Gegen das Vergessen

Gütersloh. „ich bin – mensch“: Das ist der Name einer Gruppe junger Menschen aus dem Kreis Gütersloh, die mit unterschiedlichen Aktionen und Projekten für die Toleranz und Akzeptanz der menschlichen Vielfalt werben will. Mit einer Aktion auf dem Berliner Platz erinnert sie zum Holocaust-Gedenktag am 27. Januar unter anderem an das Schicksal der Mitbürger und Mitbürgerinnen, die aus Gütersloh in die Vernichtungslager deportiert und dort ermordet wurden. Städtische Öffentlichkeitsarbeit, Stadtarchiv und die beiden Gütersloher Gesamtschulen, Janusz-Korczak- und Anne-Frank-Gesamtschule, unterstützen das Projekt.

Tatkräftig helfen auch Mitglieder des Löschzugs Gütersloh der Freiwilligen Feuerwehr mit, die Idee der Gruppe umzusetzen. Sie befestigen am Freitagnachmitta nämlich die 44 Alltagsgegenstände an der großen Kastanie auf dem Berliner Platz, die für die Menschen stehen, die von hier aus deportiert worden sind. Ein Koffer, ein Buch, ein Instrument – das sind unter anderem Symbole für Männer, Frauen, Kinder, die hier gelebt haben und deren Leben in Auschwitz, Treblinka oder in einem anderen Vernichtungslager ausgelöscht wurde. Mitglieder der Gruppe sind außerdem am Samstag (26. Januar) und Sonntag auf dem Berliner Platz, um mit Flyern sowie im Gespräch an diese Gütersloher und Gütersloherinnen zu erinnern und über das Projekt zu informieren. Eine eher stilles Vorgehen, das gleichwohl zur Aufmerksamkeit anhält.

Die Grundidee von Stefan Pape, Abiturient an der Janusz-Korczak-Gesamtschule, und seinen Mitstreitern ist in der Nachbereitung der Anne-Frank-Ausstellung vor einiger Zeit in Gütersloh entstanden. Das Konzept basierte darauf, dass Schüler und Schülerinnen durch diese Ausstellung führen und quasi auf Augenhöhe mit den zumeist gleichaltrigen Besuchern ins Gespräch kommen. Der Kontakt zum Anne Frank Zentrum in Berlin blieb bestehen und mit ihm die Sensibilität für ein Thema, das fast zu ungeheuerlich scheint, als dass es mit der Gegenwart noch etwas zu tun haben könnte. Doch Ausgrenzung, Verfolgung und Rassismus sind kein Thema einer abgeschlossenen Vergangenheit. Nicht zuletzt dies will die Gruppe mit ihrer Aktion deutlich machen, die sehr bewusst die lokale Alltagssituation fokussiert.
Auch das Anne Frank Zentrum in Berlin unterstützt die Aktion, die die Gruppe dokumentieren wird. Somit ist sie möglicherweise wiederum Anstoß und Anregung für weitere Projekte gegen das Vergessen und für Toleranz.

Bild: Zentrale Öffentlichkeitsarbeit Stadt Gütersloh