Ein „gewaltiges Unternehmen“: Wagners „Ring“ in Minden

Buehnenbild2Minden. Im „Angesicht“ der Büste von Richard Wagner konnte am 27. April im Foyer des Stadttheaters die Vorsitzende des Richard Wagner-Verbandes Minden, Dr. Jutta Hering-Winkler, das Wagner-Großereignis in Minden einläuten: „Der Ring der Nibelungen“, das größte Theaterwerk der westlichen Welt, wird ab Herbst 2015 in der Weserstadt gespielt. Den Auftakt macht „Das Rheingold“ mit der Premiere am 9. September 2015. Es folgen die „Walküre“ im kommenden Jahr, „Siegfried“ 2017 und die „Götterdämmerung“ 2018 – jeweils im Herbst zum Auftakt der Theatersaison. „Der gesamte Zyklus kommt im Jahr 2019 auf die Mindener Bühne“, kündigte Jutta Hering-Winkler an.

Wie bereits die eigenproduzierten Opern „Der fliegende Holländer“ (2002), „Tannhäuser“ (2005), „Lohengrin“ (2009) sowie „Tristan und Isolde“ (2012) ist auch der gesamte „Ring“ ein Gemeinschaftsprojekt vom Richard Wagner-Verband Minden, der Nordwestdeutschen Philharmonie (NWD) und des Stadttheaters Minden. Regisseur Gerd Heinz (Zürich) bezeichnete die Produktion in der Pressekonferenz am vergangenen Montag „als ein gewaltiges Unternehmen“. Das Orchester – abgetrennt durch einen Gaze-Vorhang – sowie die Künstler/innen spielen und singen auf einer räumlich eingeschränkten Bühne, was Gerd Heinz als „vorliegende Zwänge“, aber eben auch als große Chance sieht. Wesentliche Elemente des Theaters kämen bei dieser Produktion in Minden zum Tragen. Die szenischen Elemente konzentrierten sich auf einem „Nudelbrett“, wie er die Vorbühne nennt.

Regisseur Heinz und Bühnenbildner Frank Philipp Schlößmann stellten auch das zunächst verhüllte Bühnenbild-Modell vor. Der Auftrag geht an einen Handwerker aus der Region (Warmsen). Alle vier Stücke des „Rings“ werden in diesem Grund-Rahmen gespielt. Dominierend hier die Farbe dunkelrot, zwei Rahmen, eine Wendeltreppe und ein großer Ring im Vordergrund, der farblich unterschiedlich in Szene gesetzt werden kann. Bewegte Bilder sollen die Dramaturgie des Bühnenbildes und einzelner Szenen unterstützen, erläutert Videokünstler Matthias Lippert, der auch schon im Festspielhaus in Bayreuth an Inszenierungen mitgewirkt hat.

Der „Ring“ habe eine enorme Aktualität, so Regisseur Gerd Heinz. Denn: Es geht um die Menschheitsgeschichte – erzählt in vier Teilen, beginnend in der grauen Vorzeit (Rheingold), fortgesetzt im Mittelalter (Walküre), in der Neuzeit (Siegfried) und schließlich im „Jetzt“ (Götterdämmerung) spielend. „Der Ring der Nibelungen“ sei nicht für Minden, sondern auch für die gesamte Region eine Premiere, hebt Theaterleiterin Andrea Krauledat hervor. Im Lippischen Detmold wurde dieser schon einmal gespielt. „Aber für Minden ist dieses ein kulturelles Großereignis mit überregionaler Bedeutung“, wie Krauledat betont.

Hochkarätige Sängerinnen und Sänger konnten für „Das Rheingold“ verpflichtet werden, berichtete Frank Beermann, musikalischer Leiter der NWD, per Telefonkonferenz. Rund 100 Bewerbungen seien in den vergangenen Monaten, bei ihm, beim Wagner-Verband und im Stadttheater eingegangen. Viele Künstler haben schon auf den großen Bühnen gesungen. Das internationale Ensemble und das Orchester beginnen am 27. Juli mit ersten szenischen Proben, Premiere ist am Mittwoch, 9. September. Für diese werde es im freiem Verkauf keine Karten geben, so Dr. Jutta Hering-Winkler. Diese Vorstellung sei reserviert für Sponsoren, Ehrengäste und Mitglieder der Wagner-Verbände.

Weitere Aufführungen gibt es am 11., 13. (Abo C), 15., 18. (Abo E), 20. und 22. September im Stadttheater, das über insgesamt 528 Plätze verfügt. Sowohl Jutta Hering-Winkler als auch Andrea Krauledat gehen davon aus, dass alle Vorstellungen ausverkauft sein werden, die Schulvorstellung ist es durch die eingegangenen Reservierungen schon jetzt. Somit haben knapp 3.700 Zuschauer/innen die Möglichkeit, den ersten Teil des „Ringes“ zu verfolgen. Der Vorverkauf für die Vorstellungen im freien Verkauf (ausgenommen Premieren und Abo-Veranstaltungen) beginnt am 1. Mai (u.a. bei Express Ticketservice, Obermarktmarktstraße).

In die Wagner-Oper „Rheingold“ führen vier Veranstaltungen im Vorfeld ein. So wird es am 30. Mai um 19.30 Uhr im Stadttheater eine Einführungsveranstaltung mit dem Musikwissenschaftler Stefan Mickisch am Flügel geben. Udo Stefan Köhne hält am 18. Juni ab 19.30 Uhr im Preußen-Museum einen Vortrag unter dem Titel „werktreu-willkürlich-wahnfriedhaft“, die Interpretationsgeschichte von „Das Rheingold“. Martin Guth stellt seinen Vortrag am 20. August ab 19.30 Uhr im Preußen-Museum unter das Thema „Der Fluch des Rings“ – Wagner und die Finanzkrise. Einen Gang durch die Inszenierungsgeschichte vom „Rheingold“ unternimmt Prof. Dr. Hans-Joachim Wagner am 2. September ab 19.30 Uhr im Preußen-Museum. Der Titel dieser Veranstaltung: „Die Bühne ist das Auge“.

Foto: Bühnenbild, (c) Der Veranstalter