Deutsche aus Russland – Geschichte und Gegenwart

Bielefeld (bi). „Wurzeln schlagen und die Gesellschaft stärken“, das ist der Leitgedanke der Ausstellung „Deutsche aus Russland – Geschichte und Gegenwart“, die vom 7. bis zum 28. April im Erdgeschoss der Stadtbibliothek, Neumarkt 1, präsentiert wird.
Die Wanderausstellung der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland mit Sitz in Stuttgart in Kooperation mit dem Amt für Integration wird am Montag, 7. April, um 18.30 Uhr im Rahmen eines Abends der Begegnung von Bürgermeister Detlef Helling eröffnet. Die Ausstellung zeigt mit Vorträgen, Schaubildern, Filmen und Tafeln das wechselvolle Schicksal und illustriert die Historie und die kulturellen Verknüpfungen der Russlanddeutschen mit dem riesigen Land Russland. Sie ist Teil eines bundesweiten Integrationsprojektes, gefördert vom Bundesministerium des Innern und vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge Nürnberg. Der Eintritt in die Ausstellung ist frei.

Jakob Fischer und Josef Schleicher, selbst Deutsche aus Kasachstan und Russland, führen am 7. April mit einer Power-Point-Präsentation in die Ausstellung ein und zeigen auf Großleinwand Kurzfilme über die Geschichte und Integration der Deutschen aus Russland. Sie informieren mit
interessanten Dokumentationen über die Geschichte Deutscher aus Russland, nennen Beispiele vom Zusammenleben, vom glücklichen Ankommen, von neuen Wurzeln, neuer Heimat, verständnisvollem Miteinander.

Deutsche Fachleute werden in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts von der Zarin Katharina der Großen, der geborenen Prinzessin Sophie Friederike von Anhalt-Zerbst, zur Besiedlung und Kultivierung nach Russland gerufen.  Der Ruf führt sie an die Wolga, in die Ukraine, in den Kaukasus, nach Wolhynien und Bessarabien sowie in die Großstädte des Russischen Zarenreiches – wie etwa Moskau, Sankt Petersburg, Saratow, Odessa, Kiew, Tiflis, Baku, Omsk oder Taschkent.

Heimisch geworden und seit fast 200 Jahren geachtet, müssen sie im Jahr 1941 einen Leidensweg antreten. Zigtausende Russlanddeutsche verlieren während des 2. Weltkriegs ihr Leben durch Deportation, Verschleppung und Ermordung, weil Stalin sie der Kollaboration mit Hitler-Deutschland verdächtigt.

1944 – vor 70 Jahren – werden 350.000 Deutsche aus dem Schwarzmeergebiet der Ukraine, die während des 2. Weltkrieges nicht innerhalb der Sowjetunion deportiert wurden und unter der deutschen Besatzung waren, nach Deutschland umgesiedelt. Nach Ende des Krieges werden sie mehrheitlich aus Deutschland in die Sowjetunion verschleppt. Etwa 70.000 Russlanddeutsche bleiben nach 1945 in Deutschland. Mit ihnen beginnt die Zusammenführung der getrennt lebenden Familien in der Bundesrepublik Deutschland.

Vor 25 Jahren, am 31. März 1989, kommt es in Moskau zur Gründung der „Wiedergeburt“ der größten Gesellschaft der Deutschen in der UdSSR.

Hunderttausende kommen in den 1990er Jahren zurück in das Land ihrer Vorfahren, das für sie als Synonym für Hoffnung und Gerechtigkeit steht – Deutschland. Allerdings schlagen vielen von ihnen Vorurteile und Ablehnung entgegen, von Menschen, denen alles Fremde fremd ist.
Seit 1950 konnten rund 2,8 Millionen deutsche Aussiedlerinnen und Aussiedler aus der ehemaligen UdSSR nach Deutschland zurückkehren, dank geduldiger Diplomatie und erfolgreicher Entspannungspolitik besonders nach 1990.

Die Ausstellung dokumentiert unter anderem auch, wie die russlanddeutschen Rückkehrerinnen und Rückkehrer unter oftmals schwierigen Bedingungen in Deutschland wieder Fuß fassten und ihre Integration in die Nachkriegsgesellschaft geschafft haben. Dargestellt wird auch, wie gerade in Nordrhein-Westfalen Deutsche aus Russland heute das Land in vielfacher Weise mitgestalten.

Für Rückfragen und Anmeldungen für Führungen durch die Ausstellung stehen zur Verfügung:

• Jakob Fischer (Telefon: 0171 / 40 34 329, E-Mail: fischer.russlanddeutsche@t-online.de)

Josef Schleicher (Telefon: 0176 / 29 47 73 53, E-Mail: schleicher@rikon.com)