Internationale Jugendbegegnung zwischen Tradition und Moderne

Ewoca3CampGütersloh (gpr). Dlugovan aus Gütersloh, Harris aus Bosnien und Natascha aus Belarus mischen gemeinsam den Beton für das Fundament der Banja, einer traditionellen Sauna als Zentrum eines Seminarhauses. Sie befinden sich in dem kleinen Dorf Dunaewa, etwa 140 Kilometer von der belarussischen Hauptstadt Minsk entfernt. Zusammen mit 15 weiteren Jugendlichen aus Gradacac/Bosnien, Minsk/Belarus und Gütersloh bauen sie diese Banja.

Das Dorf Dunaewa, über 1.300 Kilometer Luftlinie östlich von Gütersloh, ist ein ungewöhnliches Ziel für die Sommerferien. Dass es die sechs Jugendlichen aus Ostwestfalen-Lippe hierhin verschlagen hat, liegt an dem internationalen Jugendworkcamp-Programm „ewoca³“. Dieser interkulturelle Austausch wird vom Land Nordrhein-Westfalen, von der Stiftung Mercator und von dem EU-Projekt Jugend in Aktion gefördert.

In andere Länder zu fahren, sich auf fremde Kulturen einlassen, Sprachbarrieren überwinden – all das sind wichtige Erfahrungen, welche die Teilnehmer des Camps quasi nebenbei machen. Hauptsächlich arbeiten sie an ihren gemeinsamen Projekten: Zum Beispiel dem Bau der traditionellen Sauna, aber auch an der Infrastruktur des eigenen Camps. So sind auf dem Gelände bereits eine Solardusche und eine Biotoilette entstanden. Den Jugendlichen aus Deutschland fiel es anfangs nicht leicht sich auf das Camp, das mitten in der Natur liegt, einzulassen:  Wo das warme Wasser zum Waschen und Duschen über dem Feuer aufgewärmt werden muss und wo es kein Internet gibt. „Es gefällt mir super“ meint Isabel, um zu ergänzen „aber Facebook fehlt mir schon.“

Jeden Vormittag legen sich die Jugendlichen ins Zeug, schaufeln Sand und Kies, mischen Beton für Fundamente, sägen, hobeln und zimmern. „Ist ganz schön anstrengend die Arbeit, macht aber zusammen auch viel Spaß. Und wenn viele Hände anfassen, ist selbst der größte Kieshaufen bald weggeschaufelt“, meint Emil und packt die Schaufel fester an.

Die praktische Arbeit wird begleitet von Diskussionsrunden und Arbeitsgruppen, in denen sich die Jugendlichen mit den Auswirkungen des Fortschritts und dem Verhältnis von Tradition und Moderne auseinandersetzen. Doch es werde längst nicht nur gearbeitet, sagt Tarek aus Gütersloh: „Wir machen auch Ausflüge zum Beispiel in die nächste Kleinstadt inklusive der Besichtigung von Schlössern und Museen.“ Die Pausen seien auch wirklich nötig, so Tarek.

Und wie verständigt man sich, wenn alle unterschiedliche Muttersprachen haben? „Offiziell ist Englisch die Campsprache“, sagt Menea. „Aber auch das ist nicht so einfach. Wir kommunizieren mit Händen und Füßen, mit Zettel und Stift, und immer wieder mit einem Lachen.“ Aber gerade das hat die Jugendlichen einander näher gebracht. „Dass wir aus unterschiedlichen Ländern kommen, spielt keine Rolle. Wir sind ein Team.“

Die internationale Zusammenarbeit der drei ewoca³-Partner ist keine Eintagsfliege, sondern auf Jahre hinweg angelegt. Im vergangenen Sommer sind die Jugendlichen aus Bosnien und Belarus nach Gütersloh gekommen und haben hier in einem Workcamp zum Thema „Konflikt und Community“ gearbeitet. Nach dem Treffen in Belarus in diesem Jahr werden sich die Jugendlichen im Sommer 2014 in Bosnien wiedersehen – und sich dort weiter mit dem Thema „Konflikt“ beschäftigen.

„Den Jugendlichen, die schon letztes Jahr bei dem ewoca³-Projekt mitgemacht haben, hat das wirklich viel gebracht“, sagt Galina Müller. Die bei der Stadt Gütersloh angestellte Sozialpädagogin begleitet schon im zweiten Jahr für den Fachbereich Jugend und Bildung der Stadt Gütersloh das Projekt, zusammen mit ihrem Kollegen Jürgen Zöllner. „Das sind ganz außergewöhnliche Erfahrungen für die Jugendlichen, die ihnen ohne dieses Projekt wahrscheinlich nicht zugänglich wären“, sagt Zöllner. „Die meisten der Teilnehmer aus Gütersloh haben einen Migrationshintergrund und besuchen die Hauptschule.“