IHK besucht Unternehmen auf Ausbildungstour

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v.l.: IHK-Prädisent Ortwin Goldbeck, IHK-Geschäftsführer Swen Binner, IHK-Hauptgeschäftsführer Thomas Niehoff,, Ausbildungsleiterinnen Graphic Group Melissa Möller und Alexandra Dohmen, Graphic Group Geschäftsführer Alexander Hassan, sitzend: Auszubildende Linda Smith

Bielefeld (rsc). Auf ihrer diesjährigen Ausbildungstour besuchte IHK-Ostwestfalen Präsident Ortwin Goldbeck mit den Geschäftsführern Thomas Niehoff und Swen Binner zwei Bielefelder Traditionsbetriebe. Mit den Verantwortlichen für die Ausbildung in diesen Betrieben diskutierte er aktuelle Herausfordungen und Probleme auf dem Arbeitsmarkt. 
„Wir möchten zum Einen besonders engagierte Firmen als Vorbild für andere herausstellen und zum Anderen andere Firmen dazu animieren in die Ausbildung junger Leute zu investieren“, erklärte Goldbeck. Der demographische Wandel in Deutschland mache eine veränderte Ausbildungsstruktur nötig. Es gäbe mehr offene Stellen als Bewerber, weil sich viele junge Menschen für andere Berufe entschieden. Aus diesem Grund mahnte  Goldbeck an, dem drohenden Facharbeitermangel in Zukunft durch Investion vorzubeugen und die betreffenden Berufssparten wieder attraktiver zu gestalten.

Die Graphic Group Mensch und Medien GmbH wurde 1925 als Stempelfabrik gegründet. Alexander Hassan, geschäftsführender Gesellschafter, betonte die Ausbildungssituation in den zwei Schwerpunkten seines Unternehmens: Medienproduktion Print  und Digitalstudios Fotographie, was derzeit aber noch kein Ausbildungsberuf sei. Weil die Printmedien aber zunehmend ihre bisherige Position in der Werbebranche gegen die aufkommende Digitaltechnik behaupten müssen, werde die Ausbildung im Digitalbereich künftig immer wichtiger. Derzeit müsse sich der interessierte Auszubildende die entsprechenden Kompetenzen neben der Ausbildung erarbeiten. Die Werbebranche unterliege einem Trend, der immer zunehmender in Richtung Digital dränge. Die Beratung des Kunden werde auch immer wichtiger als die Technik selbst, betonte Hassan. „Man muss flexibel sein, die Branche ändert sich. Man muss sich weiterentwickeln“, stellte Goldbeck fest. Binner schlug eine Zusatzförderung für die Ausbildung von CGI-Artists vor, um dem Trend der Digitalmedien gerecht zu werden.
Auch müsse die Branche der auf den Markt drängenden Konkurrenz aus Fernost begegnen. Die Kundschaft sei mit 80 Prozent Leistung und einem günstigeren Preis zufrieden, da habe die heimische, höherwertige Leistung mit ihren höheren Preisen zu kämpfen, betonte Hassan.

In dem Ausbildungsberuf Mediengestalter im Bereich Medienproduktion Print stellte Hassan fest, sei die Berufschule zu stark auf die Schule fixiert und weise zu wenig Praxisbezug auf. Tatsächliche wirtschaftliche Zusammenhänge würden nicht ausreichend vermittelt. Wichtiger als gute Noten sei Hassan ohnehin die Sozialkompetenz seiner Auszubildenden. „Für uns ist es wichtig, dass unsere Azubis ein offenes und ehrliches Wesen haben“, betonte er. Bewerber mit exzellenten Noten seien niemals diejenigen gewesen, die schließlich von der Graphic Group eingestellt wurden.
Hassan kritisierte, dass die Ausbildung des Nachwuchses in den Schulen zu wenig auf deren Sozialkompetenz ausgerichtet sei.

Goldbeck schlug vor, mehrere Unternehmen der Branche, gemeinsam an einen Tisch zu bringen um zukunftsfähige Lösungen zu diskutieren und ein Netzwerk von Unternehmen zu bilden, um den Anforderungen der starken Entwicklung weg von den Printmedien gerecht zu werden.

Foto: René Scharton