Das große Krabbeln: Frühlingszeit ist Zeckenzeit

Karlsruhe. Die Temperaturen steigen, Schnee und Matsch werden von grünen Wiesen und den ersten Blumen abgelöst. Doch die warmen Sonnenstrahlen locken nicht nur Menschen nach draußen, sondern auch Zecken. „Je wärmer es draußen ist, desto aktiver sind Zecken“, erklären Dr. Miriam Pfäffle und Dr. Trevor Petney vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT). „Im März und April kann es bereits viele Zecken geben.“ Deswegen sollte bei aller Freude über den Frühling der Zeckenschutz nicht vergessen werden. Zecken übertragen unter anderem die Infektionskrankheiten Borreliose und Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Der beste Schutz vor einer FSME-Erkrankung ist eine Impfung.

Die beiden Wissenschaftler von KIT forschen im Rahmen des Projekts Z(ecken) U(mwelt) P(athogene) Baden-Württemberg. Experten aus verschiedenen Fachrichtungen untersuchen das Leben und die Umwelt von Zecken und zeckenübertragenen Krankheiten in Baden-Württemberg. Ob es in diesem Jahr viele oder wenige Zecken geben wird, können Pfäffle und Petney allerdings nicht sagen. „Prognosen sind schwer, da Langzeitdaten fehlen.“

2014 hat es im Vergleich zu 2013 deutlich weniger gemeldete FSME-Erkrankungen gegeben (2013: 420; 2014: 265, Stand: 19.03.2015). (1) „Letztes Jahr hatten wir einen heißen Sommer, der August war verregnet. Das mögen Zecken nicht“, erklärt Pfäffle. Menschen übrigens auch nicht. „Bei schlechtem Wetter sind Menschen weniger draußen aktiv, so ist der Kontakt zu Zecken geringer.“

Zecken können das ganze Jahr aktiv sein

Zecken mögen weder extreme Hitze noch lange Regenphasen. Neben der Temperatur ist die Luftfeuchtigkeit für die Zeckenaktivität entscheidend. „Zecken können leicht Feuchtigkeit verlieren“, erläutert die Wissenschaftlerin. Befindet sich die Zecke auf der Suche nach einem Opfer in der Lauerstellung – meist an Grashalmen oder Sträuchern – verliert sie Feuchtigkeit an die Umwelt. Je trockener die Luft ist, desto weniger Zecken sind aktiv.

Grundsätzlich können Zecken das ganze Jahr aktiv sein, sagt Pfäffle. „Erwachsene Zecken haben in Mitteleuropa im Frühjahr ihr Aktivitätsmaximum.“ In einem milden Winter sind die Spinnentiere auch bei kühleren Graden vorhanden.

Übertragen werden Borreliose und FSME durch den Stich einer infizierten Zecke, hauptsächlich durch den Gemeinen Holzbock (Ixodes ricinus), der am häufigsten in Deutschland vorkommenden Zeckenart. (2) Eingeschleppte Zecken aus dem Ausland gibt es in Deutschland selten, erklärt Petney. Laut Petney gibt es keine ausländische Zeckenart, die es geschafft hätte, sich in Deutschland fortzupflanzen. „Sie können einfach nicht überleben, da nicht ausreichend von ihnen vorhanden sind“, erläutert der Wissenschaftler.

Beim Aufenthalt in der Natur lange und helle Kleidung tragen

Um Zeckenstichen und damit einer Erkrankung mit Borreliose oder FSME vorzubeugen, empfehlen die Wissenschaftler vom KIT beim Aufenthalt in der Natur das Tragen langer und heller Kleidung. „Und auch wenn es vielleicht merkwürdig aussieht: Am besten die Hose in die Socken stecken“, sagt Pfäffle. Wieder zuhause, sollte man den gesamten Körper gründlich nach Zecken absuchen. „Auch die Kleidung, wenn man sie ausgezogen hat. Sogar darin können sich noch Zecken verstecken.“ Der geliebte Vierbeiner sollte ebenfalls nicht vergessen werden, sagt Pfäffle.

Hat doch eine Zecke zugestochen, ist es wichtig, genau auf mögliche Symptome zu achten und gegebenenfalls einen Arzt aufzusuchen. Bei Borreliose ist es unter anderem die typische Wanderröte, bei FSME Fieber, Kopfschmerzen oder Schwindel. Die FSME kann nicht behandelt werden, auch ein schnelles Entfernen der Zecke bietet keinen Schutz. Gegen Borreliose gibt es außer dem Schutz vor Zeckenstichen keine Vorbeugung, gegen eine Infektion mit FSME schützt eine Impfung.

Quellen:
(1) Robert Koch-Institut, SurvStat@RKI 2.0, Web-basierte Abfrage der Meldedaten gemäß Infektionsschutzgesetz (IfSG). Letzte Abfrage: 19.03.2015.
(2) Süss, Jochen (2007): Zecken – Was man über FSME und Borreliose wissen muss. Kreuzlingen/München: Heinrich Hugendubel Verlag.

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Jetzt noch gegen FSME impfen

Prognosen über die Zeckensaison sind naturgemäß schwierig: Ob es 2015 viele oder wenige Zecken oder FSME-Erkrankungen geben wird, ist von verschiedenen Faktoren, zum Beispiel den Wetterverhältnissen, abhängig, und kann heute niemand vorhersagen. Sicher ist aber: Mit den Zecken wird auch das Thema Zeckenschutz wieder akut. Wer noch nicht vor FSME geschützt ist, kann sich jetzt noch impfen lassen.

Ein Blick in den Impfpass verrät, ob der Schutz gegen FSME vollständig und aktuell ist. Für die sogenannte Grundimmunisierung sind drei Impfungen nötig. Die ersten beiden erfolgen im Abstand von 1 bis 3 Monaten, die dritte nach spätestens einem Jahr. Nach abgeschlossener Grundimmunisierung wird die FSME-Impfung alle drei bis fünf Jahre aufgefrischt – je nach Alter und Impfstoff.

Rechtzeitig fit für die Saison

Eine FSME-Impfung ist das ganze Jahr über möglich. Der beste Zeitpunkt ist allerdings im Winter, wenn Zecken kaum oder gar nicht aktiv sind. Wer im Winter startet, ist für die anstehende Zeckensaison optimal geschützt. Für Kurzentschlossene, die zum Beispiel unmittelbar vor einer Reise in ein FSME-Risikogebiet stehen, gibt es eine spezielle Schnellimmunisierung, die ausreichend Schutz für die anstehende Saison verleiht. Nähere Auskünfte dazu gibt der Arzt.

Kosten werden meist übernommen

Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut empfiehlt die FSME-Impfung allen, die sich in einem FSME-Risikogebiet aufhalten und dort mit Zecken in Kontakt kommen können. In Deutschland sind hauptsächlich Baden-Württemberg, Bayern, Südhessen und das südöstliche Thüringen betroffen. Zudem gibt es einzelne Risikogebiete in Mittelhessen, im Saarland, in Rheinland-Pfalz, und seit 2014 auch in Sachsen.

Geimpft wird beim Haus- oder Kinderarzt. Die Impfung ist in der Regel gut verträglich – sowohl bei Erwachsenen, als auch bei Kindern. Für Menschen, die in Risikogebieten leben, werden die Kosten von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Auch Reisende, die zum Beispiel Urlaub in einem Risikogebiet machen, haben eine gute Chance auf Übernahme der Kosten. Hier empfiehlt sich, bei der eigenen Krankenkasse nachzufragen.

Gegen Borreliose gibt es in Deutschland derzeit keinen zugelassenen Impfstoff. Bei einem Aufenthalt im Freien empfiehlt sich daher lange, geschlossene Kleidung. Ein regelmäßiges und gründliches Absuchen des Körpers nach Zecken und das schnelle Entfernen der Tiere reduzieren das Borreliose-Risiko zusätzlich.

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Zecken bei der Ostereiersuche

Die Eiersuche an Ostern ist besonders für Kinder ein Riesenspaß. Am Ostersonntag hat der Osterhase seine Arbeit verrichtet und überall Eier und Süßigkeiten versteckt. Wer sie findet, darf sie behalten. Doch legt der Osterhase seine bunten Eier meistens in den entlegensten Winkeln im Garten oder im Park ab. Um möglichst viele Eier und Süßigkeiten zu ergattern, krabbeln Kinder ins hohe Gras, in Büsche und ins Unterholz. Dort warten allerdings nicht nur die bunten Osterüberraschungen, sondern auch viele Zecken. Und die sind mindestens genauso hungrig wie die kleinen Ostereier-Sammler. Zecken können beim Blutsaugen gefährliche Krankheiten übertragen, allen voran Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) und Borreliose.

Da Zecken bereits ab 7 Grad aktiv sind, bleibt die Eiersuche selbst an einem kühlen Ostertag nicht zeckenfrei. Eine erwachsene Zecke kann dabei bis auf eine Höhe von 1,50 Meter gelangen. Doch auch, wenn sich der Mythos hartnäckig hält: Zecken klettern nicht auf Bäume, um sich von dort herabfallen zu lassen. Meistens sind sie in Knie- bis Hüfthöhe zu finden und lassen sich einfach durch den Menschen von Gräsern oder anderen Pflanzen abstreifen.

Impfung schützt Kinder und Erwachsene vor FSME

Um den beginnenden Frühling und die Suche nach den Osterüberraschungen sorgenfrei genießen zu können, empfehlen sich Schutzmaßnahmen gegen Zecken. Nach dem Ostereier-Sammeln sollten Eltern sich selbst und ihre Kinder gründlich nach Zecken absuchen. Einer aktuellen Studie (1) zufolge können Zecken überall am Körper zustechen. Sie bevorzugen allerdings die Kniekehle, den Bauch- und Brustbereich sowie bei Kindern den Kopf und den Nacken. (2)

Festgesogene Zecken sollten möglichst schnell entfernt werden. Eine Infektion mit Borreliose kann so womöglich verhindert werden, da die Bakterien 12 bis 24 Stunden benötigen, um aus dem Zeckendarm in die Wunde gespült zu werden. Anders verhält es sich mit der FSME: Die FSME-Viren sitzen in den Speicheldrüsen der Zecke und können gleich nach dem Einstich übertragen werden. (3;4) Gegen FSME gibt es eine vorbeugende Impfung. Die FSME-Impfung ist in der Regel für Kinder und Erwachsene gut verträglich.

Um Kindern das Thema Zeckenschutz spielerisch näherzubringen, lohnt sich ein Ausflug auf die Seite www.zeckenschule.de.

Quellen:
(1) Anja Reichert, MD, Judith Terlohr-Wagner, Peter Gerold MD. Where ticks prefer to bite: Empirical study to reveal the preferred parts of the human body for tick bites. Medical Affairs Group DACH, Baxter Deutschland GmbH, Unterschleißheim, Germany.
(2) Berglund J., Eitrem R., Ornstein K., Lindberg A., Ringner A., Elmrud H., Carlsson M., Runehagen A., Svanborg C., Norrby R. 1995. An epidemiologic study of Lyme in Sweden. N Engl J Med;333:1319-24.
(3) Hügli D., Moret J., Rais O., Moosmann Y., Erard P.,Malinverni R., Gern L., 2009. Tick bites in a Lyme borreliosis highly endemic area in Switzerland. Int J of Med Microbiol;299(2): 155-160.
(4) Süß J., Zecken: Was man über FSME und Borreliose wissen muss. Heinrich Hugendubel Verlag, Kreuzlingen/München 2007. S. 27.