IHK-Gründungsreport 2015

10.407 Unternehmer haben sich im vergangenen Jahr in den Bereichen Industrie, Handel und Dienstleistungen selbstständig gemacht. Diese Zahl veröffentlichte die Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld (IHK) in ihrem „IHK-Gründungsreport 2015“. Im Berichtszeitraum ist die Anzahl der Gründungen im Vergleich zum Jahr 2013 um 262 (2,5 Prozent) gesunken. „Das aktuelle Gründungsgeschehen wird stark beeinflusst von der guten konjunkturellen Entwicklung und der damit einhergehenden entspannten Arbeitsmarktlage. Bei derart guten Marktbedingungen ist die Gründungsneigung erfahrungsgemäß niedriger als in Zeiten schwacher Konjunktur“, erläutert IHK-Präsident Wolf D. Meier-Scheuven. Nach dem deutlichen Einbruch der Existenzgründungen von 12.483 im Jahr 2010 auf 9.881 im Jahr 2012 hat sich das Gründungsgeschehen in den vergangenen zwei Jahren sichtlich stabilisiert. 46 Prozent aller Gründer starten aktuell im Nebenerwerb in die Selbstständigkeit, laut IHK-Gründungsreport 2015 eine neue Bestmarke. „Mit einer nebenberuflichen und selbstständigen Betätigung kann ein Zusatzeinkommen erwirtschaftet werden. Bei geregelten Einkommen und somit deutlich geringerem finanziellen Risiko kann die Geschäftsidee ausprobiert und ausgebaut werden, bis ein Vollerwerb realisierbar erscheint“, begründet IHK-Hauptgeschäftsführer Thomas Niehoff die Entwicklung. Dabei verteilt sich das Gründungsgeschehen unterschiedlich über den IHK-Bezirk. Die Stadt Bielefeld (2.225), sowie die Kreise Gütersloh (2.169) und Paderborn (1.998) liegen gemessen an absoluten Zahlen an der Spitze der Existenzgründungsstatistik. Werde die Anzahl der Gründungen in Relation zur Anzahl der Erwerbsfähigen gesetzt, so werde die Gründungsintensität ermittelt, die unabhängig von der Bevölkerungszahl der Stadt beziehungsweise des Kreises sei. Dabei zeige sich, dass die Gründungsintensität in Bielefeld, Paderborn und in Herford (1,07 bis 1,04) vergleichsweise hoch ausfalle und eng beieinander liege, der Kreis Höxter (0,78) dagegen eine deutlich niedrigere Gründungsquote aufweise. Grund hierfür sei unter anderem die fehlende städtische Verdichtung, denn Gründungen fänden verstärkt in Ballungsgebieten statt. Ein Analyseschwerpunkt des diesjährigen IHK-Gründungsreports liegt auf Internet-Start-Ups in Ostwestfalen. „Ich bin ganz bewusst von Hamburg, meinem Studienort, zurück nach Bielefeld gezogen. Ich bin hier geboren, hier kann ich auf ein gutes Netzwerk zurückgreifen“, betont Finn Schönefeldt, Gründer der Lieblingskapital GmbH. Der Jungunternehmer hat den „Deutschen Uhren Index“ entwickelt und möchte mit seiner Internetplattform helfen in Sachwerte wie Uhren, Weine oder Oldtimer zu investieren. „In Berlin herrscht ein sehr starker Wettbewerb, beispielsweise auf dem Markt für Programmierer. Außerdem studiert ein Teil des Teams in Ostwestfalen und ist in der Region verwurzelt“, sagt Alexander Leonard Ronge, Mitgründer der match it GmbH. „match it!“ ist eine Smartphone App, mit der Personen ihre gemeinsame Reiseplanung organisieren können.
„Neue Unternehmen mit neuen Ideen schaffen Wertschöpfung und Arbeitsplätze und leisten so einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung unseres Wirtschaftsstandorts. Deshalb ist es der IHK ein wichtiges Anliegen, Existenzgründungen in der Region zu fördern“, bilanzierte IHK-Präsident Meier-Scheuven. 2014 hatte die IHK über 2.000 Kontakte zu Existenzgründern, sei es in persönlichen Beratungsgesprächen oder bei Existenzgründungstagen.
Der IHK-Gründungsreport kann im Internet abgerufen werden:  www.ostwestfalen.ihk.de