Europa-Begeisterung durch Vernetzung

Feierstunde zum Europatag: Jürgen Jentsch (von rechts), Kreisvorsitzender der Europa Union Gütersloh, und Bürgermeisterin Maria Unger begrüßten den Festredner Dr. Rainer Wend in der Kirchstraße 21. Foto: Stadt Gütersloh

Feierstunde zum Europatag: Jürgen Jentsch (von rechts), Kreisvorsitzender der Europa Union Gütersloh, und Bürgermeisterin Maria Unger begrüßten den Festredner Dr. Rainer Wend in der Kirchstraße 21. Foto: Stadt Gütersloh

Gütersloh (gpr). Europäische Anlässe zum Feiern gibt es in diesen Tagen viele: Am 5. Mai 1949 wurde die Satzung des Europarats unterzeichnet, am 9. Mai 1950 die bekannte Schuman-Erklärung und schließlich ist auch die Befreiung vom Nationalsozialismus am 8. Mai 1945 ein Meilenstein der Zeitgeschichte. Alle Ereignisse haben ihre große Bedeutung für Europa. Gemeinsam luden auch in diesem Jahr wieder die Stadt Gütersloh und der Kreisverband der Europa Union Gütersloh am Montagabend zur Feierstunde anlässlich des Europatages ein. Gastredner Dr. Rainer Wend verdeutlichte in der gut besuchten Veranstaltung im Haus Kirchstraße 21, warum Europa von Bedeutung ist – für jeden Einzelnen.

„Ohne Europa hätte Deutschland keine Chance“, appellierte der Kreisvorsitzende der Europa Union Gütersloh Jürgen Jentsch zuvor in seiner Begrüßungsrede. „Wir stehen in der Pflicht, immer wieder über dieses Europa aufzuklären.“ Obwohl vielen Bürgern die EU so fern erscheine, begegne sie ihnen dennoch täglich: Die einheitliche länderübergreifende Währung, die offenen Grenzen oder die Möglichkeit ohne große bürokratische Hürden in der EU zu Arbeiten und zu Studieren, seien nur einige der Vorteile Europas. Auch Gütersloh ist vielseitig vernetzt: „Für unsere Bewerbung um den Titel ‚Europaaktive Kommune’ – mit dem die Stadt Gütersloh im April ausgezeichnet wurde – haben wir einmal mehr all die Aktivitäten zusammengetragen, die in unserer Stadt unter der Flagge Europa laufen“, so Bürgermeisterin Maria Unger, „von der Europaschule über die Pflege der Städtepartnerschaften, vom Europäischen Gartennetzwerk bis hin zur Europa-Website begegnete uns eine Themenfülle, über die wir selbst noch einmal überrascht waren. Sie zeigt, dass Europa alles andere ist als ein abstraktes Gebilde.“

Unter dem Titel „Europäische Bewegung: Bindeglied zwischen Politik und Zivilgesellschaft“ zeigte Festredner Dr. Rainer Wend, gebürtig aus Gütersloh, die Bedeutung von Informationsfluss und Vernetzung in Europa-Fragen auf. Die Beschäftigung damit spielte in seiner beruflichen Laufbahn immer eine wichtige Rolle –  ob als ehemaliger Bundestagsabgeordneter (1998 bis 2009) oder als derzeitiger Leiter des Zentralbereichs Politik und Regulierungsmanagement der Deutschen Post. In seiner Funktion als Präsident der Europäischen Bewegung Deutschlands (EBD) verdeutlichte Dr. Wend am Montagabend die zentrale Rolle eines guten Netzwerks: „Unsere 231 Mitglieder der EBD sind keine Einzelpersonen, sondern Organisationen. Sie repräsentieren einen Querschnitt der deutschen Gesellschaft – das reicht vom ADAC bis zum Zentralkomitee der Deutschen Katholiken, von der Bertelsmann Stiftung bis zum Zentralverband des Deutschen Handwerks. Es umfasst Gewerkschaften, Parteien, Verbände und Unternehmen.“ Gegründet wurde die EBD im Jahr 1949. Mittlerweile ist es das größte Europanetzwerk des Landes, nimmt Einfluss auf politische Entwicklungen und stellt Weichen in der EU. Sie arbeitet mit der Europäischen Kommission, der Europa-Union und mit den Mitgliedern des Europäischen Parlaments zusammen – kurz gesagt: Sie stellt eine Plattform für europapolitische Informationen aus erster Hand dar. Oder in Dr. Wends Worten: „Die EBD ist eine Kontaktbörse, die Europa-Versierte zusammenbringt.“

Der Festredner sprach im Haus der Begegnung in der Kirchstraße 21 auch Probleme an, mit denen sich die EU in Zeiten der Krise auseinandersetzen muss. „Die Jugendarbeitslosigkeit in Europa ist ein wichtiges Thema. Wir müssen den jungen Leuten wirtschaftlich eine Perspektive geben, es muss Arbeit für sie geschaffen werden.“ Spontaner Beifall der gut 60 Zuhörer bekräftigte die Aussage von Dr. Wend. Wenn es gelinge den Bürgern zu erklären, warum eine tiefe und europäische Integration Sinn mache, dann bestehe die reelle Chance, dem Friedensprojekt EU eine moderne und überzeugende Begründung zu geben.

Überzeugen konnte Dr. Wend offensichtlich die Gäste der Feierstunde: Vertreter aus  Migrantenkreisen, dem Ältestenrat, der Politik und zahlreiche weitere Gäste applaudierten dem Mann mit Gütersloher Wurzeln, der „mitten in Europa steckt“, zu und suchten im Anschluss das Gespräch. „Vernetzung und die Pflege von Netzwerken ist ein Baustein, um das Gebilde Europa in seinen Möglichkeiten erfassbar zu machen“, gab Bürgermeisterin Maria Unger einen Ausblick. In Gütersloh soll der Gedanke Europa auch in Zukunft weiterentwickelt und ausgebaut werden.