Bezirksregierung nimmt Einwendungen der Bürger in den Luftreinhalteplan für Halle/Westfalen auf

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Vorgesehene Umleitungsstrecke einschließlich beabsichtigter Beschilderung für LKW ≥ 7,5 t. Foto: Bezirksregierung Detmold

Detmold. Die Bezirksregierung hat für die Stadt Halle/Westfalen einen Luftreinhalteplan erarbeitet. Ziel des Plans ist es, die Luftqualität in Halle zu verbessern, da die zulässigen Grenzwerte für Stickstoffdioxid deutlich überschritten werden. Hauptverursacher der hohen Schadstoffbelastung ist der große Anteil an Schwerlastverkehr im Stadtzentrum. Durch eine Reihe verschiedener Maßnahmen soll eine Senkung der aktuell beträchtlichen Schadstoffbelastung erreicht werden. Für die Beteiligung der Bürger lag der Plan vier Wochen lang öffentlich aus. Es wurden insgesamt 161 Einwendungen und zusätzlich eine Liste mit 618 Unterschriften vorgelegt. „Nach Ablauf der Frist haben wir die einzelnen Einwendungen der Bürger sehr intensiv geprüft. Wir nehmen die Sorgen und Belange der Menschen, die von den Umleitungsmaßnahmen betroffen sind, sehr ernst. Verschiedene Anregungen für die Verkehrslenkungsmaßnahmen haben wir aufgenommen und den Plan entsprechend überarbeitet“, so Regierungspräsidentin Marianne Thomann-Stahl. Noch im Mai wird der geänderte Plan in Kraft treten. Die Federführung für die Erstellung lag bei dem Immissionsschutzexperten der Bezirksregierung, Prof. Egon de Groot. Das umfangreiche Umleitungskonzept für den Schwerlastverkehr, als wichtigste Maßnahme des Plans, hatte Wolfram Mischer, Verkehrsingenieur der Bezirksregierung, erarbeitet.

Die wichtigste Maßnahme des Plans ist die Umleitung des Schwerlastverkehrs. Dafür wurde ein umfangreiches Umleitungskonzept erarbeitet, das mit allen betroffenen Kommunen besprochen und abgestimmt worden ist. Unter dem Aspekt Luftreinhalteplanung ist der Lückenschluss der A 33 jedoch das vorrangige Ziel. Mit der Realisierung der durchgehenden A 33 im Jahr 2019 werden die Probleme der erhöhten Luftschadstoffkonzentrationen in der Ortsdurchfahrt Halle endgültig gelöst.

Änderung des Plans: L 806/Gütersloher Straße – Umleitungsstrecke bis 2013 vorerst befristet

In zahlreichen Einwendungen hatten Bürger ihre Sorge zum Ausdruck gebracht, dass die Umleitung des Schwerlastverkehrs besonders im Bereich der L 806/ Gütersloher Straße zu problematischen Verkehrssituationen kommen könnte. Auch vor diesem Hintergrund wird die vorgegebene Umleitungsstrecke zunächst bis zum 31. Dezember 2013 befristet. Ziel der Befristung ist es, dass zunächst die Auswirkungen der geänderten Verkehrsführung beobachtet werden kann. Das gibt der Bezirksregierung die Möglichkeit, das Umleitungskonzept – wenn es erforderlich ist – an die Verkehrssituation anzupassen. Dies hatte die Bezirksregierung den Einwendern zugesagt. Darüber hinaus bietet die Befristung den Vorteil, dass auch in der Zwischenzeit die Ergebnisse der „Nachher-Zählungen“ vorliegen, die die Bezirksregierung in Auftrag gegeben hatte. Ein weiterer Vorteil der Befristung ist, dass sich möglicherweise zum Jahresende die Belastung von Straßen durch den Baustellenverkehr für den Bau der A 33 ändert. Daraus könnte die Option resultieren, weitere Straßen als zusätzliche Umleitungsstrecke einzubeziehen. Daher wird die Bezirksregierung im Herbst eine Bestandsaufnahme der Verkehrssituation durchführen. Sollte diese Bestandaufnahme zum Ergebnis führen, dass zusätzliche Ausweichstrecken ausgewiesen werden müssen, wird die Bezirksregierung den Luftreinhalteplan erneut öffentlich auslegen.

Sonderverkehrsschau für Brockhagener Straße

Im Rahmen einer Sonderverkehrsschau wurde unter Beteiligung von Straßen NRW, der Stadt Bielefeld und der Polizei überprüft, ob es durch die zu erwartenden zusätzlichen LKW mit einem Gesamtgewicht ≥ 7,5 t zu Beeinträchtigungen der Verkehrssicherheit kommen kann. Diese Sonderverkehrsschau wurde durchgeführt, um die im Rahmen der Offenlegung des Luftreinhalteplanes vorgetragenen Einwände in Bezug auf die Situation im Zuge der L 806, der Gütersloher Straße und im Umfeld dieser Straßen zu beurteilen. Betrachtet wurden unter anderem Fußgänger- und Radverkehrsanlagen, Überquerungshilfen (Mittelinseln), Fußgänger-Lichtsignal-anlagen und Bushaltestellen. Als Ergebnis der Sonderverkehrsschau sind folgende Maßnahmen im Konsens mit den beteiligten Behörden festgelegt worden:

  • Entfernung des seitlich vom Bankett auf den Seitenstreifen drängenden Bewuchses, damit wieder die volle Breite des Seitenstreifens nutzbar wird
  • Instandsetzung der befestigten Seitenstreifen im Bereich des Überführungsbauwerkes der A 33 über die L 806
  • Reduzierung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit auf 50 km/h im Bereich der KITA Holtkamp
  • Reduzierung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit auf 50 km/h im Bereich der Stiftung Ummeln
  • Verlängerung der Zwischenzeit (Rot für KFZ und Rot für Fußgänger) an der Fußgänger-Lichtsignalanlage im Bereich Gütersloher Straße in Höhe der von-Möller-Straße
  • Veränderung der Fahrbahnmarkierung im Knotenpunkt L 806/Gütersloher Straße/Cheruskerstraße.

Umleitung über Bielefeld und Gütersloh zeitlich befristet bis 2014

Ab Ende 2014 steht mit der Inbetriebnahme der „Entlastungsstraße“ und der Anschlussstelle Schnatweg eine weitere Option zur Entlastung der Ortsdurchfahrt von Halle zur Verfügung. Der von Norden kommende Verkehr hat dann die Möglichkeit über L 782, K 25 und Entlastungsstraße die B 68 zu erreichen. Als weitere kurzfristig wirksame Maßnahme ist eine richtungsbezogene Sperrung der Lange Straße für LKW über 7,5 Tonnen, die aus nördlicher Richtung kommen, Bestandteil des Planentwurfes. Die Projektgruppe hat unter Berücksichtigung des vorhandenen Straßennetzes insgesamt sieben verschiedene Streckenvarianten überprüft. Lediglich eine Verkehrsführung über die L 782 in Richtung Süden kommt nach übereinstimmender Auffassung der Projektgruppenmitglieder für den Umleitungsverkehr in Betracht. Die Umleitung des Schwerlastverkehrs mit den daraus resultierenden Mehrbelastungen für Bielefeld und Gütersloh ist jedoch zeitlich befristet. Sie ist solange notwendig, bis die „Entlastungsstraße“ sowie die A 33-Anschlussstelle Schnatweg Ende 2014 in Betrieb genommen werden. Im Straßennetz zwischen Borgholzhausen, Halle, Bielefeld und Gütersloh hat die Bezirksregierung an zwölf Messstellen jeweils eine Woche lang Verkehrsdaten erhoben. Dieser „Vorher-Zählung“ wird nach Inbetriebnahme der Umleitungsrouten eine „Nachher-Zählung“ folgen. Damit kann sehr genau festgestellt werden, wie sich die in Halle aus der Ortsdurchfahrt verdrängten LKW auf die Umleitungsstrecken verteilen und auch, ob es zu sogenannten „Schleichverkehren“ über andere, für diese Fahrzeuge ungeeigneten und daher gesperrten Straßen, kommt.