Hilfe für Myriam und andere

Kindergartenkinder basteln für krebskranke Myriam – Sabine Bräutigam (links im Bild), Erzieherin im Katholischen Familienzentrums St. Kilian in Lichtenau, und Simone Brockmann von der Inititiative „Hilfe für Myriam und andere“ wollen Myriam und ihrer Familie helfen

Lichtenau. Warum ist die Frau so krank? Die Erzieherinnen des Katholischen Familienzentrums St. Kilian in Lichtenau beantworteten in den vergangenen Wochen viele Fragen wie diese. Und auch wenn die Kindergartenkinder mit Erwachsenenbegriffen wie Lymphdrüsenkrebs oder Chemotherapie nichts anfangen können, spüren sie doch, dass etwas Bedrohliches davon ausgeht. „Die Erwachsenen gucken dann immer so ernst“, sagt der fünfjährige Johannes. Eine Woche lang bastelten die Kindergartenkinder des Lichtenauer Familienzentrums sowie des Kindergartens Regenbogen in Kleinenberg und des Kindergartens in Oesdorf (Hochsauerlandkreis) farbenprächtige Spendendosen, die ab sofort in Lichtenau und Umgebung in einigen Geschäften zu finden sind. Die Sammelaktion soll helfen, die Typisierungsaktion „Hilfe für Myriam und andere“ am Samstag, den 29. September in der Schützenhalle in Lichtenau zu finanzieren. Die 29-jährige Myriam ist an Lymphdrüsenkrebs erkrankt. Sie kämpft um ihr Leben. Die junge Mutter weiß: Wenn niemand sich findet, der ihr die passenden Stammzellen spenden kann, wird sie ihre neun Monate alte Tochter Amelie nicht aufwachsen sehen.

Leukämie und auch der Lymphdrüsenkrebs sind Krebsarten, bei denen im Prinzip jeder helfen und Menschenleben retten kann: Durch die Übertragung von gesunden Stammzellen. Dazu muss ein passender Spender gefunden werden. Bislang konnte dieser genetische Zwilling für Myriam noch nicht gefunden werden. „Die Aktion in Lichtenau kann das ändern“, hofft Landrat und Schirmherr Landrat Manfred Müller.

Myriam ist in Lichtenau aufgewachsen. Die kleine Familie wohnt in Oesdorf im Hochsauerlandkreis. „Für uns ist es ein schönes Gefühl“, hier helfen zu können“, sagt Sabine Bräutigam, Erzieherin im Katholischen Familienzentrums St. Kilian. Also haben die Kinder ihre Schürzen umgebunden und gebastelt. Auf einigen Dosen sind kleine Hände aufgedruckt, „die zeigen sollen, dass letztlich viele helfende Hände da sind und auch gebraucht werden“, sagt Ingrid Seipolt von der DKMS Deutsche Knochenmarkspenderdatei. Fünf ml Blut reichen bereits, um die Gewebemerkmale erfassen und in einer weltweit angelegten Datenbank hinterlegen zu können. Eine solch aufwendige Untersuchung kostet die DKMS 50 Euro pro Person. Deshalb werden dringend Spenden gebraucht. Die Kindergartenkinder hoffen, dass ihre Spardosen bald gut gefüllt sind.

Die Kilian Grundschule in Lichtenau macht ebenfalls mit. „Myriam war Schülerin an unserer Schule. Wir sind der Ansicht, dass es gut ist, einem schwerkranken Menschen zu helfen“, sagt Schulleiterin Astrid Terstiege. Die Schule sammelt Spendengelder, auch im Sekretariat ist eine Dose aufgestellt. Auch der Vfl Lichtenau will beim Wildschütz-Klostermann Lauf für jeden Läufer, der mitmacht, einen Euro spenden. Wer die Aktion mit möglich machen will, kann ab sofort spenden:

Spendenkonto 16003030
bei der Sparkasse Paderborn, BLZ 472 501 01

Hintergrund zur Aktion am 29. September in Lichtenau: Stammzellen spenden kann jeder zwischen 18 und 55 Jahren, der in guter gesundheitlicher Verfassung ist. Nach dem Ausfüllen einer Einverständniserklärung werden dem Spender die kleine Menge von fünf Milliliter Blut abgenommen, das dann auf seine Gewebemerkmale untersucht wird. Spender, die sich bereits in der Vergangenheit bei einer Aktion typisieren ließen, brauchen nicht erneut an der Registrierung teilnehmen. Ihre Daten stehen weiter für alle Patienten zur Verfügung. Ganz wichtig: Die lebensrettenden Stammzellen befinden sich im Knochenmark, also nicht im Rückenmark! Wer als Lebensretter in Frage kommt, braucht keine Angst vor der Entnahme zu haben. Moderne Verfahren ermöglichen es, die gesunden Zellen direkt aus dem Blut zu gewinnen. Auf den OP-Tisch muss niemand!

Mehr als 2,7 Millionen Menschen haben sich bereits als potenzielle Stammzellspender bei der DKMS registrieren lassen. Damit ist sie die weltweit größte Datei. Täglich spenden mindestens zwölf DKMS-Spender Stammzellen. Dennoch kann noch immer für jeden fünften Patienten kein geeigneter Spender gefunden werden. Deshalb ist es wichtig, dass sich möglichst viele Menschen in die Datei aufnehmen lassen. Am Samstag, 29. September, besteht in Lichtenau von 10 bis 16 Uhr Gelegenheit dazu.

Mehr Infos zur Aktion und rund um das Thema unter www.kreis-paderborn.de sowie www.dkms.de.

Foto: Paderborn Amt für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit