„Der Schlüssel zur Integration ist die Sprache“

Selamawit Arefaine Eyoseab (links), die aus Eritrea stammt und seit einem Jahr einen Deutschkurs von Sprint besucht, und Justina Petkau, die seit 2003 bei Sprint die Deutschkurse für Eltern mit Migrationshintergrund leitet. Foto: Stadt Detmold

Selamawit Arefaine Eyoseab (links), die aus Eritrea stammt und seit einem Jahr einen Deutschkurs von Sprint besucht, und Justina Petkau, die seit 2003 bei Sprint die Deutschkurse für Eltern mit Migrationshintergrund leitet. Foto: Stadt Detmold

Detmold. Seit zehn Jahren bietet Sprint, das Projektbüro für Sprache und Integration des Fördervereins der Volkshochschule Detmold e.V., Sprachförderungsangebote für Eltern mit Migrationshintergrund. Am vergangenen Freitag feierten Teilnehmerinnen, Förderer, Netzwerkpartner, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dieses Jubiläum gemeinsam und blickten zurück auf die Entwicklung des Integrationsprojektes.

Wie es sich anfühlt, wenn man Worte hört, aber ihren Sinn nicht begreifen kann, konnten die Jubiläumsgäste am eigenen Leib erfahren: Teilnehmerinnen der Sprint-Deutschkurse erzählten ihre Biografie in ihrer Muttersprache. Auch wer kein Wort Arabisch, Türkisch, Albanisch oder Filipino übersetzen konnte, erlebte im Sprint Büro am Hiddeser Berg in Räumen von Sahle Wohnen, wie wichtig interkulturelle Begegnungen sind.

„Der Schlüssel zur Integration ist die Sprache – das war der Grundgedanke vor zehn Jahren und gilt heute noch genauso“, betonte Andreas Mickel, der erste Vorsitzende des Fördervereins der Volkshochschule Detmold e.V. anlässlich des runden Jubiläums. „Sprint ist aber auch noch mehr als ein tolles Bildungsangebot, Sprint schafft auch einen Ort der Begegnung und der Gemeinschaft“, lobte Bürgermeister Rainer Heller in seinem Grußwort.

Während Kinder die Sprache ihrer neuen Umgebung häufig spielend erlernen, leben teilweise ihre Eltern, insbesondere ihre Mütter, jahrlang ohne Kenntnisse der Sprache in Deutschland. Nicht nur das gesellschaftliche Leben bleibt ihnen so verschlossen, sie können auch nur eingeschränkt an dem Leben ihrer Kinder teilnehmen, etwa an deren Schullaufbahn oder Berufsplanung. „Um den Eltern Türen zu öffnen, wurde mit Sprint ein erfolgreiches Angebot geschaffen, das niederschwellig arbeitet, im Stadtteil ansässig ist, nahe den Wohnorten der Familien“, erklärt Christiane Purrmann, die als Mitarbeiterin der VHS Detmold das Projekt koordiniert.

Aktuell bietet Sprint sieben Sprachkurse an vier Standorten in Detmold an. In den vergangenen zehn Jahren nutzten insgesamt 1569 Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Sprachkursangebote von Sprint, dabei wurden im Durchschnitt pro Jahr sieben bis acht Kurse veranstaltet, so dass in Summe 10446 Unterrichtsstunden stattfanden. „Zumeist sind es Frauen zwischen 30 und 40 Jahren, die hier Deutsch lernen, und die zum Teil in der Heimat nicht alphabetisiert sind“, so Dr. Birgit Meyer-Ehlert, Leiterin der VHS Detmold. Neben dem Deutschunterricht bietet Sprint offene Sprechstunden, allein in diesem Jahr fanden bereits 234 Beratungen statt. Ein ganz wichtiges Gesicht ist dabei Justina Petkau, die seit 2003 – also von Anfang an – die Deutschkurse für Eltern leitet, aber auch Hilfestellung bei der Jobsuche gibt, Arztbesuche organisiert oder dabei hilft Anträge auszufüllen. Die Veranstaltungsreihe „Orientierung in Detmold“, in der Fragen zum deutschen Miet-, Schul- oder Gesundheitssystem beantwortet werden, gehört ebenfalls dazu.

In den vergangenen zehn Jahren hat sich in Detmold ein Sprint-Netzwerk, bestehend aus Schulen, Kitas und Familienzentren entwickelt, so dass es im ganzen Stadtgebiet Anlaufstellen gibt. Unterstützt und gefördert wird Sprint außerdem von der Koordinierungsstelle Integration der Stadt Detmold.

Weitere Informationen werden unter www.detmold.de, www.integration-detmold.de oder http://www.vhs-detmold.de/sprint veröffentlicht.