Fastenzeit der Zecke zum Impfen nutzen

Zecken sind im Fasten äußerst ausdauernd. Sie können in der Winterzeit auf
eine Blutmahlzeit verzichten. Ein guter Zeitpunkt, um sich auf die nächste
Hochsaison der Krabbeltiere vorzubereiten. Denn: Wer sich jetzt gegen die
von ihnen übertragene Hirnhautentzündung FSME impfen lässt, braucht diese
bei einer Attacke in Frühjahr und Sommer nicht zu fürchten.
„Früher gab es immer eine Winterpause. Die ist jetzt nicht mehr in dieser
Form vorhanden. Es gibt auch im Winter einzelne FSME-Fälle. Wir brauchen
nur einen warmen Tag zu haben, dann sind Zecken draußen“, erklärt Prof.
Dr. Dr. Peter Kimmig von der Universität Hohenheim. Bedingt durch die
veränderten klimatischen Gegebenheiten, brechen einzelne Zecken das
Fasten. Es ist also durchaus möglich, dass man im Januar von einer Zecke
gestochen wird. „Dennoch ist der Begriff ,Zeckensaison‘ nach wie vor
angebracht“, so Kimmig, “ denn in der Winterzeit sind sehr viel weniger
Zecken aktiv – unterhalb von acht Grad Celsius gar keine.“
Wann beginnt die Zeckensaison?
Wann die Zeckensaison beginnt, hängt von der Witterung ab. Die Tendenz der
letzten Jahre: Spätestens zum Ende der christlichen Fastenzeit an Ostern
ist auch das Fasten der Zecken vorbei. „Früher war es an Ostern immer
kalt. Mittlerweile haben wir an Ostern in der Regel frühlingshafte
Temperaturen. Selbstverständlich sind die Zecken dann draußen“, erläutert
der Zeckenexperte.
Da die Zeckengefahr im Winter vergleichsweise gering ist, sollte man die
Zeit zur FSME-Vorsorge nutzen. Denn: Nach der ersten Impfung ist man nicht
sofort immun. Der saisonale Schutz setzt erst etwa zwei Wochen nach der
zweiten Teilimpfung ein, die zwischen zwei und vier Wochen nach der
ersten erfolgt. Beginnt man nach Aschermittwoch – in diesem Jahr der 13.
Februar – nicht nur mit dem Fasten, sondern auch mit der
Grundimmunisierung gegen FSME, hat man rechtzeitig zu Beginn der
Zeckensaison einen guten Impfschutz vorzuweisen.
Wer sollte sich schützen?
„Wenn eine FSME-Erkrankung eingetreten ist, haben wir keine Möglichkeit
mehr für eine ursächliche Therapie. Die Impfung ist das einzige Mittel, um
uns vor FSME zu schützen“, sagt Kimmig. Die konkrete Erkrankungsgefahr
hinge im Wesentlichen vom menschlichen Verhalten ab, meint der Experte.
Der Winter – ob warm, ob kalt – habe auf das Risiko im folgenden Frühjahr
und Sommer einen viel geringeren Einfluss. Je mehr Menschen also aufgrund
sonniger Wetterverhältnisse draußen sind, desto häufiger kommt es zu
Zeckenstichen – und damit zu Erkrankungen. Und weiter: „Es kommt bei der
FSME zwar selten zu Todesfällen, aber das tröstet wenig, wenn man
Lähmungen zurückbehält. Und die Impfempfehlung ist ganz klar: Wer in
Süddeutschland wohnt oder hier für längere Zeit zu Besuch ist und sich
regelmäßig in Feld, Wald und Flur aufhält, der sollte sich impfen
lassen.“
Der große Vorteil von Geimpften: Sie können beruhigter durch Wald und
Wiesen streifen und sich hinsichtlich einer FSME-Erkrankung geschützt
fühlen, wenn sie eine Zecke an sich bemerken. „Eine FSME-Virusinfektion
kann ihnen nicht drohen. Das einzige, was man dann noch bekommen kann, ist
eine Borreliose, die sicherlich nicht auf die leichte Schulter zu nehmen
ist. Nur die kann man antibiotisch behandeln, die FSME nicht“, so Kimmig.
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So trotzt die Zecke dem Winter

Die Zecke ist seit rund 350 Millionen Jahren eine wahre Lebenskünstlerin.
Vor rund 65 Millionen Jahren starben die Dinosaurier aus – doch die Zecke
hat das Massenaussterben während der Kreide-Tertiär-Zeit unbeschadet
überlebt. Ihr Geheimtipp? Ihre Zähigkeit. Die Zecke ist im Verlaufe der
vergangenen Jahrtausende ihren cleveren und gut bewährten
Überlebensstrategien treu geblieben. So macht ihr auch so manch frostiger
Winter kaum etwas aus. Sie hält Temperaturen bis weit unter den
Gefrierpunkt gut aus. Doch weshalb? Und was macht die Zecke eigentlich im
Winter? Die in Deutschland heimische Zecke, der gemeine Holzbock Ixodes
ricinus, bleibt, wenn der Winter mild verläuft, auch während dieser
Jahreszeit aktiv. Er erklimmt abgestorbene Grashalme und hält Ausschau
nach dem nächsten Jogger, Wanderer oder Spaziergänger, um abgestreift zu
werden und ihre Blutmahlzeit einzunehmen.
Kein „Hunger“ dank Winterstarre
Sinken jedoch die Temperaturen unter acht Grad Celsius, wird es auch der
Zecke etwas zu kühl. Dann verfällt sie, auf dem Waldboden unter feuchtem
Laub gut versteckt, in eine Art „Winterstarre“. Dabei gilt es: Den
Energieverbrauch möglichst gering halten, denn die nächste Blutmahlzeit
wird wohl eine Weile auf sich warten lassen und einiges an Energie
abverlangen. Doch die Zecke ist auch eine wahre Hungerkünstlerin – sie
kann mehrere Monate „fasten“ und in ihrer Winterstarre der klirrenden
Winterkälte die Stirn bieten. So schützt sich die Zecke, während wir
unsere dicken Wintermäntel, Schals und Mützen auspacken, bei frostigen
Temperaturen einfach unter ihrer Laub- oder sogar unter einer Schneedecke
vor eisigem Frost. Im Winter ist die Gefahr für Menschen niedriger, sich
mit einer der gefürchteten Zeckenkrankheiten – Borreliose und FSME – zu
infizieren. Somit der beste Zeitpunkt, um mit dem Impfschutz gegen FSME zu
beginnen oder diesen aufzufrischen.
Infizierte Zecken sind resistenter
Im so genannten „Mikroklima“ – in Bodennähe und einem kleinen, festgelegten
Bereich – herrscht nicht nur eine hohe Luftfeuchtigkeit, wie es die Zecke
liebt, sondern Laub- und Schneedecke isolieren auch vor frostiger Kälte.
Denn: Die Temperatur unter einer dicken, geschlossenen Schneedecke oder
unter dem Laub unterscheidet sich mehr oder weniger deutlich von
derjenigen der Luft. So kann über einer Schneedecke der Frost wüten,
während darunter gerade mal Temperaturen um den Gefrierpunkt herrschen.
Das hält die Zecke gut aus. Besonders interessant: Zecken, die mit
Krankheitserregern wie Borreliose-Bakterien infiziert sind, sind
gegenüber Winterfrost und Trockenheit sogar noch resistenter als ohnehin
schon. Dies hat eine Schweizer Studie gezeigt.

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Wie aktiv Zecken in Deutschland gerade sind, zeigt die Zeckenwetter-Karte
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inhaltliche Gestaltung sind an die mobile Ansicht angepasst. Auf der
Startseite findet sich die zwei- bis dreimal wöchentlich aktualisierte
Prognosekarte für Deutschland. Verschiedene Farben zeigen die regionale
Aktivität der kleinen Krankheitsüberträger an – von grün für gering bis
tiefrot für sehr hoch. Wer seine Postleitzahl eingibt, bekommt eine
Vorhersage für seinen Aufenthaltsort. Die Prognosen basieren auf der
beobachteten Aktivität von Zecken an verschiedenen Standorten in
Deutschland sowie auf Wetterdaten.
Zudem gibt es diverse Tipps („Was tun nach Zeckenstich?“) und Zeckenarten
werden vorgestellt. Auch die durch Zeckenstiche übertragenen Krankheiten
Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) und Lyme-Borreliose werden kurz
beschrieben. Mit der leicht bedienbaren App will das Berliner Unternehmen
„Tick-Radar GmbH“ über einheimische Zecken, ihre Aktivität und die mit
Zeckenstichen einhergehenden Risiken informieren. Die App steht für
iPhone, iPod touch und iPad zum kostenlosen Download bereit.