Innovative Medienkompetenz à la August Hermann Francke

Osterempfang 21.03.2013 August-Hermann_Franke-Schulen in Lippe, Georgstraße 24, 32756 Detmold (fotothiessen.de)Kreis Lippe. Zum dritten Mal in Folge lud der Schulträger der August-Hermann-Francke-Schulen in Lippe  Vertreter aus Politik,  Verwaltung, Kirche und Wirtschaft zu einem Osterempfang ein. An diesem Abend stellten Schülerinnen und Schüler ihre Schulen vor und boten musikalischen Hörgenuss von Pergolesi über Glière bis hin zu Celine Dion.

Im Mittelpunkt des Abends stand der Vortrag von Wolfgang Stock, promovierter Medienkenner und Universitätsprofessor für Journalistik, über „Die Medienrevolution und ihre Herausforderung für eine christliche Schule“. Stock war selbst als Journalist in leitender Funktion bei großen Zeitungen und Zeitschriften wie Berliner Zeitung, Focus und Welt am Sonntag tätig, und nimmt zurzeit u.a. die Geschäftsführung einiger christlicher Schulen in Berlin wahr. Er empfiehlt der AHF-Schule, sich dem starken Einfluss der neuen Medien, den „Social Media“ wie Facebook und Youtube, zu stellen und sie für ihren Bildungs- und Erziehungsauftrag zu nutzen, denn ca. 85% der Internetnutzer seien bereits User der Social Media. Stock ist überzeugt: „Es wäre nicht das erste Mal, dass sich Christen der neuesten Technik bedienen würden. Als die Apostel in der Antike `Papyrushefte´ statt Papyrusrollen nutzten und August Hermann Francke im 17. Jahrhundert einen Verlag zum Druck von Bibel gründete, waren sie ihrer Zeit jeweils weit voraus.“ Mit dem Verlag habe Francke eine Revolution, ähnlich wie sie unter Johannes Gutenberg mit der Erfindung des Buchdrucks möglich gewesen sei, geschaffen. Es sei möglich geworden, Bibeln zu erschwinglichen Preisen zu erwerben. Bis zum 20. Jahrhundert verließen mehr als 10 Millionen Bibeln die Franckeschen Stiftungen und wurden weltweit verbreitet.

Es ist der richtige Moment an den Namensgeber der christlichen Schulen in Lippe zu erinnern, denn am 22. März jährte sich zum 350. Mal der Geburtstag des außergewöhnlichen Theologen und Pädagogen August Hermann Francke (1663-1727). Indem er in die Ausbildung von Waisenkindern investierte, ist Francke auch zum Vorbild eines erfolgreichen Unternehmers geworden. Seine innovative und global angelegte Arbeit vernetzte die Bereiche Frömmigkeit und Kirche, Bildung und Universität, Sozialfürsorge und Gesellschaft und sucht in der Zeit um 1700 seinesgleichen. Mit seinen Initiativen brachte er gesellschaftliche Veränderungen auf den Weg, die bis heute fortwirken, wie die systematische Mädchenbildung, das dreigliedrige Schulsystem und die professionalisierte Lehrerausbildung. So sind die Franckeschen Stiftungen in Halle an der Saale eine kulturelle und soziale Einrichtung von internationalem Rang.

Zum diesem Jubiläum erschien eine Sonderbriefmarke bei der Deutschen Post, bundesweit erinnerten Medien an seine Verdienste und Bundespräsident Joachim Gauck nahm am vergangenen Samstag am Festakt in Halle teil. Franckes Motto „Gott zur Ehre, den Menschen zu Nutzen“ sei bedeutsam „in einer Zeit gewisser Gottvergessenheit“, hob Gauck hervor. Francke sei sich stets bewusst gewesen, dass menschliches Handeln viel bewirken könne, aber das praktische Gelingen in Gottes Hand liege. Gauck: „Es gibt wenige Persönlichkeiten, die nicht nur so produktiv, so zukunftsweisend, so fromm und dann noch so global und bis heute für jede Innovation inspirierend gehandelt haben. Weltveränderung durch Menschenveränderung – das bleibt Auftrag für uns Geschöpfe.“

 
Foto: Kreis Lippe

BU: Universitätsprofessor für Journalistik Dr. Wolfgang Stock hebt Franckes innovative Mediennutzung hervor