Beeindruckende Ausstattung und ruhige Arbeitsatmosphäre

Echte Handarbeit: Die Werkräume in Mikkeli sind bestens ausgestattet und laden zum handwerklichen Austoben ein. Foto: Stadt Gütersloh

Echte Handarbeit: Die Werkräume in Mikkeli sind bestens ausgestattet und laden zum handwerklichen Austoben ein. Foto: Stadt Gütersloh

Gütersloh (gpr). Die Erinnerungen sind allgegenwärtig. Obwohl ihre Reise nach Finnland schon ein paar Wochen her ist, sieht man ihnen noch immer ihre Begeisterung an: Katrin Scheibe und ihre Tochter Ilvy sowie Dr. Volquart Urlaub und seine Tochter Johanna haben zusammen mit Irene Albers, Schulleiterin der Europaschule Nordhorn, den Schulalltag in Finnland kennengelernt. Die fünftägige Reise nach Mikkeli, eine Kleinstadt nördlich von Helsinki, fand im Rahmen des Comenius Projektes statt, ein europäisches Programm für schulische Bildung. 

Mitgebracht aus der finnischen Region Savo hat die Gütersloher Delegation nicht nur hunderte von Fotos, sondern auch viele Anregungen und neue Ideen für die Gestaltung des Schulalltags. Denn trotz des relativ kurzen Aufenthalts in der knapp 55.000 Einwohner großen Stadt, sind den Kindern und den Erwachsenen einige Unterschiede zur deutschen Schullandschaft ins Auge gefallen: „Mir ist das Herz aufgegangen, als ich die Ausstattung der Werk- und der Klassenräume gesehen haben“, schwärmt Dr. Volquart Urlaub. Angefangen bei großen Werkräumen mit Schränken voll sortiertem Werkzeug über weitläufige Materialräume bis hin zu technisch modern ausgestatteten Klassenzimmern blieben keine Wünsche offen – kein Vergleich zu deutschen Verhältnissen. „In den Werkräumen können sich die Kinder frei entfalten, dort wird ihnen relativ freie Hand gelassen“, erzählt der Vater von Johanna, „das Resultat waren richtig gute Handarbeiten.“

Denselben Eindruck erhielt die Delegation von den Klassenräumen: In jedem Raum befindet sich ein Beamer inklusive Videokamera sowie ein Laptop für die Lehrkraft – die Zeit der Kreidetafeln und Tageslichtschreiber scheint in Finnland vollkommen überholt zu sein. „Der Lehrer unterrichtet den ganzen Tag über in einem Raum. So entstehen in den verschiedenen Klassenzimmern – je nach Pädagoge – unterschiedliche Atmosphären“, fasst Katrin Scheibe ihre Eindrücke in Worte. „Die Räume wirken sehr gemeinschaftlich und trotzdem hat darin jeder Schüler und der Lehrer seinen eigenen, individuellen Platz.“ Die Mädchen und Jungen sitzen an Einzeltischen, in denen sie ihre Schulmaterialen verstauen können. „Die Kinder kommen nur mit einem Rucksack zur Schule, sie lassen ihre Bücher alle in der Schule“, erinnert sich die zehnjährige Ilvy.

Und was ist nun Finnlands Geheimrezept, um bei den Pisa-Studien an der Spitze zu stehen? – „Man muss bedenken, dass wir nur eine Schule kennengelernt haben und das auch nur über einen kurzen Zeitraum“, möchte Katrin Scheibe keine verallgemeinerten Rückschlüsse ziehen. „Auffällig war auf jeden Fall das sehr homogene Schulpublikum. Der Migrantenanteil war sehr gering, die Schüler bewegten sich fast alle auf demselben Lernstand, so dass die Niveauunterschiede minimal ausfielen.“ Insgesamt sei die  Schule sehr gemeinschaftlich organisiert und soziale Kompetenzen hätten einen hohen Stellenwert, erzählen die Gütersloher Reisenden. „Außerdem sind sich die Lehrer ihrer Vorbildfunktion bewusst und leben das Leitbild der Schule beispielhaft vor“, so Katrin Scheibe.

Den beiden jüngsten Mitgliedern der Delegation sind besonders die Diszipliniertheit und die Ruhe in Erinnerung geblieben: „Bei uns ist es in der Mensa viel lauter“, sagt die neunjährige Johanna, „egal, ob im Unterricht, bei Ausflügen oder beim Essen: in Mikkeli wurde sich immer in Zimmerlautstärke unterhalten.“ Das Resultat seien eine ruhige Arbeitsatmosphäre und ein respektvoller Umgang untereinander.

Die Reise nach Finnland fand im Rahmen des Comenius Projektes 2012 bis 2014 „Wasser – Quelle des Lebens“ statt. Im Zuge dessen sind ebenfalls Partnerbesuche zu anderen teilnehmenden Schulen des Projektes vorgesehen: Im Dezember vergangenen Jahres waren bereits Vertreter aus Finnland, Frankreich, England und Belgien zu Gast an der Europaschule Nordhorn in Gütersloh. Nach den Sommerferien hat die teilnehmende Schule in Frankreich die Projektpartner eingeladen.

„Wir nehmen bereits seit 1999 am Comenius-Projekt teil. Man bekommt unheimlich viele Eindrücke bei den Besuchen an anderen Schulen und nimmt neue Ideen mit, die wir dann zum Teil versuchen bei uns umzusetzen“, erklärt die stellvertretende Schulleiterin Dagmar Klöppner den pädagogischen Hintergrund des Projektes. Schließlich sind auch alle Erfahrungen der jüngsten Gütersloher Delegation schriftlich festgehalten und an einem Informationsabend den Eltern der Schule sowie dem Lehrerkollegium präsentiert worden. Nun sollen diese Erfahrungen an der Grundschule Früchte tragen. Eben so, wie es sich für eine Europaschule gehört, die ihren Namen nicht nur trägt, sondern auch lebt.