Denn Sie wissen, was sie tun

Hamm. Die Ankündigung eines erneuten Streiks der Schleusenwärter ab kommender Woche bleibt seitens der Wirtschaft NRW nicht unwidersprochen. Hat der bisherige Streik ein Zeichen gegen die geplante WSD-Reform setzen sollen, ist die erneute Streikandrohung vor allem Ausdruck mangelnder Verantwortung für die Zukunft des Systems Wasserstraße.

Der Streik an den Schleusen hat die Schifffahrt zum Erliegen gebracht – wissentlich durch die ver.di-Verantwortlichen provoziert. Ein erneuter Streik bedroht die Logistik im System Wasserstraße und Existenzen in der Binnenschifffahrt

An eine weitere Tolerierung des Streiks der Schleusenwärter ist aus Sicht der Wirtschaft NRW nicht zu denken, zu schwer wiegen die Folgen. Das Verhalten von ver.di wird als zunehmend unverantwortlich angesehen, wenn mehrere Tausend Mitarbeiter in Unternehmen und Schifffahrt in Geiselhaft für Partikularinteressen genommen werden.

Dabei ist klar: Nachdem bereits angekündigt wurde, dass lediglich ein Aussetzen des Streiks geplant sei, reagieren Unternehmen. Die „Zeit zum Nachdenken“, die die Gewerkschaft Bundesminister Dr. Ramsauer einräumte, haben auch die Unternehmen der verladenden Wirtschaft genutzt. „Das Überraschungsmoment, das der letzte Streik hatte, wird es in Zukunft seltener geben“, kommentiert Friedrich Weege, Vorsitzender der Häfen NRW. Unternehmen können nicht akzeptieren, dass erneut bis zu einer Million Tonnen Güter brach liegen, die Logistik sucht sich neue Wege. Wird jetzt über strategische Alternativen nachgedacht, der Lkw steht grundsätzlich bereit. Allerdings sind für die kommende(n) Woche(n) Engpässe im Lkw-Sektor zu erwarten, weil viele Transporte auf die Straße abwandern. Dass dann auch die Lkw knapp und teuer werden, liegt auf der Hand.

Und die Straßen des Ruhrgebiets geben die notwendige Kapazität ebenfalls nicht her – mehr Staus sind zu Beginn der Ferienzeit offenbar durch ver.di gewünscht.

Der von der Politik forcierte Verkehrsverlagerungseffekt wird konterkariert. Beispielweise sind Dortmund und Hamm als größte Kanalhäfen in Deutschland gleichermaßen stark betroffen. Der Dortmunder Hafen wurde durch eine langanhaltende Schleusensperrung aufgrund von Reparatur- und Wartungsarbeiten praktisch von der Wasserseite abgeschnitten, bevor der Streik jetzt die Sperrung unabsehbar verlängern soll. Der Hafen Hamm als große Industrieansiedlung im östlichen Ruhrgebiet lebt von der Versorgung „seiner“ Industrie über die Wasserstraße – die Leistungsfähigkeit auf der letzten Meile des Datteln-Hamm-Kanals ist nur möglich durch die intensive Einbindung der Industrie in die logistischen Konzepte im System Wasserstraße.

„Das Vertrauen in die Zuverlässigkeit des ökoeffizienten Systems Wasserstraße wird einseitig auf’s Spiel gesetzt“, stellt Günter Haberland als Vorsitzender der Interessengemeinschaft Häfen und Wasserstraßen NRW fest. Den Spediteur erregt besonders, dass diese Zusammenhänge auch den Streikenden bekannt sind. „Die Ignoranz gegenüber der Wirtschaft und den zum Teil sehr kleinen Unternehmen der Binnenschifffahrt ist Beispiellos: Ver.di provoziert Geschäftsverluste und die Aufgabe solcher Unternehmen mit entsprechendem Arbeitsplatzverlust, „denn sie wissen was sie tun“, erläutert Weege. Heute fehlen die Schleusenwärter, und morgen…..