Bürgermeister lädt Wahlhelfer*innen ins Rathaus ein

Bürgermeister lädt Wahlhelfer*innen ins Rathaus ein
Interviews mit ehrenamtlichen und hauptamtlichen Aktiven – Erinnerungen an viele Wahlen
Den Fragen von Pressesprecherin Susann Lewerenz (links) stellten sich Helmut Kruse (zweiter von links), Ralf Wilkening (zweiter von rechts) und Regine Bonk (rechts) sowie Sarah Stockmann (nicht im Bild)

Den Fragen von Pressesprecherin Susann Lewerenz (links) stellten sich Helmut Kruse (zweiter von links), Ralf Wilkening (zweiter von rechts) und Regine Bonk (rechts) sowie Sarah Stockmann (nicht im Bild)

Minden. Als eine „Herzensangelegenheit“ bezeichnete es Bürgermeister Michael Jäcke, sich persönlich für den Einsatz der ehrenamtlichen Wahlhelferinnen und Wahlhelfer zu bedanken. Rund 600 werden für jede Wahl gebraucht. Sie besetzen die Wahlvorstände in den 53 Wahllokalen und zählen die Stimmen in den zuletzt zwölf Briefwahlvorständen. Mehr als 200 Mindener*innen waren am vergangenen Mittwoch (18. April) der Einladung zu einem Empfang in die Bürgerhalle gefolgt. „Ich weiß, wie wichtig es für unsere Stadt ist, dass sich Menschen ehrenamtlich engagieren“, sagte Jäcke in seiner Begrüßung. Und weiter: „Sie alle haben zum Gelingen der Wahlen in 2017 beigetragen und sie haben der fast 70 Jahre alten Demokratie in unserem Land einen großen Dienst erwiesen.“

Die Wahlen zu organisieren und abzuwickeln sei eine Pflichtaufgabe der Stadt – jeder Kommune in der Bundesrepublik Deutschland, strich der Bürgermeister heraus. Und: 2017 waren gleich zwei Wahlen „zu wuppen“: die Landtagswahl im Mai und die Bundestagswahl im September. Das war der Anlass für die ausgesprochene Einladung an mehr als 700 Wahlhelfer*innen und Wahlhelfer, die im vergangenen Jahr im Einsatz waren. Das kam gut an, wie die durchweg positive Resonanz am Abend zeigte, berichten die Beteiligten. Und ein Geschenk gab es auch noch: GWD Minden hat allen Wahlhelfer*innen um 50 Prozent ermäßigte Karten für das nächste Bundesliga-Handballspiel (22. April) gegen Vorlage der Einladung angeboten. Vor zwei Jahren hatte Jäcke die Ehrenamtlichen in der Flüchtlingshilfe ins Rathaus eingeladen. 2020 soll es wieder einen Empfang für Ehrenamtliche geben.
Wahlhelferempfang_Gäste1In zwei folgenden Interviewrunden des jüngsten Empfanges schilderten zunächst vier Mitarbeiter*innen die Vorbereitungen und den Ablauf am Wahltag im Rathaus. So sind an Wahlsonntagen nicht nur die ehrenamtlichen Wahlhelfer*innen , darunter auch Mitarbeiter*innen der Stadt, vom Kreis und anderen Behörden sowie Vertreter*innen der Parteien – im Einsatz, sondern es haben auch rund 30 Kolleginnen und Kollegen im Rathaus Dienst. „Keine Wahl ist wie die vorherige“, unterstrich Helmut Kruse, Leiter des Bereiches Bürgerdienste. Er ist seit 1980 für die Abwicklung der Wahlen im Rathaus verantwortlich und kann auf 45 Wahlen zurückblicken, die Bundestagswahl im September 2017 war seine letzte, weil der Ruhestand naht . Er hat den „Staffelstab“ bereits an Ralf Wilkening übertragen, der „Projektleiter Wahlen“ bei der Stadt seit dem vergangenen Jahr ist.
Kruse erinnerte sich im Gespräch an besondere Ereignisse, wie fehlende Urnen, geschlossene Wahllokale am Morgen und „Boykottaktionen“ – zum Beispiel ein bis zur Hälfte zugemauerter Eingang zum Wahllokal. Ralf Wilkening übernimmt die Verantwortung bei der nächsten Wahl; das ist am 26. Mai 2019 die Europawahl. Für die Akquirierung der 600 Wahlhelfer*innen war bis September 2017 Regine Bonk zuständig. Diese Aufgabe hat Sarah Stockmann (Statistik) im Wahlteam der Stadt übernommen. Sie unterstützte Regine Bonk aber bereits bei der Bundestagswahl und freut sich auf ihre neue Aufgabe. Beide schilderten, dass es nicht einfach war, die vielen Wahlhelfer*innen bei den jüngsten Wahlen zu gewinnen. Immer sei Bewegung in der Liste. Für den Notfall gebe es einen „Pool“ von Ehrenamtlichen und städtischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die einspringen, wenn eine Helferin/ein Helfer kurzfristig absagen muss.
In einer zweiten Runde berichteten vier ausgesuchte Wahlhelfer*innen von ihren Einsätzen. Die älteste war Ehrenringträgerin Ilse Finkeldey, die mit 95 Jahren immer noch aktiv ist und auch noch nicht aufhören möchte, sich als Wahlhelferin zu engagieren. Ihr Standort ist seit vielen Jahren das Wahllokal im Haus der AWO an der Marienstraße. Seit den 1950er Jahren ist die ehemalige Stadtverordnete dabei. Als Jüngste mit 17 Jahren hatte Alexa Elff ihren ersten Einsatz bei der Bundestagswahl im Wahllokal Rewe-Bertermann in Leteln. Vater Eckhard Elff ist schon lange dabei. Er ist Wahlvorsteher und hatte bei der letzten Wahl rund 800 Stimmen auszuzählen. Manchmal sei es auch spät geworden, wenn viele Stimmen auszuzählen waren, wie bei der Kommunalwahl (Rat und Kreistag) plus Bürgermeister- und Landratswahl.
Wahlvorsteher Tayfun Yildizer war im Wahllokal „Kita Weserhafen“ im Einsatz. Er sieht es als seine Pflicht, sich für die Demokratie in der Bundesrepublik zu engagieren. Freie Wahlen seien ein Privileg und Grundrecht, was geschätzt werden müsse – mit Blick auf andere Länder, in denen dieses nicht möglich sei. Er könne es auch nicht nachvollziehen, wenn Bürger*innen von ihrem Wahlrecht keinen Gebrauch machen, so Yildizer. Auch Bürgermeister Michael Jäcke hatte in seiner Begrüßung eine Lanze für das Recht auf freie Wahlen (Artikel 20 Grundgesetz) gebrochen. „Wer nicht wählen geht, verschenkt die Möglichkeit mitzubestimmen“, so Jäcke. Wählen heiße auch, Verantwortung zu übernehmen.
Das Programm des Empfanges wurde von Autor Volker Backes aus Bielefeld abgerundet, der Satire und Alltagsgeschichten zum Besten gab. Seine Schilderung, wie er sein erstes Sportabzeichen absolvierte oder über Unstimmigkeiten mit einer Rechnung in einem Restaurant berichtete, sorgte für Lacher.
Fotos: @ Pressestelle der Stadt Minden