IHK-Konjunkturumfrage Herbst 2012 im Kreis Herford

Bielefeld/Herford. Die gegenwärtige Wirtschaftslage im Kreis Herford ist durchweg positiv, die Erwartungen sind etwas verhalten: Zu diesem Ergebnis kommt die Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld (IHK) in ihrer Herbstkonjunkturumfrage, an der sich 290 Unternehmen mit 17.824 Beschäftigten aus Industrie, Handel und Dienstleistungen beteiligten. „Die aktuelle Lage der Wirtschaft ist als gut zu bezeichnen. Die Erwartungen sind gegenüber dem vorigen Herbst allerdings etwas gedämpfter, was angesichts der europäischen Unsicherheiten nicht erstaunt“, betonte IHK-Vizepräsident Dirk-Walter Frommholz heute (26.09.2012) bei der Vorstellung der Umfrageergebnisse. „Der Konjunkturklimaindikator, der die momentane Lageeinschätzung der Betriebe mit ihren Erwartungen in Relation setzt, ist für die Wirtschaft im Wittekindskreis gegenüber dem Frühjahr von 113 Punkten auf 119 gestiegen. Damit liegt er deutlich über der 100er-Markierung, die die Grenze zwischen positiver und negativer Stimmung darstellt. Bemerkenswert ist, dass er seit langem erstmals wieder über dem Ostwestfalen-Niveau von 114 Punkten liegt“, berichtete Frommholz.

Die aktuelle Geschäftslage beurteilen die Herforder Industrieunternehmen mit 97 Prozent als „gut“ oder „befriedigend“. Frommholz: „Die Industrieunternehmen des Kreises Herford blicken auch relativ optimistisch in die Zukunft. 19 Prozent erwarten eine Verbesserung ihrer Geschäftslage, nur neun Prozent eine Verschlechterung.“ Auch die Umsatz- und Beschäftigungsaussichten seien positiv: 56 Prozent gehen von steigenden Umsätzen aus, zwölf Prozent von Umsatzrückgängen. Jedes fünfte Unternehmen (19 Prozent) will Personal einstellen, zehn Prozent Arbeitsplätze abbauen. Skepsis werde bei den Investitionen deutlich: Nur noch jedes sechste Industrieunternehmen habe sie gesteigert – der niedrigste Wert seit Herbst 2009 – „und setzt damit ein deutliches Zeichen für vorsichtiges Handeln trotz noch guter Lage“, so der IHK-Vizepräsident.

„Die aktuelle Geschäftslage im Handel im Kreis Herford ist zufriedenstellend“, berichtet IHK-Vollversammlungsmitglied Rainer Döring. Das gute Konsumklima, die geringe Arbeitslosenquote und niedrige Zinsen sorgten für die Stabilisierung im Einzelhandel. Jedoch gerieten die Erträge spürbar unter Druck, Kostensteigerungen wären am Markt vielfach nicht durchsetzbar. Die Erwartungen seien im Einzelhandel skeptischer (Saldo: -8), im Großhandel zufriedenstellend (Saldo: +8). „Die Risiken der wirtschaftlichen Entwicklung sind deutlich angestiegen, die Unsicherheiten wachsen“, betont Döring, schränkt aber ein: „Ein Einbruch der Konjunktur wird im Handel nicht erwartet.“

„Der aktuelle Lage bei den Dienstleistern befindet sich auf einem sehr erfreulichen Niveau“, hob Döring hervor: „38 Prozent der Befragten beurteilen die aktuelle Situation als gut, nur sieben Prozent als schlecht“. Auch die Erwartungen seien weiterhin optimistisch (Saldo: +14). Döring: „Die Dienstleister sind weiterhin gut auf Kurs.“ Die Dienstleistungsbranchen fungierten weiterhin als Jobmotor, denn 25 Prozent der Unternehmen wollen weitere Mitarbeiter einstellen, lediglich sechs Prozent Personal abbauen. „Risiken im Hinblick auf die Euro-Krise und Inlandsnachfrage sind gewachsen“, erläuterte Döring.

Nach Angaben vom stellvertretenden IHK-Hauptgeschäftsführer Harald Grefe lag der Gesamtumsatz des Verarbeitenden Gewerbes von Januar bis Juli im Wittekindskreis mit 2,6 Prozent über dem Vorjahresergebnis und betrug 3,2 Milliarden Euro. Grefe: „Damit liegt der Kreis unter dem Wert für Ostwestfalen mit einem Wachstum von 4,4 Prozent“. Die Beschäftigtenzahl in der Industrie im Kreis Herford sei um 5,8 Prozent auf 24.268 gestiegen und liege damit deutlich über dem Beschäftigungswachstum in Ostwestfalen mit 2,9 Prozent.