Erhöhtes Schlaganfallrisiko bei Herzpatienten

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Fachaustausch in der „Neuen Schmiede“ in Bethel: Bielefelder Experten aus der Kardiologie und Neurologie stellten innovative Verfahren zur Schlaganfallprophylaxe und -therapie vor: (v. l., hintere Reihe), Dr. Denio Ridjab, Dr. Christoph Hagemeister, Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Schäbitz, Dr. Ludger Obergassel , (v. l., vordere Reihe) Dr. Christian Oelschläger, Dr. Johannes C. Manegold, Dr. Julia Buddecke, Dr. Barbara Lamp, Dr. Wladimir N. Tschishow, Priv.-Doz. Dr. Carsten W. Israel.

Bielefeld-Bethel. „Das Herz ist der Übeltäter, das Hirn muss es dann ausbaden!“ Der Betheler Kardiologe Privatdozent Dr. Carsten W. Israel bringt es auf den Punkt: Erkrankungen zwischen Herz und Hirn sind eng miteinander verbunden. Wie das Schlaganfallrisiko bei Patienten mit Vorhofflimmern gesenkt werden kann, war jetzt das zentrale Thema beim Fachsymposium „Herz und Hirn“ des Ev. Krankenhauses Bielefeld in Bethel. Mehr als 100 Fachärztinnen und Fachärzte aus Westfalen nahmen teil.
Beim Vorhofflimmern bewegt sich das Blut im Vorhof nicht normal. Insbesondere im linken Vorhofohr, einem Anhängsel an der Oberseite des linken Herzens, können sich dabei Blutgerinnsel bilden, die sich losreißen und vom Herzen in die Hirnarterien gepumpt werden. Dort verschließen sie ein Gefäß und lösen durch die Mangeldurchblutung einen Hirninfarkt, also einen Schlaganfall, aus. Verhindert werden kann der Schlaganfall, wenn das Vorhofflimmern rechtzeitig erkannt und behandelt wird.
„Patienten mit Vorhofflimmern haben ein bis zu 20-prozentiges Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden. Gleichzeitig werden bis zu 30 Prozent aller Schlaganfälle, vielleicht sogar noch mehr, durch ein Gerinnsel aus dem Herzen verursacht“. weiß Dr. Israel. „Das Risiko nimmt zu, wenn Erkrankungen wie ein Diabetes mellitus oder Bluthochdruck bestehen.“
Für die optimale Behandlung der Patienten ist es wichtig, dass Kardiologen und Neurologen eng zusammenarbeiten. „Wir möchten durch den wissenschaftlichen Austausch die Zusammenarbeit zwischen Kardiologen und Neurologen weiter miteinander vernetzen“, betonen die Veranstalter des Symposiums – PD Dr. Israel und der Betheler Neurologie-Chef Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Schäbitz. In ihren Kliniken setzen sie seit Anfang des Jahres mit Erfolg zwei neue Behandlungstechniken ein, um Schlaganfälle zu reduzieren.
In der Kardiologie werden „Schirmchen“ über einen Katheter durch die Leiste in das linke Vorhofohr am Herzen eingebracht, aufgespannt und befestigt. Sie verschließen das Vorhofohr wie ein Stöpsel und verhindern dadurch einen Schlaganfall. Seit April wurden im Ev. Krankenhaus Bielefeld bereits 16 solcher Schirmchen implantiert.

Das zweite Verfahren ist die sogenannte Thrombektomie. Um ein Gerinnsel zu entfernen, wird im Ev. Krankenhaus Bielefeld ein neuartiger Stent genutzt: Das Drahtgeflecht wird in einem Katheter durch die Arterie bis zur verstopften Stelle im Gehirn geschoben und kann dort das Gerinnsel greifen. Anschließend wird es mit dem Katheter zurückgezogen. Schlaganfälle, die durch Blutgerinnsel ausgelöst würden, gehörten zu den schwerwiegendsten, erläutert Prof. Schäbitz. Sie verschließen einen der drei wichtigsten Versorgungswege des Gehirns, was häufig Lähmungen und Sprachstörungen sowie Depressionen zur Folge hat. „Die Thrombektomie findet insbesondere dann Anwendung, wenn das Gerinnsel eine besonders längliche Form hat“, so Prof. Dr. Schäbitz. „Dann nämlich funktioniert das übliche medikamentöse Verfahren, die Lyse, nicht schnell genug. Die soll eine Auflösung des Gerinnsels bewirken, das Medikament kann über die Blutbahnen allerdings nur dessen Enden erreichen und dort Wirkung zeigen.“
Das Symposium fand unter der Schirmherrschaft der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie statt. Die Fachveranstaltung „Herz und Hirn“ gibt es alle zwei Jahre am Ev. Krankenhaus Bielefeld.

 Foto: Bethel