Frauen im Feuerwehr-Fieber

Gütersloh. Jennifer Gandecki ist taff, sportlich und Lebensretterin aus Leidenschaft. Genau die richtigen Voraussetzungen, um sich im feuerwehrtechnischen Beruf durchzusetzen. Die Oberbrandmeisterin verstärkt seit gut zehn Jahren das Team der Gütersloher Feuerwehr. Ein Beruf, der längst nicht mehr nur Männersache ist.

Nichtsdestotrotz sind die weiblichen Mitarbeiter noch stark in der Unterzahl. Jennifer Gandecki ist eine der beiden Beamtinnen auf der Feuerwache in Gütersloh, die neben einer weiteren Angestellten, der Jahrespraktikantin und der Bundesfreiwilligendienstlerin derzeit die einzigen weiblichen Kolleginnen sind. „Jede Frau, die wirklich zur Feuerwehr möchte, kann das auch schaffen“, ermutigt Gandecki alle potenziellen Bewerberinnen, sich nicht von Klischees oder von Vorurteilen des typisch männlichen Feuerwehrberufs abschrecken zu lassen.

Die 38-Jährige ist selbst überzeugte Feuerwehrfrau und Rettungsassistentin: „Ich habe zehn Jahre als Arzthelferin gearbeitet. Nach einem tragischen Notfall in der Praxis stand für mich fest: Ich will eine Rettungsassistentenausbildung machen.“ Gesagt, getan. Jennifer Gandecki kündigte ihren Job und begann 2002 die Ausbildung bei der Feuerwehr Beckum, ehe sie wenige Wochen später nach Gütersloh versetzt wurde. „Ich bereue meine Entscheidung nicht einen Tag, ich würde es immer wieder machen“, sagt sie überzeugt. Mittlerweile hat sie die B 3-Prüfung, ein Gruppenführerlehrgang, abgelegt und ist als Lehr-Rettungsassistentin für die Ausbildung von angehenden Lebensrettern verantwortlich. „Jeder Tag ist anders, man übernimmt unterschiedliche Funktionen, arbeitet im Team und hilft Menschen. Das ist ein gutes Gefühl, das ich nicht mehr missen möchte.“

Doch der Alltag der Berufsfeuerwehrmänner und –frauen hat auch seine Schattenseiten: Einsätze mit Todesopfern sind prägend, Gerüche und Bilder müssen verarbeitet werden. „Besonders wir Frauen reden viel über das Erlebte. In dem Punkt sind wir eine Bereicherung für die Männer, die dann auch eher aus sich herauskommen. Wir kompensieren tragische Einsätze so gut wie möglich im Team“, verdeutlicht Gandecki.

Ansonsten übernehmen die weiblichen Kolleginnen dieselben Aufgaben, wie die Feuerwehrmänner. „Die Männer haben zwar mehr Kraft, aber wir Frauen sprühen vor Ehrgeiz“, sagt die Gütersloherin schmunzelnd, „meine Kollegin schwimmt beispielsweise allen davon, da kann keiner mithalten.“ Tägliche Sporteinheiten sind für die Feuerwehrleute unablässig. Egal, ob man in der Angriffstruppe, als Maschinist, als Drehleiterführer oder als Rettungssanitäter im Einsatz ist – körperliche Fitness ist immer gefragt. „Letztendlich sind wir nur als Team erfolgreich, jeder hat sein Spezialgebiet, da ist es egal, ob man männlich oder weiblich ist.“

Jennifer Gandeckis Feuerwehr-Fieber steckt offensichtlich an: „Das erste Wort meiner zweijährigen Tochter nach „Mama“ und „Papa“ war „tatütata““, erzählt sie stolz.

Bild: Stadt Gütersloh – Zentrale Öffentlichkeitsarbeit