EU-Projekt bringt heimische Moore in Form

Detmold. Kalt, nass und sauer – was ungemütlich klingt, ist für manche Art genau das Richtige. Moore bieten diese besonderen Bedingungen. Das macht sie zur Heimat vieler faszinierender Pflanzen und Tiere. Doch Moore sind bedroht. Viele öffentliche Projekte kümmern sich deshalb um den Schutz dieser Lebensräume. So auch das LIFE-Projekt „EggeMoore“ bei Lichtenau im Kreis Paderborn. Eine kleine Ausstellung bei der Bezirksregierung in Detmold zeigt nun, wie sich die Projektmitarbeiter für den Erhalt dieser speziellen Naturräume einsetzen.

Umweltabteilungsleiter Lutz Kunz von der Bezirksregierung Detmold (links) und Peter Rüther, Leiter der Biologischen Station Kreis Paderborn, eröffnen die Ausstellung zum LIFE-Projekt „EggeMoore – Biologische Vielfalt im südlichen Eggegebirge“ im Foyer der Bezirksregierung in Detmold.

Umweltabteilungsleiter Lutz Kunz von der Bezirksregierung Detmold (links) und Peter Rüther, Leiter der Biologischen Station Kreis Paderborn, eröffnen die Ausstellung zum LIFE-Projekt „EggeMoore – Biologische Vielfalt im südlichen Eggegebirge“ im Foyer der Bezirksregierung in Detmold.

Nur drei Prozent der weltweiten Fläche sind von Mooren bedeckt. Die jedoch haben es in sich: Sie speichern genauso viel Kohlenstoffdioxid, wie die gesamte Waldbiomasse der Erde. Dabei sind Moore alles andere als lebensfreundlich: sauer wie Orangensaft, fast frei von Nährstoffen, kaum Sauerstoff, dauerhaft kalt und vor allem nass. Nur die Spezialisten unter den Pflanzen richten sich dort ein: allen voran Moose und Gräser, aber auch die spektakulären „fleischfressenden“ Pflanzen, wie der rundblättrige Sonnentau. Auch seltene Vögel schätzen diese spezielle Umgebung. So sind in Mooren Schwarzkehlchen, Wiesenpieper oder verschiedene Raubwürger zu finden.

In Ostwestfalen-Lippe gibt es nur noch wenige Flächen, die den Lebensraum Moore repräsentieren. Die größten liegen dabei im Kreis Minden-Lübbecke. „Im ‚Oppenweher Moor‘ und ‚Großen Torfmoor‘ umfassen die noch renaturierungsfähigen Flächen etwa 1.100 Hektar“, erläutert Brigitte Bremer von der Bezirksregierung. Doch fast alle durchliefen dasselbe Schicksal. „Sie wurden entwässert, der Torf wurde abgebaut, und man hat Äcker oder Wälder angelegt“, sagt Bremer.

Einmal trockengefallen, ist ein Moor kaum wiederzubeleben. Umso wichtiger sei es, die restlichen Flächen zu erhalten – selbst wenn sie schon als degeneriert bezeichnet werden müssen, sagt Bremer. Das LIFE-Projekt „EggeMoore“ setzt genau da an. Es arbeitet dafür, die FFH-Gebiete „Eselsbett und Schwarzes Bruch“ sowie kleine Moorschlenken im „Sauerbachtal“ bei Lichtenau auf etwa 200 Hektar als funktionierendes Ökosystem zu entwickeln. Und dazu gehören auch der Charakter einer offenen Landschaft sowie der typische Wasserhaushalt mit anhaltender Staunässe.

Diese Aufgaben übernehmen die Mitarbeiter der „Biologischen Station Kreis Paderborn – Senne“. An ihrer Seite stehen die Forstleute von Wald und Holz NRW. Gefördert wird das Projekt von Europäischer Union und dem Land NRW. Umfang: 1,86 Millionen Euro, bewilligt von der Bezirksregierung Detmold.

„Die Voraussetzungen für das Projekt waren gut“, erklärt Peter Rüther, Leiter der Biologischen Station. „Die Arbeit war trotzdem sehr hart.“ Auf 4000 Quadratmetern im „Eselsbett“ wurden Weiden ausgebaggert und mit einem Rückezug aus dem Moor geschafft. Ganze Erddämme wurden angelegt und verdichtet. Sie halten das Wasser künftig in der Fläche. Dazu kommt eine Reihe kleiner Schleusen, die den Wasserhaushalt steuern. Mehr noch: „Im angrenzenden Gebiet ‚Schwarzes Bruch‘ haben wir zusammen mit dem ‚Bergwaldprojekt‘ die alten Entwässerungskanäle angestaut“, sagt Rüther. Auch die umgebenden Feuchtheiden wurden regeneriert. Und schließlich fällten die Projektmitarbeiter des Regionalforstamtes Hochstift Bäume: sowohl im Eselsbett als auch im Schwarzen Bruch.

Noch vor der Praxis kam die Theorie. Ein Netz an Messstationen liefert Daten zu Wasserständen und Fließrichtung. Daraus entstand ein hydrogeologisches Gutachten. Peter Rüther: „Die Kenntnis der Hydrologie ist eine wichtige Voraussetzung für den erfolgreichen Schutz und die Entwicklung der Moore – nicht zuletzt um die Wirksamkeit unserer Arbeit zu beurteilen.“ Und auch für alles oberhalb der Grasnarbe erstellten die Fachleute einen Plan. Der so genannte Management- und Biotopverbundplan beschreibt, wo etwas wächst, läuft oder flattert. Er dient als Richtschnur für alle Maßnahmen, die das Moor erhalten sollen.

Seit Juli 2013 läuft das Projekt, bis Ende 2019 gibt es öffentliche Mittel. Umweltabteilungsleiter Lutz Kunz von der Bezirksregierung bezeichnet es als vorbildlich und wertvoll: „Alle Beteiligten am LIFE-Projekt ‚EggeMoore‘ leisten einen sehr wichtigen Beitrag. Sie erhalten ein faszinierendes und wichtiges Ökosystem, das nicht zuletzt auch für den Klimaschutz enorm wichtig ist. Damit helfen sie, die Lebensgrundlage für uns alle zu erhalten.“

Die Ausstellung „EggeMoore – Biologische Vielfalt im südlichen Eggegebirge“ ist von Freitag, 7. Dezember, bis zum 18. Januar 2019 im Foyer der Bezirksregierung Detmold, Leopoldstraße 15, montags bis freitags zwischen 8 und 16 Uhr zu sehen.

Heilpraktiker Stiv Dudkin