Die Akte Personal – Warum sich die Personalwirtschaft jetzt neu erfinden sollte

Gütersloh. „Personal kann jeder!“ Entgegen dieser weit verbreiteten Meinung verfü­gen Unternehmen oft über ausgefeilte Human-Resources-Konzepte, durch die sie sich strategi­sche Wettbewerbsvorteile erhoffen. Trotzdem ist die Klage über eine schwindende unternehmensstrate­gische Bedeutung der Personalwirtschaft überall zu hören. Vom Personalvor­stand eines DAX-Konzerns ebenso wie vom engagierten Personalreferenten eines mittelständi­schen Unternehmens.

Das führt zu der Frage: Brauchen Betriebe für eine gute Personalarbeit heutzutage eigentlich noch eine eigene Abteilung? Ja, aber mit einem anderen Rollenverständnis und Auftrag als bisher, mei­nen die drei Autoren des Buches „Akte Personal“ Martin Spilker, Heiko Roehl und Detlef Hollmann. Sie plädieren dafür, dass sich die Personalwirtschaft deshalb neu erfinden sollte. Denn einerseits sinkt ihre strategische Bedeutung in vielen Unternehmen stetig, während der „Faktor Mensch“ anderer­seits in unserer global agierenden Wissensgesellschaft zum entscheidenden Wettbewerbsvor­teil wird.

Das Buch will diesen fundamentalen Widerspruch aufklären und die prekäre Situation verdeutli­chen, in der sich die Personalwirtschaft gegenwärtig befindet. Die Autoren identifizieren zunächst aus ihrer Sicht fünf zentrale Schwachpunkte der Personalabteilungen: mangelnde Kommunikation, stockende Kooperation, sowie geringe Konfliktfähigkeit, Kreativität und Kritikfähigkeit. Auf ihrer Reise durch viele Unternehmen und nach zahlreichen Gesprächen stoßen sie auf ernsthafte Veränderer ebenso wie auf Wellness-Oasen und auf so manchen Personalmanager, der als Show­star agiert. Ihr Resümee: Zukunftsfähigkeit sieht anders aus. Als Konsequenz fordern sie ein radika­les Umdenken.

Aber nicht nur die Personaler müssen sich ändern, sondern auch das System, in dem sie arbeiten. Ihre Arbeit sollte enger an die Geschäftsbereiche und Stäbe rücken. Sie dürfen sich nicht länger als eine reine Dienstleistungsfunktion verstehen sondern müssen aus der Gesamtperspektive des Unternehmens handeln.

Dranbleiben bedeutet für Personaler immer wieder „out of the box“ zu handeln. Der Blick fürs Wesentliche soll klar bleiben. Dann kann auch der Anspruch auf die Mitverantwortung an der Unternehmenssteuerung eingelöst werden, wenn Personaler beispielsweise ein Veto einlegen, um zu verhindern, dass Personalentscheidungen einzelner Seilschaften im Unternehmen der Gesamtstrategie entgegenlaufen.

Die „Akte Personal“ will, obwohl sie Spektakuläres und Verheimlichtes in den Führungsetagen auf­deckt, kein Anti-Personaler-Buch sein. Im Gegenteil: Das Buch positioniert die Personalfunktion der Zukunft dort, wo sie in der Wissensgesellschaft hingehört: In eine unternehmensstrategische Vorreiterrolle. Sie will den Leser ermutigen, sich von Standardkonzepten und -modellen zu verabschie­den und wirklich initiativ zu handeln.