Genaues Augenmaß für den präzisen Schnitt

Arbeit mit schwerem Gerät: Dominik Harmann stellt die historischen Strukturen des Heckengartens von vor 100 Jahren wieder her Foto: Stadt Gütersloh

Arbeit mit schwerem Gerät: Dominik Harmann stellt die historischen Strukturen des Heckengartens von vor 100 Jahren wieder her Foto: Stadt Gütersloh

Gütersloh (gpr.) Die Gütersloher lieben ihren Stadtpark. Er ist Ausflugsziel Nummer eins. Besonders aber lieben sie die Oase mittendrin: den Botanischen Garten, der im vergangenen Jahr 100. Geburtstag feierte. Der älteste Teil ist der Heckengarten, der in diesen Tagen im Fokus der Gärtner steht. Seit gut einer Woche bringt die Gütersloher Firma Linnemann die zum Teil 3,50 Meter hohen Hainbuchenhecken in Form. Und das aus einen speziellen Grund: „Wir wollen die alten Strukturen von vor 100 Jahren wieder herstellen“, erklärt Bernd Winkler, Leiter des städtischen Fachbereichs Grünflächen der Stadt Gütersloh. Er hat bereits in der Vergangenheit mit der Firma für Garten- und Landschaftsbau zusammengearbeitet und weiß, dass für diese schwierige Arbeit ein besonderes Fingerspitzengefühl erforderlich ist..

Der richtige Mann für diesen Job ist Dominik Harmann. Der Gütersloher bedient die schwere Heckenschere, als hätte er nie ein anderes Gerät benutzt. Auf zehn Jahre Erfahrung kann der 31-Jährige zurückgreifen, und das ist bei dieser schweren Arbeit auch unerlässlich: Denn der 150 Meter lange Heckengarten soll genau so aussehen wie vor 100 Jahren. Mit Hilfe von Fotos aus dem Stadtarchiv hat Bernd Winkler die alten Strukturen rekonstruiert und sie an Dominik Harmann weitergegeben. Dieser arbeitet zum großen Teil auf einer Hebebühne. Um genaues Maß nehmen zu können, muss er immer wieder seinen Arbeitsplatz verlassen und aus der Entfernung begutachten, wie er weiter schneiden muss. „Verschnitten“ hat sich der 31-Jährige dabei noch nicht, denn er weiß, welche Verantwortung er bei seiner Arbeit trägt: „Die Ehre, an einem Denkmal der Stadt zu arbeiten, hat wirklich nicht jeder“, gibt er stolz zu verstehen. Um sich auf die Arbeit im Botanischen Garten vorzubereiten, hat er fleißig trainiert, denn körperliche Fitness ist unerlässlich. Unterstützt wird Dominik Harmann von Leon Harz, der als Aushilfe bei der Firma Linnemann arbeitet.

Was die Arbeit der beiden zur zeit nicht gerade leicht macht, sind die hochsommerlichen Temperaturen. Aus diesem Grund wird auch schon um halb sechs mit der Arbeit begonnen. Einmal im Jahr ist der Schnitt an den riesigen Hecken, die einen ganz eigenen Gartenraum bilden, erforderlich. Und das Ergebnis kann sich sehen lassen: Nicht nur die historischen Strukturen des Heckengartens werden wieder hergestellt, sondern auch das Auge der Besucher hat etwas zum Staunen: sei es durch die räumlichen Elemente, die die zum Teil 4,50 breiten Hainbuchenhecken schaffen, die perfekte Symmetrie des geometrisch gestalteten Gartenbereiches oder die zahlreichen Heckenfenster mit den gemütlichen Sitzbänken, die zum Verweilen einladen. Auch Dominik Harmann weiß das zu schätzen. Nach seiner Arbeit lässt auch er gerne einmal im Botanischen Garten „die Seele baumeln“.