Große Resonanz beim Bürgerdialog zum Thema Europa

Die VHS-Turnhalle als Arena der Diskussion: Beim Bürgerdialog diskutierten rund 100 Teilnehmer und machten wie die 16-jährige Stina Poggengerd den Mund auf zum Thema Europa. Foto: Stadt Gütersloh

Die VHS-Turnhalle als Arena der Diskussion: Beim Bürgerdialog diskutierten rund 100 Teilnehmer und machten wie die 16-jährige Stina Poggengerd den Mund auf zum Thema Europa. Foto: Stadt Gütersloh

Gütersloh (gpr). „Das Reisen ist einfacher geworden. Man muss kein Geld mehr tauschen.“ Zur Einstimmung auf den Bürgerdialog, zu dem die Volkshochschule am Mittwochabend zum Thema Europa eingeladen hatte, brachten die Schülerinnen und Schüler der Europaschule Nordhorn gleich einige Argumente ein. Volkshochschulleiterin Dr. Birgit Osterwald, die den Dialog moderierte, konnte zu diesem Bürgerdialog 102 Teilnehmer in der VHS-Turnhalle begrüßen und bedankte sich für die großartige Resonanz. 

Zur Aufwärmung für das Thema trugen auch Burkhard Marcinkowski vom Unternehmerverband Gütersloh, Dr. Siegfried Bethlehem, Schulleiter des Städtischen Gymnasiums, und VHS-Dozentin Naima Dami bei. „Wechselseitiger Respekt, Toleranz und Akzeptanz, dafür stehe der europäische Gedanke“, sagte Marcinkowski. In der Schule spiegele sich Europa zum einen in den Fremdsprachen, und zum anderen in dem vielfältigen Schüleraustausch mit England, Frankreich, Spanien und Polen und auch den Praktika im Ausland. Für die Marokkanerin Naima Dami ist Europa die Wahlheimat. „Hier haben alle die Chance weiterzukommen“, sagte Dami.

Wenn sich 100 Teilnehmer austauschen, wird die VHS-Turhalle zur Arena der Diskussion. Dennoch ging es nicht laut zu, sondern angeregt und konzentriert. „Kurzweilig ist es auch“, sagte Stina Poggengerd, Schülerin der Geschwister-Scholl-Realschule, „denn die Gesprächspartner wechseln.“ Es ist eine Art „Speed Dating“, das den Austausch mit wechselnden Personen möglich macht.

Was hält Europa zusammen? Das ist eine der drei großen Fragen, die zum Beispiel an Tisch sechs diskutiert wird. Genannt werden zum Beispiel „Jugendaustausch“ und „Mitgestaltung“: Die Ideen sprudeln. Ob 14 Jahre alt, wie Simon Peter oder 84 Jahre, wie Helmut Lütkemeyer: Jeder kommt zu Wort und jeder lässt jeden ausreden. Diese Fairness wurde vorab so vereinbart.

Wie gehen wir mit der Krise um? Welche Verantwortung trägt Europa? Auch diese Fragen gehörten zu den Schwerpunkten, zu denen viele Anregungen erarbeitet wurden. „Europaweiter Mindestlohn“, „Europaweite Anerkennung von Abschlüssen“, „Menschenrechte“ und „humanitäre Hilfe“: Das sind nur einige der Stichworte, zu denen die Teilnehmer weiter diskutieren wollten. Zum Abschluss der dreistündigen Diskussion einigte sich das Forum auf die wichtigsten Themen, die als Votum an Bürgermeisterin Maria Unger übergeben wurden.

Die Ergebnisse des Bürgerdialogs gibt es auch unter www.vhs-buergerdialog.de

Bürgerdialog: Die Ergebnisse

„Was hält uns in Europa zusammen“

Freiheit, Toleranz, Demokratie – Wie können diese Werte Grundlage für das Zusammenleben der Menschen in Europa werden?

Die Regierung und die Bürger Europas sollten gemeinsam Maßnahmen ergreifen. Konkret wird vorgeschlagen, dass die Akzeptanz der Vielfalt, der Religionen und der Kulturen besonders durch weitere Jugendaustausche und Städtepartnerschaften gefördert werden soll. Andernfalls könnte es passieren, dass die kulturelle europäische Staatengemeinschaft zerbricht. Mit dieser Maßnahme wird der europäische Gedanke gefördert und wir können anderen ein Vorbild sein.

„Wie gehen wir mit der Krise um“

Menschenrechte: Gleichberechtigung. Menschen, die in Europa leben, werden nach ihrem Herkunftsland unterschiedlich behandelt. Der Gesetzgeber in Europa sollte Maßnahmen ergreifen. Konkret wird vorgeschlagen, ausländische Berufs- und Hochschulabschlüsse anzuerkennen und Arbeitnehmer/innen innerhalb der Qualifikationsstufen gleich zu entlohnen. Andernfalls könnte es passieren, dass viele begabte Menschen ihre Fähigkeiten nicht in die Gemeinschaft einbringen können und die Wirtschaft Europas Nachteile erfährt. Durch diese Maßnahme würden Menschen Wertschätzung und Motivation erhalten und die Wirtschaft und Gesellschaft davon profitieren.

  „Welche Verantwortung trägt Europa“

Einheitliche Bildungsabschlüsse in Europa. Es existieren unterschiedliche Bildungsanforderungen und Bildungsniveaus in Europa.

Die EU sollte Maßnahmen ergreifen. Konkret wird vorgeschlagen, gemeinsame Bildungsanforderungen und Scherpunkte zu erarbeiten (zum Beispiel ein Europa-Abitur) und Bildungszertifikate aus anderen Ländern anzuerkennen.