IHK-Umfrage: Nur jedes zweite Unternehmen für Chef-Ausfall gerüstet

118_0926IHK_NotfallhandbuchBielefeld. Auf den plötzlichen Ausfall des Chefs sind zahlreiche Unternehmen in Ostwestfalen nicht angemessen vorbereitet: So lautet das Fazit einer Umfrage der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld (IHK), die im Juli und August stattfand und an der 321 Unternehmen teilnahmen. Demnach hat sich knapp jeder zweite Firmenchef (48 Prozent) intensiv mit der Frage auseinandergesetzt, was mit seinem Unternehmen geschieht, wenn er durch Krankheit oder Tod ausfallen würde. 44 Prozent hätten sich hierüber allerdings nur ansatzweise und acht Prozent gar keine Gedanken gemacht.

„Insbesondere für viele jüngere Unternehmer ist die Planung für den Notfall offensichtlich noch kein Thema: Sie sind entweder nicht hinreichend sensibilisiert oder sehen aufgrund ihrer Lebenssituation keinen Handlungsbedarf“, erläuterte Harald Grefe, stellvertretender IHK-Hauptgeschäftsführer, heute (26.09.2013) bei der Vorstellung der Umfrageergebnisse.

Gestützt wird seine Einschätzung mit Blick auf die abgefragten Altersgruppen: Bei den über 60-Jährigen gaben 81 Prozent an, sich intensiv damit beschäftigt zu haben, bei den 50- bis 60-Jährigen sind es 52 Prozent und bei den 40- bis 50-Jährigen 36 Prozent „Notfallvorsorge zur Sicherung der Geschäftsfähigkeit des Betriebes sollte keine Frage des Alters sein“, betonte Grefe und riet: „Ohne Unternehmertestament beispielsweise ist die Gefahr groß, dass die Firma im Todesfall des Chefs handlungsunfähig wird.“

Trotzdem hätten 20 Prozent weder Testament noch Vorsorgevollmacht (22 Prozent). Allerdings haben laut der Umfrage gut zwei Drittel innerbetriebliche Vorkehrungen für den Fall des zeitlich befristeten Ausfalls des Chefs getroffen. Dazu gehörten beispielsweise die Verfügbarkeit wichtiger Informationen wie Bankverbindungen, Verträge, Vollmachten und Passwörter. Darüber hinaus habe rund die Hälfte der Unternehmer Regelungen für den eigenen dauerhaften Ausfall durch Krankheit oder Tod in Form von Nachfolgeregelung (45 Prozent) oder Bestellung neuer Geschäftsführer (50 Prozent) getroffen.

Die Annahme „Je größer der Betrieb, desto besser ist die Vorbereitung auf den plötzlichen Ausfall des Chefs“ wird durch die IHK-Umfrage nicht bestätigt. Grefe: „Der Stand der Notfallplanung in den Betrieben ist stark vom Lebensalter des Unternehmers geprägt. Die Risikoprophylaxe spielt bei den jüngeren Firmeninhabern eine eher untergeordnete Rolle, und zwar unabhängig von der Betriebsgröße.“

Ingolf Dorff, stellvertretender Vorsitzender des IHK-Dienstleisterausschusses und Inhaber der Creditreform Herford & Minden Dorff KG aus Löhne, stellte in seinem Praxisbericht dar, dass er es beruflich immer wieder mit Fällen zu tun habe, bei denen unzureichende Notfallplanung zu ungewollten „Stresstests“ der betroffenen Unternehmen führten. Für seinen eigenen Betrieb konstatiert er: „Ich glaube nach der Unterlagendurchsicht nicht, dass meine bisherigen punktuellen ‚Pflaster‘ einem wirklichen Ernstfall standhalten würden oder eine wirkliche existenzielle Absicherung darstellen“, so Dorff. Er wolle das Thema aber noch in diesem Jahr abschließen.

Betrieb vor unnötigem Schaden zu bewahren, sollte jeder einen ‚Notfallkoffer‘ haben, der zum Beispiel mit Vollmachten, Vertretungsplan und einer Dokumentenmappe mit Bankverbindungen, Passwörtern und einem Testament gepackt ist“, erklärte Thomas Mikulsky, IHK-Referatsleiter Finanzierung und Unternehmenssicherung. Die IHK Ostwestfalen habe deshalb gemeinsam mit der IHK Arnsberg ein Notfall-Handbuch erstellt. Es soll Anregung, Orientierung und Werkzeug zugleich sein, um die wichtigsten Regelungen konkret umzusetzen.

BU: Sensibilisierten für den „Ernstfall“ und präsentierten die Lösung des IHK-Notfallkoffers und IHK-Notfallplans: IHK-Referatsleiter Thomas Mikulsky, stellvertretender Vorsitzender des IHK-Dienstleisterausschusses Ingolf Dorff und stellvertretender IHK-Hauptgeschäftsführer Harald Grefe (v.l.) (Foto: Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld)