Very british – Güterslohs Partnerstadt: eine Empfehlung

Beeston-Baustelle-Stadtbahn-HaltGütersloh/Broxtowe (gpr). Beeston, sozusagen das Herzstück der Gütersloher Partnerstadt Broxtowe, macht es seinen Besuchern gerade nicht leicht. Das ganze Zentrum ist eine gigantische Baustelle. Der Grund: die Trasse für eine Stadtbahn, die Nottingham – die Großstadt vor den Toren Broxtowes – mit dem 110 000-Einwohner-Ort verbinden soll. Die gigantische Baustelle mit ihren Absperrungen und Umwegen, die zurzeit noch in Kauf genommen werden müssen, ist allerdings mehr als ein reines Verkehrsprojekt: Mit dem Bau des neuen Schienennetzes, seinen Haltestellen und Umsteigepunkten verändert die gesamte Stadt ihr Gesicht. Schon jetzt sind neue Läden, eine weitere Tesco-Filiale und Neubauwohnungen am unmittelbaren Eingang zur Fußgängerzone entstanden. Ein großes Kino und ein Hotel sollen folgen. Der Wandel ist Programm und stetig – vom I Zechenstandort hin zu einem regionalen Zentrum, das von der Nähe zu Nottingham ebenso profitiert wie von der charmanten Natur-Umgebung Mittelenglands mit sanften Berghängen, gepflegten Landschaftsgärten, historischen Anlaufpunkten für Touristen und malerischen Villen in stillen Dörfern mit gepflegten Vorgärten.

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Attenbourough ist so ein Dorf – ein stiller Ort, in dem sich die steinerne Kirche in einem Weiher des angrenzenden Naturreservats spiegelt. Die Ursprünge von St.Mary’s Church reichen ins 11.Jahrhundert zurück, und auf dem Friedhof verweisen Schiefer-Grabsteine bis ins 17. Jahrhundert zurück. In den großzügigen Einfahrten zeugen wuchtige SUV-Geländelimousinen und wendige Zweisitzer vom Wohlstand ihrer Besitzer, und ein Schild erzählt vom Verwandten eines Berühmten der europäischen Geschichte: Henry Ireton, der Schwiegersohn von Oliver Cromwell, wurde 1611 hier geboren. Das angrenzende weiß gekalkte Pfarrhaus gäbe wie viele andere Häuser in Attenbourough Village eine Top-Kulisse für eine Romanverfilmung ab, bei der die reiche Erbin sich in den Gärtner von nebenan verliebt.

Oder in diesem Fall wäre vielleicht der Umweltschützer vom angrenzenden Attenbourough Naturreservat der Auserwählte, diesem Paradies für Wildvogelarten, die hier in harmonischer Symbiose mit den Wildvogelbeobachtern, mit Radlern und Joggern, Reitern und Schülergruppen auf Erkundungstour leben. Ausgangspunkt des weitläufigen Areals aus Seen, Hecken, Schilf und Inseln – nur wenige Meilen von der Innenstadt entfernt und unmittelbar an ein Gewerbegebiet grenzend – ist ein Zentrum im Öko-Design. Es beherbergt ein Restaurant, einen Shop, der Naturprodukte jeglicher Art verkauft und eine Art „Natur-Klassenzimmer“ mit Exponaten, Wildpflanzen-Ablegern und Mini-Biotopen. Lern- und Forschungsobjekte sind das, an denen Kinder wie Erwachsene erfahren können, was sich draußen entwickelt, ebenso wie an den Beobachtungsstationen, die sich als Holz- oder Steinhäuschen in die Umgebung einfügen und den Besuchern hinter Fensteröffnungen den Blick auf Schwarzkopfgänse, Rohrdommeln oder den „Sand Martin“ (Riparia Riparia/Uferschwalbe) gestatten, der hier brütet. Rund 700 000 Besucher kommen jährlich in dieses kilometerweite Naherholungsgebiet, das doch unerschütterliche Gelassenheit ausstrahlt und an dem Messingschilder auf freundliche Unterstützer hinweisen: „In memoriam of Helen Wise who gained much pleasure of this Nature Reserve“. „…die viel

Beeeston-Victorian-Pub-1Viel Freude bietet dem Touristen, für den die Gegend um Nottingham ein Eldorado an historischen Entdeckungen von Robin Hood bis zum Geburtshaus des Schriftstellers D.H.Lawrence in Eastwood darstellt, auch der Besuch von historischen Pubs. Sie sind in großer Zahl zu finden, tragen poetische Namen und sind von außen dekoriert mit kunstvollen Schildern. Der – angeblich nachgewiesen – älteste in ganz Großbritannien – steht in Nottingham, angeschmiegt an den Schloßfelsen und gleich neben der Figur des mittelalterlichen Rebellen Hood. „Ye olde trip to Jerusalem“ verweist auf das Gründungsjahr 1189 und die Kreuzfahrer, ist samstagmittags brechend voll und zumindest der Blick auf die Feuerstelle unterhalb des Eingangsgewölbes nährt die Phantasie, dass hier schon Robin Hoods Gang subversive Aktionen gegen den Sherriff von Nottingham ausgeheckt hat. Das Bier ist ein Dunkles aus eigener Brauerei und ähnelt dem aus dem Gütersloher Brauhaus, der Zapfer hat Ähnlichkeit mit dem Zauberer Catweazle. Draußen vor der Tür machen Japaner Gruppenbilder.Freude an diesem Naturreservat hatte“ – wenn das kein guter Grund für einen Spender ist!

So gesehen ist das „Victorian“, ein Backsteinbau aus dem Jahr 1898 in Beeston, ein wirklicher Geheimtipp: Hier kehrt ein, wer gut und deftig essen oder einfach an der Theke stehen will, ein Glas Bier ohne Schaum in der Hand, die politische Weltlage und die im Mai anstehenden Wahlen in Großbritannien diskutierend. Spätestens dann werden wir wieder etwas hören aus Broxtowe, Güterslohs Partnerstadt, die britischer kaum sein könnte.

Bilder:

Das Zukunftsprojekt „Stadtbahn“ lässt Broxtowe und Nottingham noch enger zusammenrücken und verändert das Gesicht der Stadt.

Sehr britisch:  Reihenhäuser mit Erker in Broxtowe.

Empfehlung: „The Victorian“ – Pub in Beeston.

Fotos (c) Stadt Gütersloh/Broxtowe