Bielefelder Sozialbereiche werden massiv gepferdet

Demo am AschermittwochBielefeld. „Wo bleibt unser Rettungsschirm“ wird wütend an den Bürgermeister gerichtet. Ein grünes Meer an Regenschirmen wurde am Rathausplatz aufgespannt. So demonstrierten an die tausend Betroffenen aus den Jugend- und Sozialverbänden lautstark unter dem Motto „Bielefeld bleib(t) sozial“ mit dem Erkennungszeichen grüner Rettungs-Schirm am Aschermittwoch. An drei verschiedenen Orten wurde zur Demo aufgerufen- am Rathaus, am Kirchplatz Brackwede und am Freizeitzentrum Baumheide. Der soziale Bereich ist ein wichtiger Baustein in unserer Gesellschaft und darauf darf und kann nicht verzichtet werden. Viele Euros wandern in unsinnige Stadtprojekte mit einem hohen Kreditaufwand, was jedoch still hin genommen wird. So werden mal wieder Sparmaßnahmen am falschen Ende gemacht! Da wird die kommunale  soziale  Pferdestärke zu Rindfleisch verhackt.

Jugend- und Sozialverbände werden von der Politik im Regen stehen gelassen. Und das bereits seit langer Zeit. So wurden z.B die Zahlungen für Sachkosten seit 16 Jahren nicht erhöht, Preissteigerung von den Verbänden natürlich trotzdem gezahlt. Rund 1 Mio. Euro hat sich im Laufe der Zeit angesammelt.

Noch schlimmer sieht es bei den Personalkosten aus. Die Personalkostenzuschüsse wurden auf dem Stand von 2009 eingefroren. Allein diese Kürzung hat die Träger sozialer Arbeit rund 1,4 Mio. € gekostet. Sie schieben nun eine riesige finanzielle Bugwelle von insgesamt 2,4 Mio. € vor sich her. Davon sind viele Menschen in Bielefeld betroffen. Zahlreiche Träger in Bielefeld können seitdem nicht mehr tarifgerecht bezahlen. Sie sind gezwungen, Personal zu entlassen und Leistungen einzuschränken oder gar einzustellen.

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Betroffene Sozialbereiche:

Jugendarbeit,

Erziehungs- und Familienberatungsstellen,

Drogenberatung,

Stadtteilprojekte,

Schulsozialarbeit,

Jugendverbandsarbeit,

Schwangerschaftskonfliktberatung,

Sozialpädagogische Familienhilfe,

Seniorenarbeit,

Gewinnung Ehrenamtlicher,

Fahrdienste für Menschen mit Behinderungen,

Krisendienste,

Suchthilfe,

Aidsberatung und Aidsprävention,

Integrationsarbeit und

Mädchen-und Frauenprojekte u.a.

Diese Kürzungen haben weitere zunächst nicht offenkundige Auswirkungen. Durch die kontinuierliche Reduzierung städtischer Zuschüsse nimmt der Zwang zu, weitere Geldmittel durch Spenden, Stiftungszuschüsse und befristete Projektmittel einzuwerben. Damit schwindet die verlässliche, kontinuierliche Finanzierungsbasis für die Sozial- und Jugendarbeit und die Stabilität und die Qualität der Angebote nimmt ab.

Die Forderung an die Stadt lautet „Wir fordern einen Rettungsschirm = Kostendeckende Finanzierung aller sozialer Leistungen in Bielefeld“.

Da sollten die Verantwortlichen sich nochmals Gedanken machen über ihre unsinnige Sparmaßnahme in unserer Stadt. Auch wenn der Hackfleischskandal über Pferdefleisch in den Medien einen höheren Stellenwert bekommt. Da sollte der Fokus doch mehr auf soziale Belange gesetzt werden, sonst ist der soziale Bereich wie unser Hackfleisch gepferdet.

Text & Fotos: Peter Schnathorst