Das Wunder der Geburt genießen

Mutter und BabyGütersloh (kgp). Der kleine Leandros ist gerade erst ein paar Stunden auf der Welt. Er und seine Mutter haben eine anstrengende Geburt hinter sich. Nun schläft der Neugeborene seelenruhig Haut an Haut auf der Brust der Mutter. Durch den direkten Kontakt spürt Leandros den bekannten Herzschlag seiner Mutter und fühlt sich geborgen. Diese intensive Nähe stärkt die Mutter-Kind-Beziehung. Das Klinikum Gütersloh etabliert ein neues Konzept: Die Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe befindet sich auf dem Weg zum Qualitätssiegel „Babyfreundlich“, einer Initiative der WHO und der UNICEF.Insgesamt sind es zehn Schritte, die das Klinikum Gütersloh zum „Babyfreundlichen Krankenhaus“ führen. „In der Regel dauert es ungefähr zwei Jahre, bis eine Einrichtung das Siegel erhält“, weiß Renate Bruhn, Laktations- und Stillberaterin. Sie hat schon viele Krankenhäuser auf dem Weg zu dem Qualitätssiegel begleitet – so auch das Klinikum Gütersloh. Es setzt einen Umdenkungsprozess der Fachabteilungen voraus und ist mit zahlreichen Schulungen verbunden. Aktuell tragen 80 Krankenhäuser in Deutschland das Qualitätssiegel, das das Klinikum Gütersloh als einzige Einrichtung im Kreisgebiet im kommenden Jahr anstrebt.

Ziel ist es, das Baby in der ersten Lebensphase zu schützen, es in seiner Entwicklung zu fördern und das Stillen zu unterstützen. So achtet das Team rund um Chefarzt Dr. Joachim Hulde beispielsweise seit einigen Monaten verstärkt darauf, dass zwischen Mutter und Kind unmittelbar nach der Geburt – egal, ob bei einer natürlichen Entbindung oder bei einem Kaiserschnitt – Hautkontakt besteht. „Das stärkt die Bindung und die Bedürfnisse des Kindes werden besser wahrgenommen“, erklärt Meike Kruse, leitende Hebamme am Klinikum Gütersloh. Auch über Nacht soll das Neugeborene nach Möglichkeit in unmittelbarer Nähe der Mutter sein: Das sogenannte „Rooming In“, trägt wesentlich zur weiteren Schlafentwicklung des Kindes bei – in der Nähe der Mutter fühlt es sich schließlich am wohlsten.

Veranstaltung KrankenhausDie Hebammen im Klinikum Gütersloh klären die jungen Eltern auch über die Vorzüge und die Praxis des Stillens auf. Aus medizinischer Sicht überwiegen die Vorteile des Stillens: „Es fördert die Immunabwehr der Babys und die Hormonausschüttung verändert sich durch das Stillen“, betont Dr. Hulde. Aber natürlich seien auch Frauen im Klinikum Gütersloh willkommen, die sich gegen das Stillen entscheiden. „Die Eltern sollen wissen, wofür sie sich entscheiden und welche Vor- und Nachteile es für sie und ihr Kind hat“, sagt Hebamme Meike Kruse. Selbstbestimmung und Interaktion sind wichtige Aspekte der Neuausrichtung, die für die Mitarbeiter der Geburtshilfe Priorität haben.

Wir sind auf einem guten Weg“, verdeutlicht Geschäftsführerin Maud Beste. Auch baulich befindet sich die Geburtshilfe im Umbruch: im Herbst beginnt der Neubau des Kreißsaals. Die werdenden Mütter und Väter sollen sich nicht nur fachlich gut betreut und beraten fühlen, sondern sich auch in ihrer Umgebung wohlfühlen. Schließlich ist die Geburt des eigenen Kindes ein wichtiges Ereignis, das sie in vollen Zügen genießen und erleben sollen.

BU1: Intensive Nähe: Cristina Escoz Cantero und ihr Sohn Leandros haben direkt nach der Geburt Hautkontakt.
BU2: Auf dem Weg zum Qualitätssiegel: Nicole Sigrist (Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, von links), Andrea Eickhoff (Stellvertretende Pflegedirektorin), Meike Kruse (Leitende Hebamme), Renate Bruhn (Laktations- / Stillberaterin IBCLC), Geschäftsführerin Maud Beste und Chefarzt Dr. Joachim Hulde stellen das Konzept zum „babyfreundlichen Krankenhaus“ vor.