IHK und BIBB: Aus- und Weiterbildung mit Erfolg

IHK-WeiterbildungsbestenehrBielefeld. (MP) Zum bereits neunten Mal wurden im Ringlokschuppen Bielefeld die Weiterbildungsbesten von der Industrie- und Handelskammer (IHK) ausgezeichnet. Dieses Jahr wurden insgesamt 52 Personen mit einer Urkunde sowie einem kleinen Pokal geehrte – darunter 29 Frauen und 23 Männer. 25 der Geehrten stammen aus Ostwestfalen-Lippe. Die restlichen Besten sind überregional angesiedelt.

Niehoff: „Berufliche Bildung ist keine Notlösung, sondern gleichwertig zum Studium.“

Mit der Bestenehrung, so hält Thomas Niehoff, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld, fest, soll „ein deutliches Plädoyer für die berufliche Bildung im Hinblick auf die fortschreitende Akademisierung“ gehalten werden. Gleichzeitig hebt er die Vorzüge, die eine berufliche Bildung mit sich bringt, hervor: „Kurz gesagt sind dies Arbeitsmarkt- und Praxisnähe, Gleichwertigkeit und Durchlässigkeit zur akademischen Bildung. Hinzu kommen die einheitlichen bundesweiten Standards und die große Bedeutung der beruflichen Bildung in unserer Gesellschaft.“ Auch die geringe Arbeitslosigkeit unter Jugendlichen stellt er heraus. Doch eine Ausbildung allein reicht heutzutage oft nicht mehr aus. Die Wirtschaft verlangt, dass sich der Arbeitnehmer stetig verbessert – und dies gelingt am besten und gezieltesten durch Fort- und Weiterbildungen. Niehoff kritisiert, „dass das Studium einseitig gehypt und die duale Ausbildung zunehmend als Notlösung eingestuft wird. Nicht für jeden Schulabsolventen ist ein Studium gleich nach der Schule die richtige Lösung.“ Karriere, betont Niehoff weiter, könne man auch mit einer fundierten beruflichen Ausbildung mit anschließender Weiterbildung machen.

Weiterbildungserfolgsumfrage gibt weiteren Aufschluss über Vorzüge von Weiterbildungen

Swen Binner, Geschäftsführer Berufliche Bildung der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld, zeigt auf, dass sich für 2/3 der Absolventen die Fortbildungsprüfung beruflich ausgezahlt hat. Laut der Weiterbildungserfolgsumfrage, die vor 2 Jahren durchgeführt wurde, konnten sie finanzielle Verbesserungen verbuchen, zudem bekamen sie mehr Verantwortung in der gleichen Position, konnten die gestellten Aufgaben besser bewältigen und hatten eine größere Arbeitsplatzsicherheit. Zu den „am meisten nachgefragten Weiterbildungsprüfungen“ gehören laut Binner Fremdsprachen- und IT-Fortbildungsprüfungen, Handelsfachwirte, Bilanzbuchhalter, Personalkaufleute und Industriemeister Metall.

Lebenslanges Lernen durch Weiterbildung

Im Vorfeld der Bestenehrung nahm sich außerdem der „prominente Gastredner“ Prof. Dr. Friedrich Hubert Esser, Präsident des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB), die Zeit, um in einem Hintergrundgespräch über die Wichtigkeit von beruflicher Aus- und Weiterbildung aufzuklären. Denn nur dadurch wird ein lebenslanges Lernen unterstützt und gefördert. Beim Thema Bildung und Bildungsabschlüsse kommt selbstverständlich schnell die Frage auf, wie Abschlüsse international vergleichbar gemacht werden können. Gerade in Zeiten, in denen Themen wie Flüchtlingskrise und Migration immer aktueller werden, besteht ein Bedarf an einer Standardisierung beruflicher Qualifikationen.

Der Qualifikationsrahmen für eine europäische Vergleichbarkeit

Genau aus diesem Grund wurde der Qualifikationsrahmen erstellt, der bereits vor einiger Zeit eingeführt wurde. Durch ihn sollen einzelne Bildungsabschlüsse für eine erhöhte Transparenz und europäische Vergleichbarkeit in ein Stufenschema einsortiert werden. Thomas Niehoff erklärte dazu, dass hier „zum Beispiel die Gleichwertigkeit der Abschlüsse der Industriemeister, Fachwirte oder Fachkaufleute mit dem Hochschul-Abschluss Bachelor definiert“ wird. Der Qualifikationsrahmen gliedert sich in verschiedene Niveaus, die auf einer 8-stufigen Skala angeordnet sind. Die erste Stufe beschreibt bspw. den Fachberater. Auf Stufe 2 befinden sich die Industriewirte. Stufe 3 und 4 umfassen die 2- bzw. 3 bis 3 ½-jährigen Ausbildungen. Auf der höchsten Stufe sind Professoren angesiedelt. Interessant ist aber, dass der Industriemeister und der Bachelor beide auf Stufe 6 zu verorten sind. Hier erkennt man die zuvor bereits erwähnte Gleichwertigkeit der beruflichen und akademischen Ausbildung.
In den nächsten Schritten sollen in den Qualifikationsrahmen auch non-formal und informell erworbene Qualifikationen aufgenommen werden. Bisher berät man jedoch darüber, wie diese zu standardisieren sind. Zu non-formal erworbenen Qualifikationen gehören bspw. Fähigkeiten, die nicht durch Prüfungen getestet wurden. Hier ist auch die Flüchtlingsproblematik aktuell: Das Kompetenzfeststellungsverfahren soll klären, wie eine im Ausland erworbene Qualifikation in Deutschland einzuordnen ist. Dieses Verfahren ist allerdings noch keine Routine, da Erfahrungen erst gesammelt werden müssen. Die informell erworbenen Qualifikationen wurden durch didaktische Strukturen angeeignet, die jedoch nicht in einer formalen Umgebung stattgefunden haben. D. h., dass sie nicht öffentlich geprüft sind.
Ostwestfalen, insbesondere Bielefeld, gehört in Sachen Kompetenzfeststellungsverfahren hinter München zu den Vorreitern. Seit 2012 sind 705 Anträge auf ein solches Verfahren eingegangen.

BU (v. l.): Thomas Niehoff, Prof. Dr. Friedrich Hubert Esser und Swen Binner bei der Eintragung ins Goldene Buch.

Foto: Melissa Petring
Text: Melissa Petring