Bertelsmann vera​bschiedet Erich Rupp​ik

Liz Mohn, Erich Ruppik, seine Frau Brigitte Ruppik und Thomas Rabe (v.l.). Foto: Bertelsmann SE & Co. KGaA

Gütersloh. Bertelsmann hat sich gestern Abend von einem Mann verabschiedet, der dem Unternehmen 51 Jahre lang mindestens so stark seinen Stempel aufgedrückt hat, wie es ihm: Erich Ruppik. Ob nun Liz Mohn den langjährigen Konzernbetriebsrat als „fabelhaften Botschafter unserer Unternehmenskultur“ würdigte oder Thomas Rabe ihm bescheinigte, „leidenschaftlich engagiert für die Interessen der Mitarbeiter gestritten“ zu haben – die Spitze des Unternehmens zollte ihm höchsten Respekt. Konzernpersonalchef Immanuel Hermreck stellte Ruppik auf eine Ebene mit Reinhard Mohn. Beide hätten Bertelsmann gleich über ein halbes Jahrhundert hinweg geprägt. Der Angesprochene selbst hingegen blieb sich in seiner Bescheidenheit treu, als er sich verabschiedete mit den Worten: „Bertelsmann war für mich ein Segen.“

Erich Ruppik, der im Sommer wie berichtet den Vorsitz des Konzernbetriebsrats nach 22 Jahren niedergelegt und das Unternehmen nach 51 Jahren verlassen hatte, gehört für Liz Mohn zu den „Menschen, die dieses Haus mitgestaltet haben“. Er sei zu Bertelsmann in einer Zeit gekommen, in der es galt anzupacken – und in der die eigentliche Erfolgsgeschichte des Unternehmens ihren Anfang nahm. „Es waren die Jahre des Wachstums, der ersten Schritte ins Ausland und des Aufbaus neuer Geschäfte“, erinnerte Liz Mohn, „es war aber auch die Geburtsstunde unserer Unternehmenskultur.“ Und für eben diese Kultur sei Erich Ruppik zu einem so wichtigen Botschafter geworden. Er habe sich nie damit begnügt, das Thema abstrakt zu diskutieren, sondern sei stets dafür eingetreten, „dass Partnerschaft auch tatsächlich gelebt wird“ und sich konkret niederschlage – beispielsweise in der Gewinnbeteiligung oder der Mitarbeiterbefragung.

Liz Mohn bezeichnete den ehemaligen Konzernbetriebsrat als Brückenbauer, als wertvollen Gesprächspartner für sie und ihren Mann und als „hochgeschätztes Mitglied unserer Bertelsmann-Familie“. Eigene Interessen habe er stets hintan gestellt, Werte und Überzeugungen geteilt, Vertrauen geschenkt und bekommen. Anerkennend fügte sie hinzu: „Sie haben die stärkste Kraft unseres Hauses – die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – würdig und entschieden vertreten.“ Immer wieder, erinnerte sie, habe Erich Ruppik ihrem Mann gegenüber gemahnt: „Herr Mohn, wir müssen die Mitarbeiter mitnehmen.“ Bertelsmann, sagte Liz Mohn zum Abschied und zum Dank an Erich Ruppik gewandt, „wird Sie nie vergessen. Und auch ich werde Sie nie vergessen.”

Dass auch Erich Ruppik seinerseits Bertelsmann wohl weder vergessen wird noch will, liegt auf der Hand: Schließlich kam er als 15-Jähriger ins Unternehmen und hielt ihm über besagte 51 Jahre ununterbrochen die Treue. Thomas Rabe erinnerte in seiner Abschiedsrede noch einmal an die wesentlichen Stationen im Bertelsmann-Leben Ruppiks. An seine Zeit als Jugendvertreter und Betriebsratsmitglied, an seine Jahre im Konzernbetriebsrat und die zwei Jahrzehnte an dessen Spitze. „Sie haben Ihr Engagement für das Unternehmen immer gepaart mit dem Einsatz für die Mitarbeiter“, sagte Rabe, um fortzufahren: „Sie haben Bertelsmann geprägt.“ So sei partnerschaftliche Führung das Credo des Unternehmens – aber eben auch von Erich Ruppik geworden. Seine Maxime sei gewesen: „Nur wenn es dem Unternehmen gut geht, kann es auch den Mitarbeitern gut gehen – und umgekehrt.“

Dass es Unternehmen und Mitarbeitern gut geht, habe Ruppik stets in lokalen Lösungen vor Ort zu erreichen versucht, führte Rabe aus, der in diesem Vorgehen und in der Abgrenzung zu flächendeckenden Pauschallösungen seinerseits einen großen Vorteil sieht. Er habe, sagte der Vorstandsvorsitzende, Erich Ruppik immer konstruktiv-sachlich erlebt, nie ideologisch. Ruppik sei zu einer „natürlichen Autorität“ bei Bertelsmann geworden. Für ihn persönlich sei er ein verlässlicher Partner gewesen, der hart und leidenschaftlich für die Interessen der Mitarbeiter gestritten habe. Thomas Rabe unterstrich den Humor und die Entertainer-Qualitäten Ruppiks. Seine Stimme werde zwar, schloss Rabe, in Betriebsrat und Aufsichtsrat fehlen, aber Erich Ruppik werde „immer ein Teil von Bertelsmann bleiben“, weil er Generationen von Führungskräften und Mitarbeitern dauerhaft geprägt habe.

Erich Ruppik allein mit Reden und Worten zu ehren – und kommen sie aus noch so berufenem Munde –, würde ihm nicht gerecht. Und so hatte die feierliche Verabschiedung des ehemaligen Konzernbetriebsrats im Betriebsrestaurant des Corporate Center auch ihre anderen Seiten. Musik durfte nicht fehlen. Sie kam live vom Ensemble Vinorosso, in dem auch Erich Ruppiks Sohn Ruben aktiv ist. Wie seine Schwester hat er sich ganz der Musik verschrieben. Eher im Nebenjob, aber nicht minder herzlich, versuchte sich der Betriebsrat in Sachen Musik: mit einem eigens für diesen Anlass gegründeten Chor. Der hatte Udo Jürgens Hit „Mit 66 Jahren“ kurzerhand um ein Jahr altern lassen und auf den 67-jährigen Erich Ruppik umgetextet. Und schließlich trat die Corporate-Center-Band „CC Top“ zu Ehren Ruppiks auf, die den scheidenden Kollegen natürlich auch selbst auf die Bühne und ans Mikrofon bat.

Nach persönlichen Erinnerungen des ehemaligen Konzernpersonalchefs Georg Türnau an „den Kaufmann, den Entertainer und den Betriebsrat“ Erich Ruppik trat dann der amtierende, Immanuel Hermreck, ans Mikrofon. Und das mit einer Narrenkappe. Denn, verriet Hermreck einleitend, so viele Dinge er gemeinsam mit Erich Ruppik auch umgesetzt habe, ein Projekt habe nie das Licht der Welt erblickt: eine Wiederauflage der legendären Karnevalsparty aus den frühen Bertelsmann-Jahren mit einer gemeinsamen Büttenrede von Erich Ruppik und ihm. Zumindest den letzten Teil löste Immanuel Hermreck gestern Abend ein. Gekonnt und in Versform spielte er in seiner Büttenrede mit den Eigenarten und mit wohlbekannten Lieblingszitaten Ruppiks, sei es das vielen unvergessliche „Miteinander reden“ oder seine so oft geäußerte bange Nachfrage „Kann man mich verstehen?“

Voller Sympathie und – wo angebracht – mit einem Augenzwinkern ließ Hermreck Verdienste, Leidenschaften und Überzeugungen seines nunmehr ehemaligen Sparringpartners Revue passieren. Er lobte dessen Wertefundament, sein bedingungsloses Eintreten für die Partnerschaft und die Führung aus der Mitte. Er erinnerte an Ruppiks große Auftritte bei Betriebs- oder Rentnerfeiern. Und er nahm seine Eigenarten aufs Korn, vor allem die, überall unangekündigt und unverabredet aufzutauchen. Oder aber Ruppiks bedingungsloses Eintreten für die Mitarbeiterbefragung – ohne selbst je beurteilt worden zu sein. Auch der Konzernpersonalchef schloss mit der tiefen Überzeugung, dass Erich Ruppik bei Bertelsmann „Bleibendes geschaffen“, habe und dankte ihm für die vielen Lehren, die der Ältere ihm mit auf den Weg gegeben habe.

Den Dank gab Erich Ruppik abschließend zurück – und das gleich an die Adresse von ganz Bertelsmann, in Person allen voran an Liz Mohn. „Bertelsmann war ein Segen, war ein Glück für mich“, zog er nach einem halben Jahrhundert Bilanz. Er erinnerte an seine Anfänge in den frühen 60er Jahren, „als wir hart gearbeitet, aber auch hart gefeiert und vor allem viel gesungen haben“. Er sei, sagte Ruppik, „begeistert gewesen von den Freiheiten, die er von Anfang an genossen habe und von der Möglichkeit, als junger Mann eigene Talente entdecken und ausbauen zu dürfen“. Auf die selbstgestellte Frage, was er heute mache, antwortete er aus tiefster Seele: „Ich genieße – und damit bin ich von früh bis spät vollauf beschäftigt.“

Foto: Bertelsmann SE & Co. KGaA