Gedenken und Erinnern an Wilhelm Storost Vydunas

 Dr. Martin Dutzmann, Rima Palijanskaite (Vorsitzende der Vydunas-Gesellschaft) und Bürgermeister Rainer Heller enthüllen die Gedenktafel. Foto: Stadt Detmold

Dr. Martin Dutzmann, Rima Palijanskaite (Vorsitzende der Vydunas-Gesellschaft) und Bürgermeister Rainer Heller enthüllen die Gedenktafel. Foto: Stadt Detmold

Detmold. Mit einem feierlichen Festakt wurde jetzt im Rahmen der Detmolder Europatage zu Ehren des litauischen Nationaldichters Wilhelm Storost, genannt Vydûnas, eine Gedenktafel und eine Büste enthüllt.

Die besondere Stellung von Vydûnas in der litauischen Kultur verriet nicht nur die Liste der hochrangigen litauischen Regierungsvertreter, die zur Enthüllung nach Detmold gereist waren: unter anderem waren der stellvertretende Kulturminister Litauens, Dr. Romas Jarockis, der Leiter der Abteilung für Information und Öffentlichkeitsarbeit des Außenministeriums Litauen, Giedrius Puodžiūnas, der Kulturattache Litauens in Deutschland, Gabrielė Žaidytė und der Botschafter Litauens in Deutschland, Deividas Matulionis anwesend. Auch die nordrhein-westfälische Ministerin für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport Ute Schäfer würdigte in ihrem Grußwort beim Empfang in der Stadthalle das Wirken von Vydûnas im Sinne der Völkerverständigung. Und das Grußwort der Parlamentarischen Staatssekretärin Cornelia Pieper (Auswärtiges Amt Berlin)verlas ihr Büroleiter Jean Froehly persönlich.

Besonders bewegt zeigte sich die 30-köpfige Delegation der Vydunas-Gesellschaft aus Litauen bei der Enthüllung der Gedenktafel und Büste des litauischen Philosphen und Humanisten an der „Burse“ in der Wiesenstraße 5. Für alle Anwesenden spürbar war dies, als sie Volksweisen zu Ehren des Hüters der litauischen Kultur sangen. Für sie ging ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung. Zum ersten Mal wird Vydûnas außerhalb von Litauen mit einer Gedenktafel geehrt. Heute gilt Vydûnas (Wilhem Storost, 1868-1953) als ein früher Vordenker der europäischen Idee. In seinen essayistischen und philosophischen Werken betonte Vydûnas, dass ein Fortschritt der Menschheit nur durch ein friedliches Miteinander der Völker möglich sei.

Nach Detmold kam Vydûnas nach dem Ende des zweiten Weltkrieges. Auf der Flucht vor der Roten Armee fand er in der heutigen „Burse“ eine erste Bleibe. „Das evangelische Studentenwohnheim ist auch deshalb ein sehr passender Ort der Erinnerung, weil dort heute junge Menschen aus verschiedensten Nationen zusammenleben. Das hätte Vydûnas bestimmt sehr gefallen“, so Dr. Martin Dutzmann, Landessuperintendent der Lippischen Landeskirche, in seiner Ansprache.

Später zog Vydûnas in die Molkestraße 36. 1953 verstarb er im Alter von 85 in der lippischen Residenzstadt, bestattet wurde er auf dem Friedhof an der Blomberger Straße. Seine sterblichen Überreste wurden 1991 mit Hilfe des Kreises Lippe nach Litauen überführt. An seinem letzten Zufluchtsort, in Detmold, erinnerten sich nur noch wenige an den weißhaarigen Philosophen mit den charakteristischen Gesichtzügen. Auf Wunsch der Vydûnas-Gesellschaft Litauen wurde jetzt von der Lippischen Landeskirche und der Stadt Detmold die Gedenktafel an der „Burse“ angebracht. „Wir mussten nicht lange überlegen, der Bitte nach einer Gedenktafel nachzukommen! Es ist uns eine Ehre!“, betonte Bürgermeister Rainer Heller, während des Festaktes. Großer Dank gilt in diesem Zusammenhang aber Pastor Miroslav Danys, der sich  für das Gedenken an Vydunas sehr engagierte und die erste Initiative, die von der Deutschen Botschaft in Vilnius ausging, sofort aufgriff und weiterverfolgte. Weitere Informationen zur Person von Vydunas werden auf der Internetseite der Stadt Detmold unter www.detmold.de veröffentlicht. Ebenfalls sind dort Bilder vom Festakt und den Europatagen in Detmold zu finden.