Graffiti-Projekt macht Rodenbeck bunter

Graffiti-Projekt macht Rodenbeck bunter
Zehn Kinder und Jugendliche verschönern Trafo-Häuser und Stromkästen – Profi aus Bielefeld gibt Unterstützung

FertigesMotivTrafohausMinden. Legale Graffitis sind im Mindener Stadtbezirk Rodenbeck entstanden: auf vier Stromkästen und zwei so genannten Ortsnetzstationen – umgangssprachlich Trafohäuschen. Zehn Kinder und Jugendliche sind für vier Tage unter die Künstler*innen gegangen. Tipps und Unterstützung gab es von Graffiti-Profi und Grafik-Designer Tim Methfessel aus Bielefeld. Am ersten Tag stand viel Theorie, aber auch schon ein paar Übungen auf dem Plan. Methfessel wies die Mädchen und Jungen in die Graffiti-Kunst ein, erklärte verschiedene Techniken und machte aber auch deutlich, dass Graffitis oft illegal angebracht werden – auf Wänden, auf Zügen oder an Brücken.

Die Erlaubnis, ausgesuchte Stromkästen und Trafostationen in Rodenbeck zu verschönern, gab „Westfalen Weser Netz“ (WWN). „Wir unterstützen solche Projekte gerne“, machte Diplom-Ingenieur Jürgen Dallmeier (Bereichsleiter Regionalbereich Minden) bei einem Presstermin am vergangenen Donnerstag (24. Mai) deutlich. WWN unterhält allein in Minden rund 450 Ortsnetzstationen, die schon oft „Opfer“ von ungewollten Schmierereien und Farbattacken geworden sind. Von den Motiven der Kinder und Jugendlichen zeigte er sich bei einem Rundgang begeistert. „Die Gestaltung der Stromkästen steigert die Attraktivität des Stadtteils und wirkt erfahrungsgemäß präventiv gegen Vandalismus“, weiß Dallmeier.

Hellgrau, mausgrau, steingrau oder beige – Stromkästen sind allgemein keine Hingucker. Nun aber gibt es welche. Die zehn Mädchen und Jungen im Alter von zehn bis 14 Jahren haben sich freiwillig für das Projekt in den Pfingstferien gemeldet. Gearbeitet wurde freihändig, aber auch mit Schablonen (Stencil-Technik), die zuvor vorbereitet wurden. Die Motive haben die Teilnehmer*innen selbst entwickelt. So ist aus einem bislang unscheinbaren Stromkasten eine blendendweiße „Waschmaschine“ geworden. Aber auch ein Hip Hop-Schriftzug, überdimensionale Spraydosen, Kühe sowie Phantasiemotive kamen auf die Kästen.

Erster-Workshoptag_WeisseBlDie Idee für die Aktion kam vom städtischen Jugendhaus „Westside“. Ursprünglich als Kulturrucksack-Projekt angedacht, ist daraus eine Aktion im Stadtbezirk Rodenbeck geworden – gefördert durch den Quartiersfonds. „Graffiti hat einen besonderen Reiz auf Kinder und Jugendliche und das Schöne an diesem Workshop ist, dass die Teilnehmenden an selbstständiges künstlerisches Arbeiten herangeführt werden und ganz nebenbei vermittelt wird, was geht und was nicht“, betont Sandy Kranich, Mitarbeiterin im Kinder- und Jugendtreff Westside. Sie hat das Projekt ins Leben gerufen. Zum Abschluss gab es für alle Mitwirkenden ein dickes Eis.

Rund 700 Euro hat das Projekt gekostet – das Geld für Farbe aus Dosen kam von WWN, der Rest wurde aus dem Quartierfonds bezahlt. Wenig Geld für einen großen Effekt. Auch Quartiersmanager Guido Niemeyer zeigte sich von den neuen, bunten Kunstwerken in Rodenbeck begeistert. „Solche Projekte bringen Menschen zusammen. Alle können sich nun darüber freuen“, lobt Niemeyer. Aus dem Fonds werden vielfältige Projekte gefördert – ob ein Fest oder auch Aktionen im öffentlichen Raum. Wichtig sei, dass Menschen aus dem Quartier beteiligt sind.

Die spontanen Reaktionen der Anwohner*innen auf die bunten Ergebnisse waren durchweg sehr positiv, wie Sandy Kranich abschließend berichtet. Viele bedauerten, dass nicht noch mehr Kästen bemalt wurden. Das ruft nach einer Fortsetzung.

Foto: © Stadt Minden

Heilpraktiker Stiv Dudkin