Der Hansetag als Forschungsobjekt

Herford. „Das Leben ist eine Torte, und ich nehme mir viele Stücke zum Probieren.“ Mit dieser sinnlichen Philosophie geht ist die Ukrainerin Viktoria Romanova gerne Wagnisse ein. Der 33. Internationale Hansetag ist ein solches Wagnis. Die Studentin wird über das Großereignis mit historischem Hintergrund eine Dokumentation erstellen _ als Bachelor-Arbeit für ihr Fach Medienproduktion. Die Voraussetzungen sind günstig.

Seit sieben Jahren hat die 26-Jährige Kontakt zu Deutschland im Allgemeinen und zu Lippe im Besonderen. Paul Hermann Krog, der Vorsitzende des Vereines „Brückenschlag Ukraine“, hatte ihr ein Praktikum bei der Volksbank vermittelt, als sie 19 war. Dann absolvierte sie in der alten Universitätsstadt Lutzk ein Studium der Computerwissenschaften, der Informationstechnologie und des Ingenieurswesens. Nun ist die Hochschule OWL in Lemgo ihr theoretischer Lernort. Praktisch erprobt sie sich nun in der Stadtmarketing-Agentur Pro Herford. Sie beobachtet, wie ein Dutzend Marketing-Leute das Großereignis vorbereitet und setzt sich mit der Herforder Hanse-Geschichte auseinander. Auch dafür ist sie prädestiniert: Ich habe meine Kindheit in der lettischen Hauptstadt Riga verbracht und oft Ferien in Russland gemacht“, erzählt sie: „Deswegen finde ich die Möglichkeit toll, für meine Dokumentation Delegierte aus diesen Ländern zu treffen.“ Und weil sie auch noch polnische Wurzeln hat, sieht sie sich als Bindeglied zwischen Ost und West.
Eine „deutsche Tradition“ haben die Romanovs ebenfalls, begründet durch den Uropa, der sich oft in Berlin aufhielt. Zudem ist Viktorias Mutter Englisch-Lehrerin, die dafür gesorgt hat, dass die Tochter in einer deutschen Schule unterrichtet wurde. Sprachliche Hürden gibt es praktisch nicht. Und wenn mal eine Vokabel fehlt, kann Viktoria diesen kleinen Mangel mit Temperament, Offenherzigkeit und Lerneifer ausgleichen.

Bei der Pro Herford fühlt sich wohl: „Das Klima ist da so gut. Und ich bin dankbar für die Hilfe der Menschen, die ich hier auf meinem Weg getroffen habe.“

Diesen Weg wird sie während des Hansetage (13. bis 16. Juni) fortsetzten mit Kamera und Interview-Block. Die Organisatoren, die Helfer und Sponsoren, die Gäste und Delegierten werden ihrer Bachelor-Arbeit verewigt.

Bild: pro Herford GmbH