Die Stadt Bünde erklärt den 30. November 2012 zum Tag gegen die Todesstrafe.

Bünde. Der 30. November wurde für den Aktionstag gewählt, weil an diesem Tag im Jahr 1786 das Großherzogtum Toskana als erster Staat der Welt Folter und Todesstrafe für abgeschafft erklärte.

Die Stadt Bünde unterstützt die Initiative der Gemeinschaft Sant’Egidio „Städte für das Leben – Städte gegen die Todesstrafe. In seinem Beschluss vom 13. November 2012 stimmt der Rat dem von der Gemeinschaft Sant’Egidio ins Leben gerufenen Appell für eine weltweite Aussetzung der Vollstreckung der Todesstrafe zu.

Am 30. November 2012 findet auf Initiative der Gemeinschaft Sant’Egidio wieder der internationale Aktionstag „Cities for life“ gegen die Todesstrafe statt. In diesem Jahr besteht diese Kampagne genau zehn Jahre, seitdem sie 2002 ins Leben gerufen wurde.

Mittlerweile ist die Zahl der beteiligten Städte auf fast 1.500 in 87 Ländern gestiegen. Auch 67 Hauptstädte haben sich der Aktion angeschlossen. In vielen größeren und kleineren Städten wird an diesem Tag ein charakteristisches Gebäude besonders angestrahlt: in Rom das Kolosseum, in Brüssel das Atomium, in Berlin der Rathausturm, in Würzburg die Festung oder in Nürnberg die Straße der Menschenrechte. Andere Städte führen besondere Aktionen durch, so wird in Leipzig 5 Minuten vor jeder vollen Stunde die Glocke im Carl-Goerdeler-Denkmal geläutet, es finden Dichterlesungen oder Konferenzen zum Thema Todesstrafe statt. Mit diesen Gesten und Veranstaltungen soll der Protest gegen die Unmenschlichkeit der Todesstrafe zum Ausdruck gebracht werden. In Deutschland ist die Zahl der beteiligten Städte in diesem Jahr auf 147 angestiegen (z.B. Berlin, Hamburg, Stuttgart, Mönchengladbach, Schwerin, Bremen, Weimar, Bielefeld, Konstanz und zahlreiche kleinere Städte wie Winnenden, das vor einigen Jahren beim Amoklauf in der Schule eine schreckliche Tragödie erlebte).

Im Dezember 2007 hat die Generalversammlung der Vereinten Nationen zum ersten Mal in der Geschichte mit großer Mehrheit eine Resolution für ein universales Moratorium der Todesstrafe verabschiedet. Im Dezember 2010 wurde an gleicher Stelle mit 109 Ja-Stimmen (zwei mehr als 2009) zum dritten Mal eine solche Resolution mit dem Ziel einer vollkommenen Abschaffung der Todesstrafe verabschiedet. In diesen Wochen ist eine weitere Abstimmung über diese Resolution vorgesehen.

Die Kampagne konnte in diesem Jahr weitere Fortschritte verzeichnen: In den Vereinigten Staaten ist festzustellen, dass mit Illinois im Jahr 2011 und mit Connecticut im April 2012 mittlerweile 17 Staaten die Todesstrafe abgeschafft haben. In den vergangenen fünf Jahren haben somit fünf Staaten der USA diese Strafe abgeschafft. In Asien hat das Parlament der Mongolei am 5. Januar 2012 das Zweite Fakultativprotokoll zum Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte unterzeichnet, und ist somit für das Land vor den Vereinten Nationen und der internationalen Gemeinschaft die Verpflichtung eingegangen, die Todesstrafe nicht mehr anzuwenden. Dasselbe hat in Afrika Benin im Juli 2012 getan.

Der tunesische Ministerrat hatte am 4. Februar 2011 eine Reihe internationaler Konventionen und Protokolle verabschiedet und damit die Abschaffung der Todesstrafe eingeleitet, was ein wichtiges Signal in der arabischen Welt im Zusammenhang mit den Aufbruchsbewegungen in dieser Region darstellt.

Mittlerweile haben 140 Staaten der Erde die Todesstrafe ganz abgeschafft oder wenden sie de facto nicht mehr an, nur eine Minderheit von 58 Staaten übt diese Praxis noch aus. In den vergangenen 14 Jahren, seit die Gemeinschaft Sant’Egidio eine besondere Kampagne mit einem Appell für ein weltweites Moratorium durchführt, hat sich das Zahlenverhältnis zwischen den Ländern mit und ohne Todesstrafe umgekehrt. Auf globaler Ebene erscheint die Tendenz zur Abschaffung der Todesstrafe mittlerweile unumkehrbar. Trotzdem gibt es noch besorgniserregende Tendenzen, wie z. B. die Hinrichtung von Jugendlichen in einigen Ländern. Daher sind Engagement und Aufmerksamkeit gegenüber diesem Thema weiterhin weltweit gefordert und auch diese aktuelle Kampagne von großer Bedeutung, um die öffentliche Meinung für dieses Thema zu sensibilisieren.

Die Gemeinschaft Sant’Egidio ist eine christliche Laienbewegung mit über 60.000 Mitgliedern in 70 Ländern der Welt, die sich für Frieden und Gerechtigkeit einsetzt. Sie engagiert sich unter Beteiligung zahlreicher Organisationen im Kampf gegen die Todesstrafe und hat die Aktion „Cities for life – Städte für das Leben“ gegründet. Der 30. November wurde für den Aktionstag gewählt, weil an diesem Tag im Jahr 1786 das Großherzogtum Toskana als erster Staat der Welt Folter und Todesstrafe für abgeschafft erklärte. Für die 1998 initiierte Unterschriftenkampagne für ein Moratorium der Todesstrafe hat die Gemeinschaft Sant’Egidio bisher ca. 5,5 Millionen Unterschriften gesammelt. Am 2. November 2007 wurde ein erster Teil der Unterschriften dem Präsidenten der UNO-Vollversammlung, Srgiam Kerim, übergeben. Außerdem pflegen Mitglieder von Sant’Egidio weltweit Hunderte von persönlichen Brieffreundschaften mit Todeskandidaten und unterstützen viele im persönlichen Einsatz.

Weitere Informationen finden Sie im Internet unter http://nodeathpenalty.santegidio.org/en.aspx