.“ Das Gebäude in der Stresemannstraße ist nach wie vor im Besitz der KATAG und die Nutzung ist der Branche treu geblieben. Seit vielen Jahren wird es von Peek & Cloppenburg gemietet und als großes Textilkaufhaus genutzt.

Zum Ende der 1920er Jahre ging es Schlag auf Schlag: Eröffnung von Einkaufsniederlassungen im Osten Deutschlands, 1928 wurde umfirmiert in „Katz & Michel Textil-Aktiengesellschaft, 1929 Eröffnung einer Einkaufszentrale in Berlin. 1934 verstarb Benno Katz im Alter von 60 Jahren. Im gleichen Jahr trat sein Sohn Willy die Nachfolge an. Bald machten sich die Auswirkungen des nationalsozialistischen Regimes bemerkbar. 1937 entschlossen sich die Gesellschafter der Katz & Michel Textil-Aktiengesellschaft, im Rahmen der Arisierung, ihren Aktienbesitz an die Familie Banning-Berckemeyer-Terberger zu verkaufen.1938 im November flieht Willy Katz vor einer drohenden Verhaftung. Über Berlin emigriert er nach Amerika. Dort verstarb er 1941.
„Den Kauf der Genossenschaft hat meine Familie mit Geld aus der Eisenbahn finanziert. Ein kinderloser Onkel“, erläutert Dr. Daniel Terberger, „von meinen Vorfahren hat in Amerika sein Geld mit der Entwicklung der Eisenbahn gemacht. Einen Teil dieses Vermögen hat meine Familie im Jahr 1937 hier investiert. Der Name des Unternehmens wurde im gleichen Jahr geändert in KATAG Aktiengesellschaft. Ein Jahr später übernahm Wilhelm Terberger den Vorstandsvorsitz.“

Während des Zweiten Weltkrieges wurden alle Gebäude der KATAG zerbombt. Doch schon 1948 hatte die KATAG etwa 240 Mitarbeiter und über 100 Vertragspartner. „Die Geschäftsbeziehungen“, so Dr. Daniel Terberger, „hatte die KATAG in einem geografischen Raum zwischen Dresden und Köln. Bielefeld war zu dem Zeitpunkt eine Niederlassung, Hauptsitz war in Berlin.“ Die im gleichen Jahr durchgeführte Währungsreform der drei westlichen Besatzungszonen führte dazu, dass die KATAG sich aus dem östlichen Teil Deutschlands zurückzog. „Da lag es auf der Hand, dass Bielefeld wieder in den Mittelpunkt der Tätigkeiten rückte“, kommentiert Dr. Daniel Terberger. Man entschied sich zu dem Zeitpunkt wieder für Bielefeld als Hauptsitz. In den folgenden Jahren wurde das Gebäude in der Sudbrackstraße wieder als Wäschefabrik aufgebaut. Hier stehen heute noch die großen Lettern KATAG an der Firstseite. Eine Rückkehr der Geschäftsleitung in die Stresemannstraße war 1954 möglich.

Ab 1958 ist der Neffe Dr. Hans-Hermann Terberger mit im Vorstand. Während der 1960er Jahre expandierte das Unternehmen zu einem Außenumsatz von 1 Mrd. DM im Jahr 1970. In diesem Jahr verstarb Wilhelm Terberger im Alter von 75 Jahren und sein Neffe übernahm den Vorstandsvorsitz.1976 war es dann so weit, die KATAG verließ Bielefeld City und siedelte sich am Stadtrand in der Stralsunder Straße an. Die großzügigen Räumlichkeiten und die sehr guten Verkehrsanbindungen ließen die Besucherfrequenz für die Ordermessen stark steigen. „Heute kann man sich überhaupt nicht vorstellen, wie wir die Logistik und unsere Kunden mitten in der City verkehrstechnisch bedienen sollten.“ Während der 1980er / 90er Jahre wurden die interne Organisation und das Erscheinungsbild der KATAG gewandelt. 1983 übernahm Karl-Heinz Manhardt die Funktion des Vorstandssprechers, zeitgleich ging Dr. Hans-Hermann Terberger in den Aufsichtsrat. Direkt nach dem Mauerfall 1990 wurde mit der Expansion in die Neuen Bundesländer begonnen. Daraus resultierten für die KATAG bis 1997 bereits 31 neue Vertragspartner und 59 zusätzliche Standorte.

Ein weiterer Führungswechsel, in 1994 wurde Marcus Cremer zum Vorstandsvorsitzenden ernannt. Gleichzeitig wechselte Karl-Heinz Manhardt in den Aufsichtsrat und Dr. Hans-Hermann Terberger verabschiedete sich aus dem Aufsichtsrat. Vor der Jahrtausendwende, 1999, übernahm die KATAG die abz. Daraus wurde der größte Verbund der Textil- und Bekleidungsbranche.Dr. Daniel Terberger, der Sohn des ehemaligen Vorstandssprechers Dr. Hans-Hermann Terberger, wurde im Jahr 2000 Nachfolger von Dr. Marcus Cremer als Sprecher des Vorstands.

Nach wie vor sind es die Textilfachhändler in den Klein- und Mittelstädten, die sich als zuverlässige Partner auszeichnen und Jahrzehnte lange Geschäftsbeziehungen mit der KATAG pflegen. „Meist sind es die ersten Modehäuser im Ort, vom Inhaber geführt Da kommen die Kunden gerne wieder, denn sie wissen, dass sie hier Qualität für ihr Geld bekommen“, erläutert Dr. Daniel Terberger einen Teil des Erfolgsrezeptes der KATAG, „andererseits sind diese Häuser auch auf ihre Stammkundschaft angewiesen. Und da ist die Beratung für dieses bürgerliche Segment ganz wichtig. Wir haben die passenden Eigenmarken, wie z.B. BASEFIELD MEN und WOMAN, COMMANDER, IN LINEA FIRENZE, CLARINA und STACCATO.“ Als aktueller Vorstandsvorsitzender sitzt bereits der dritte Terberger auf dem Chefsessel. Aktuell arbeiten über 360 Mitarbeiter des Familienunternehmens KATAG dafür, dass über 380 Partner mit mehr als 1.380 Geschäften perfekt einkaufen, die aktuellen Sortimente präsentieren, bei der Ladeneinrichtung unterstützt werden, die richtige Werbung machen und passende Finanzierungen haben.

Diese Partner lädt die KATAG einmal pro Jahr an ihren Unternehmenssitz ein. Zur Cheftagung! Am 22. Juni 2011 werden in der Stralsunder Straße Informationen, Strategien und Perspektiven gegeben. Schwerpunkte sind E-Commerce und Unternehmensnachfolge. Dabei sein werden hochkarätige Redner aus Politik und Wirtschaft, die von eigenen Erfahrungen berichten werden. Moderiert wird die Tagesveranstaltung von Sabine Christiansen. Fundierte Informationen geben Regine Sixt – Sixt International, Dr. Reinhard Zinkann – Miele, Wofgang Richter – Rechtsanwalt, Roman Pollozek – Modehaus Pollozek, Dr. Daniel Terberger – KATAG AG und Bundesaußenminister Dr. Guido Westerwelle. Das Programm für die Fashion People, moderiert von Barbara Schöneberger, wird zum Abend hin mit einer fröhlichen Feier in der Bielefelder GLÜCKUNDSELIGKEIT einen glamourösen Ausklang finden.

BU: Bild1. Gebäude in der Sudbrackstraße (ehemalige Wäschefabrik)
Bild2. Dr. Daniel Terberger
Bild3. Dr. Guido Westerwelle
Text: Michael Tönsing
Fotos: Jürgen Riedel