Gut besuchtes Stadtgespräch

Gütersloh. Die Architektur in Gütersloh ist längst ein Thema, an dem nicht nur Bauherren und Architekten interessiert sind. Eine Stadt mit anziehenden Plätzen, sympathischen Fassaden und Quartieren, in denen man sich wohlfühlt, sind für alle wichtig, die in einer Stadt leben.

Bereits seit 2002 lädt der Fachbereich Stadtplanung regelmäßig zu Stadtgesprächen ein, in denen zu Fragen der Architektur, Platzgestaltung oder auch Lichtprojekten diskutiert wird. Ob zum Thema „Logistik in der Stadtplanung“ oder „Licht in der Stadt“: Die Stadtgespräche erfreuen sich stets einer guten Resonanz. Rund 100 Gäste konnte Bürgermeisterin Maria Unger bei einer neuen Auflage des Stadtgespräches in der letzten Woche im Vortragsraum der Volksbank-Zentrale begrüßen. Referent war dieses Mal Dr. Michael Zirbel, der unter dem Titel „…Aus Trümmern und Schutt wird eine neue Stadt“ zur Stadtentwicklung von Gütersloh für die Jahre 1954 und 1969 informierte.

Der Stadtplaner zeigte – auch anhand von Archivbildern und Dokumenten – wie und mit welchen Ergebnissen sich die Stadt Gütersloh in den beiden prosperierenden Jahrzehnten der 1950er und 1960er Jahre entwickelt hat. Die notwendigen Aufgaben wie Wohnungsbau oder Verkehrsplanung wurden oft unmittelbar, wenn sie anstanden, gelöst. Zirbel nennt dieses Verfahren das „situative Prinzip“. Dennoch ist Gütersloh zu einer starken führenden Kraft in der Region geworden.

Als eines der ersten großen Bauprojekte von öffentlicher Bedeutung stellte Zirbel die öffentliche Diskussion um den Bau des Rathauses vor. Die Freie Presse lobte in den 50iger Jahren den Entwurf für das neue Rathaus, „dass dieser architektonisch wundervoll gegliederte Bau schon so, ohne den Zusammenhang mit dem zweiten Bautrakt in Betracht zu ziehen, ein mutiger Schritt zum Modernen ist. Ein repräsentatives Gebäude solchen Ausmaßes ist in Gütersloh noch nicht vorhanden.“

Im Jahre 1958 wurde das Rathaus nach zweijähriger Bauzeit bezogen und die im Umfeld stehenden Häuser wurden abgerissen. Im Zusammenhang mit der Fertigstellung des Ensembles wurde die Frage des Ratskellers diskutiert. Eine Leserbefragung der Lokalpresse ergab: Wir wollen einen Ratskeller. Der Rat der Stadt Gütersloh aber entschied sich wegen der Kosten von 500 000 DM dagegen, weil es nicht Aufgabe der Stadt sei, mit den Steuergeldern der Bürger eine Gaststätte für den so genannten gehobenem Bedarf zu schaffen.

Die Jahre des Wiederaufbaus und der Umgestaltung der Innenstadt stellte Zirbel als entscheidend für die jüngere Geschichte von Gütersloh dar. Das Stadtgefüge hatte sich deutlich verändert und vergrößert, mehrgeschossige Geschäftshäuser prägten das Stadtbild. Auch ohne über ein Leitbild zu verfügen, entwickelte sich Gütersloh erfolgreich. Zirbel führt das auf einen breiten und stabilen Konsens in der Bürgerschaft, der Politik und der Verwaltung zurück, der eine stabile Basis für die Stadtentwicklung bot.

Die Präsentation zu dem Vortrag ist auch im Internet zu finden unter www.stadtplanung.guetersloh.de.

Bild: Stadt Gütersloh